Deutschlands älteste Chefs Diese 9 Unternehmer wollen einfach nicht aufhören

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Ein Unternehmen ist wie das eigene Kind: Man zieht es groß und schaut zu, wie es sich entwickelt. Umso schwerer fällt das Loslassen. Diese 9 Unternehmer arbeiten weit über das Rentenalter hinaus für ihre Firmen.

Deutschlands älteste Chefs sind vor allem eines: fleißig. Bis weit über das gesetzliche Rentenalter hinaus sind sie für ihr Unternehmen im Einsatz, oft bis zu 60 Stunden pro Woche. Umso schwerer fällt es ihnen, loszulassen und der jüngeren Generation die Führung zu übergeben. Wir stellen neun Unternehmer vor, die nicht aufhören können zu arbeiten – und einige, die es geschafft haben, das Rentenalter wenigstens ein bisschen zu genießen.

1. Wolfgang Grupp, Trigema

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Erst kürzlich feierte Trigema-Chef Wolfgang Grupp seinen 75. Geburtstag mit der ganzen Familie in Dubai. Auch sonst mag es der Hersteller von T-Shirts und Sportbekleidung extravagant. So ließ er zum Beispiel ein 45 Meter langes und 15 Meter breites Grab für sich und seine Familie bauen. Doch an einen Rückzug aus dem Geschäft denkt der Mann mit dem Affen-Spot noch nicht: „Stellen Sie sich mal vor, ich müsste die ganze Zeit auf die Jagd gehen oder spazieren gehen!“, empörte er sich jüngst in einem Interview.

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Falls ihm doch einmal etwas zustoßen sollte, würde zunächst seine Frau die Führung des Unternehmens übernehmen, sagte er vor kurzem im Focus in einem Interview. Auf lange Sicht sollen sein Sohn oder seine Tochter die Nachfolge antreten: „Für mich ist es selbstverständlich, dass eines meiner beiden Kinder Trigema eines Tages führt. Die Idee, es in fremde Hände zu geben, hatte ich nie und werde ich nie haben.“

2. Erwin Müller, Drogeriemarkt Müller

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Auch mit 84 Jahren denkt Erwin Müller (auf dem Foto mit Ehefrau Anita), Gründer der Drogeriemarktkette Müller, noch nicht an den Ruhestand. Im Gegenteil, seit Anfang des Jahres übernimmt er wieder vermehrt Aufgaben im Unternehmen, besonders im Einkauf. Der Grund: Müllers rechte Hand, Mitgeschäftsführerin Elke Menold, hat laut der Lebensmittel-Zeitung einige Zuständigkeiten abgegeben.

Nicht zuletzt wegen Müllers autoritären Führungsstil ist die Frage um seine Nachfolge noch ungeklärt. Schon 2004 entmachtete er seinen Sohn Reinhard, der kurz darauf auch aus dem Konzern ausschied. So muss sich der 84-Jährige noch gedulden, bis er sich als Rentner ausgiebiger seinem Hobby, dem Golfen, und seiner Straußenfarm auf Mallorca widmen kann.

3. Michael Herz, Tchibo und Beiersdorf

Nach langem Streit um die Führung des Familienkonzerns denkt der Eigentümer von Tchibo und Beiersdorf jetzt erst recht nicht an die Rente. Der 73-jährige Unternehmer macht am liebsten noch alles selbst, vor allem beim Kaffee- und Gebrauchsartikelkonzern Tchibo. Nicht selten komme es vor, dass der Milliardär persönlich bei Geschäftsführern einer Filiale anrufe und diese zur Rechenschaft ziehe, wenn er von einer kaputten Glühbirne gehört habe, berichtet das manager magazin.

Eine Nachfolgeregelung hat Michael Herz noch nicht getroffen. Sein ältester Sohn interessiert sich mehr für Corporate Responsibility, etwa für das Los der Kaffeebauern in Nicaragua, als fürs Geschäft. Die Tochter hegt größere Ambitionen als Pferdespringreiterin. Michael Herz‘ Hoffnungsträger ist sein jüngster Sohn, der allerdings noch studiert. Die Anteile an Tchibo und Beiersdorf haben der 73-Jährige und sein Bruder Wolfgang im vergangenen Jahr aber schon größtenteils an die fünf Kinder weitergereicht.

