Praktikumszeugnis Das muss in einem Praktikumszeugnis stehen

Der Praktikant war super? Das können Sie natürlich ins Praktikumszeugnis schreiben. Aber nicht jeder Praktikant hat automatisch Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis.

Der Praktikant war super? Das können Sie natürlich ins Praktikumszeugnis schreiben. Aber nicht jeder Praktikant hat automatisch Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis.© HerrSpecht / photocase.de

Haben Praktikanten Anspruch auf ein Zeugnis? Und was gehört unbedingt hinein? Antworten auf alle wichtigen Fragen - und Tipps für die richtige Formulierung.

Hat jeder Praktikant Anspruch auf ein Praktikumszeugnis?

Praktikanten haben nach § 26 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG) in Verbindung mit § 16 BBiG einen Anspruch auf ein Zeugnis, wenn

  • das Praktikum dem Zweck dient, „berufliche Fertigkeiten, Kenntnisse, Fähigkeiten oder berufliche Erfahrungen zu erwerben“
  • und – so fordert das Bundesarbeitsgericht – ein „Mindestmaß an Pflichteinbindung an den Betriebszweck“ besteht.

„Wenn jemand zum Beispiel sehr tierlieb ist und jeden Nachmittag im Tierheim die Hunde ausführt, kann er dort nicht irgendwann ein Praktikumszeugnis verlangen“, so die Rechtsanwältin Swantje Wallbraun. Es müsse einen gewissen offiziellen Rahmen geben – und sei es nur, dass man sich mündlich geeinigt hat, dass einem der Praktikant die nächsten zwei Wochen über die Schulter schaut. Eine Mindestdauer für ein Praktikum gibt es dabei nicht. Das „Mindestmaß an Pflichteinbindung“ bedeutet laut Wallbraun zum Beispiel, dass der Praktikant während seines Praktikums dazu verpflichtet sein muss, anwesend zu sein.

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Welche Pflichtangaben gehören in ein Praktikumszeugnis?

Fällt das Praktikum unter die oben beschriebene Regelung, muss das Zeugnis gemäß § 16 BBiG folgende Pflichtangaben enthalten:

  • die Art des Praktikums (etwa, ob es sich um ein freiwilliges Praktikum handelte)
  • die Dauer des Praktikums
  • das Ziel des Praktikums
  • die erworbenen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten des Praktikanten

Angaben über Verhalten und Leistungen, wie sie in einem qualifizierten Arbeitszeugnis stehen, müssen in ein Praktikumszeugnis nur dann aufgenommen werden, wenn der Praktikant es verlangt. „Wenn es nicht besonders gut lief, fahren Praktikanten mit einem einfachen Zeugnis ohne Beurteilung vermutlich besser“, sagt Wallbraun.

Möchte ein Praktikant ein qualifiziertes Zeugnis, gelten bei der Formulierung die gleichen Regeln wie bei normalen Arbeitszeugnisse. Man greift also auch bei Praktikumszeugnissen auf Standardformulierungen wie „zu unserer vollsten Zufriedenheit“ oder „zu unserer vollen Zufriedenheit“ zurück. Hier lesen Sie, wie Sie ein qualifiziertes Arbeitszeugnis rechtssicher erstellen und welche Geheimcodes in der Zeugnissprache üblich sind.

Und wie für jedes Arbeitszeugnis gilt auch für das Praktikumszeugnis: Es muss schriftlich ausgestellt und vom Praktikumsgeber unterschrieben werden und einen offiziellen Briefkopf enthalten.

Kann der Anspruch auf ein Praktikumszeugnis verwirken?

Ja – allerdings gibt es dazu keine genaue Zeitangabe. „Wenn jemand zwei Jahre nach einem Praktikum eine Bewerbung abschicken möchte und plötzlich feststellt, dass das Zeugnis von damals fehlt, darf der Praktikumsgeber das ablehnen, weil es schon zu lange her ist“, erklärt die Arbeitsrechtlerin.

Zudem ist der Praktikumsgeber nicht dazu verpflichtet, dem Praktikanten das Zeugnis zuzuschicken. „Das gilt übrigens für alle Arbeitszeugnisse – auch wenn die meisten Arbeitgeber Zeugnisse natürlich verschicken, einfach weil es nett ist und wenig kostet“, so Wallbraun. Es wäre aber auch rechtens zu verlangen, dass das Zeugnis im Unternehmen abgeholt wird.