Auch sein älterer Bruder, der 76-jährige Günter Herz, ist ein Workaholic. Nachdem er den Kampf um das Unternehmen des Vaters Max Herz verloren hatte, kaufte er 2011 Anteile der erfolgreichen Systemgastronomie Vapiano. Zwischen den Brüdern allerdings herrscht immer noch Eiszeit.

4. Günther Fielmann, Fielmann AG

Erst kürzlich verlängerte der Gründer von Fielmann seinen Vertrag als Vorstandsvorsitzender der Fielmann AG. So wird der 77-jährige Günther Fielmann (links) seinem Unternehmen noch über sein 80. Lebensjahr treu bleiben. Nicht nur im Brillengeschäft ist Günther Fielmann erfolgreich: Vor 28 Jahren kaufte er den Hof Lütjensee östlich von Hamburg und machte damit seinen Kindheitstraum, die ökologische Landwirtschaft, zum Nebenerwerb.

Wenn der 77-Jährige in drei Jahren in den wohlverdienten Ruhestand geht, soll Sohn Marc Fielmann (rechts) in die Fußstapfen des Unternehmers treten. Der 27-Jährige ist bereits seit einem Jahr Marketing-Vorstand, hat eine augenoptische Ausbildung absolviert und ein abgeschlossenes Wirtschaftsstudium. Seiner Rolle als Nachfolger ist Marc Fielmann sich sehr bewusst: „Mein Vater hat mir von Kindesbeinen sehr viel Verantwortung übertragen. Manchmal dachte man, es sei zu viel auf einmal. Aber retrospektiv betrachtet war es genau richtig“, sagte er kürzlich im Wirtschaftsmagazin Capital.

5. Bruno Rixen, Rixen Cableways

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Seit 1961 ist Bruno Rixen Chef von Rixen Cableways. In seinen 55 Jahren als Unternehmer war der heute 85-Jährige nur einmal im Urlaub – um ihn dann abzubrechen. Lieber wollte er sich auf seine Erfindung, den Wasserskilift, und dessen Entwicklung konzentrieren. Heute ist seine Firma Weltmarktführer. Dafür arbeitet der Ingenieur auch heute noch rund 60 Stunden pro Woche.

Im Wirtschaftsmagazin brand eins sagte er vor einigen Jahren, am liebsten würde er seine Firma verkaufen, um sich neuen Herausforderungen zu widmen. Aber um auch in der Zukunft eigene Ideen einbringen zu können, würde er ein paar Geschäftsanteile behalten wollen. Rixen, der für seine verrückten Einfälle bekannt ist, hat auch schon Pläne für seine Zeit nach Rixen Cableways: „Die Revolution der Bundesbahn“, sagte er im Interview. Er will die Haltestellen abschaffen und Passagiere direkt in fahrende Züge einsteigen lassen. Die Pläne dafür lägen bereits im Schrank.

6. Berthold Leibinger, Trumpf

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Jeden Morgen fährt Berthold Leibinger in die Firmenzentrale der Maschinenfabrik Trumpf – und das, obwohl der Seniorchef gar keine offizielle Funktion mehr in dem Unternehmen hat. Schon vor zwölf Jahren übergab der heute 86-Jährige den Vorsitz der Geschäftsführung an seine Tochter Nicola Leibinger-Kammüller. Doch ganz loslassen kann Leibinger immer noch nicht. Keine Entscheidung sei ihm so schwer gefallen wie der Generationenwechsel: „Die Verbindung mit diesem Unternehmen ist eine ganz tiefe, bis heute“, sagte Leibinger vor einigen Jahren der Stuttgarter Zeitung in einem Interview: „Ich habe meinen Kindern gesagt: Ich verzichte auf jedes Amt, aber ihr könnt mir nicht verbieten, dass ich existenziell Anteil nehme am Weg dieses Unternehmens.“

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Als einer der wichtigsten Mäzene Deutschlands fördert der Unternehmer mit seiner 1992 gegründeten Berthold-Leibinger-Stiftung kulturelle, wissenschaftliche, kirchliche und soziale Belange. Erst kürzlich half die Stiftung, die Thomas-Mann-Villa in Kalifornien für Deutschland zu bewahren.