Bekommen auch Schülerpraktikanten ein Zeugnis?

Ein Schülerpraktikum fällt nicht unter die oben genannten Regelungen. „Auf ein qualifiziertes Zeugnis mit der Beurteilung von Leistung und Verhalten haben Schülerpraktikanten keinen Anspruch“, sagt Wallbraun. Natürlich könnten sie sich darauf mit dem Praktikumsgeber einigen. „Aber sie können es nicht einklagen.“

In der Regel reicht für sie ein unterschriebener Praktikumsnachweis, der belegt, dass ein Praktikum absolviert wurde.

Was gilt für Praktikanten, die ein in ihrem Studiengang vorgeschriebenes Pflichtpraktikum absolvieren?

Ähnlich wie Schülerpraktikanten fallen auch sie nicht unter die Regelungen von §16 BBiG. Entsprechend haben sie keinen Anspruch auf ein qualifiziertes Zeugnis. „In solchen Fällen empfiehlt es sich für beide Seiten, schon vorab zu klären, was am Ende des Praktikums erwartet wird. Reicht eine einfache Bescheinigung? Wünscht sich der Praktikant ein ausführlicheres Zeugnis, das aufzählt, was vermittelt wurde? Oder gleich ein qualifiziertes Zeugnis mit Beurteilung?“, so Wallbraun. Wer sich im Voraus abstimmt, vermeidet Streitigkeiten – und weiß, welche Aufwände durch das Verfassen eines Zeugnisses auf ihn zukommen.

Was, wenn der Praktikant direkt nach dem Praktikum übernommen wird?

Immer wieder kommt es vor, dass ein Praktikant einen so guten Eindruck hinterlässt, dass er gleich im Anschluss an das Praktikum übernommen wird. Laut Wallbraun ist der Arbeitgeber aber auch in diesem Fall verpflichtet, für die Praktikumsphase ein Zeugnis auszustellen.

Dürfen Praktikanten ihr Zeugnis selbst schreiben?

„Schreib doch einfach mal auf, was du so bei uns gemacht hast“- das ist gängige Praxis in vielen Betrieben, wenn Vorgesetzte das Verfassen eines Zeugnisses lästig finden. „Es ist möglich, dass Praktikanten ihr Zeugnis selbst formulieren“, so Wallbraun. „Aber sobald der Praktikumsgeber seine Unterschrift darunter setzt, ist es seine Erklärung und er muss dafür geradestehen. Deswegen würde ich raten, vorher sehr gründlich zu lesen, was man da unterschreibt.“

Muster: Diese Formulierungen helfen beim Verfassen eines Praktikumszeugnisses (ohne Beurteilung)

P R A K T I K U M S Z E U G N I S

Frau Mustermann, geboren am ………., wohnhaft in …….., absolvierte in der Zeit vom ……. bis …… in unserer Firma ein freiwilliges Praktikum.

Wir sind ein mittelständischer Betrieb und im Bereich ……….. tätig. Unser Schwerpunkt liegt auf …….. (kurze Beschreibung des Unternehmens).

Frau Mustermann war als Praktikantin im Bereich / in der Abteilung … eingesetzt. Dort erhielt sie einen Einblick in die vielfältige Tätigkeit als …………. Zunächst wurde sie mit den wesentlichen Aufgaben der Abteilung vertraut gemacht und in diesem Arbeitsbereich unterrichtet. Folgende Aufgaben wurden ihr im Laufe des Praktikums übertragen:

  • ………………………….
  • ………………………….
  • ………………………….

(Beispiele für die Aufgabenbeschreibung: die Ablage von Akten, die Teilnahme an Kundengesprächen, das Entwerfen von Schreiben, Telefondienst im Kundenservice, Auftragsannahme …)

Dabei lernte sie …………………. (zum Beispiel: das strukturierte Einpflegen von Daten in Datenbanken, den professionellen Umgang mit Kunden, die Optimierung von Webseiten für Suchmaschinen …)

Wir wünschen Frau Mustermann für ihren weiteren beruflichen Werdegang alles Gute.

 

………………………., den .………………

 

………………………………….

Unterschrift des Vorgesetzten bzw. Praktikumsgebers

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