7. Helene Metz, Metz-Werke

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Noch mit 90 Jahren war Helene Metz Alleingesellschafterin und Vorsitzende des Beirats des TV-Herstellers Metz-Werke und ging regelmäßig ins Büro. „Ich bin jederzeit zur Stelle, wenn jemand Rat braucht“, sagte die Unternehmerin vor ein paar Jahren in einem Zeit-Interview. „Die Firma ist für mich wie ein zweites Zuhause.“  Nach dem Tod ihres Ehemannes Paul, dem Gründer der Metz-Werke, übernahm sie mit 69 Jahren die Geschäftsführung. Erst im Juli 2010 zog sie sich, genau 70 Jahre nach ihrem ersten Arbeitstag in dem Unternehmen, aus dem aktiven Geschäft zurück, blieb aber Inhaberin. Da Helene Metz und ihr Mann keine Kinder hatten, musste die Nachfolgefrage anders gelöst werden. 2004 wurde der Betriebswirt Norbert Kotzbauer zum Geschäftsführer ernannt.

Inzwischen gehören die Fernseher der Metz-Werke fast schon der Vergangenheit an. 2014 musste das Unternehmen der heute 92-Jährigen Insolvenz anmelden.

8. Albert Darboven, J.J. Darboven

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Pünktlich um 8 Uhr steht Albert Darboven jeden Tag beim Firmensitz des Kaffeehandelshauses J.J. Darboven in Hamburg-Billbrook auf der Matte. Seit 1960 entscheidet der 81-Jährige über die Geschicke des Kaffee-Herstellers – in vierter Generation.

Über seine Rente denkt der Unternehmer noch nicht nach. Vielleicht auch deshalb, weil die Nachfolge seit Jahren ungeklärt ist. Sein Sohn Arthur Ernesto Darboven war 2008 nach einem Streit über die strategische Ausrichtung des Unternehmens aus dem Familienbetrieb ausgeschieden und gründete kurzerhand seine eigene Firma. Vor rund einem Jahr aber sagte Albert Darboven in einem Welt-Interview, er habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben: „Ich versuche natürlich, das sage ich ganz offen, doch noch einen Weg mit meinem Sohn zu finden. Er hat sich jetzt für Rohkaffee entschieden und ist da sehr erfolgreich.“ Und auch die Voraussetzungen, so sagt Darboven, bringe sein Sohn mit. „Seine Mutter stammt aus einer der großen Kaffee-Anbauer-Familien in Mittelamerika. Er hat das mit der Muttermilch aufgesaugt.“

Bis dahin will der 81-Jährige auch weiterhin jeden Tag ins Hamburger Büro fahren:„Irgendwann wird jemand das Geschäft übernehmen müssen. Aber noch mache ich ein paar Jahre weiter“, sagte Darboven kürzlich im Interview mit der Welt am Sonntag. Vielleicht seien das fünf Jahre oder ein bisschen mehr: „Das wird davon abhängen, ob ich dann noch so gut beieinander bin wie heute.“

9. Eugen Block, Block-House

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Die Holding von Eugen Block umfasst heute 16 Unternehmen, darunter das Hotel Grand Elyseé in Hamburg und die Restaurant-Ketten Block House und Jim Block. Schon seit 1993 kündigte Eugen Block immer wieder seinen Ruhestand an. Doch erst im vergangen Jahr hat sich der 76-Jährige endgültig aus dem operativen Geschäft seiner Unternehmen zurückgezogen. Seine Aufgaben als Vorstandsvorsitzender und Vorsitz im Aufsichtsrat übergab er extern, mit seinen drei Kindern kam er auf keinen gemeinsamen Nenner. Auch wollte er den Familienfrieden bewahren und kein Kind bevorzugen: „Wir dritteln. Wir müssen alle drei gleichermaßen bedenken und behandeln. Keines der Geschwister soll sich über den anderen ärgern müssen“, sagte er vor einiger Zeit im Interview mit der Zeit.

Doch wirklich loslassen kann Block noch nicht: Als Mehrheitsgesellschafter wird der 76-Jährige weiterhin 76 Prozent der Firmenanteile behalten. Die restlichen 24 Prozent sind auf die drei Kinder aufgeteilt, die alle im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzen. Block kommt immer noch für zwei bis drei Stunden in der Woche in die Firma. Der Unternehmer gilt als Kontrollfreak: Sogar die Größe der Löcher in seinen Salzstreuern bestimmte er selbst. Kein Wunder also, dass er die Nachfolge unterstützend begleiten will.

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