Urlaub Müssen Angestellte für Heiligabend und Silvester Urlaub einreichen?

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An Heiligabend wollen die wenigsten gern arbeiten, daran ändert auch Weihnachtsdeko im Büro nichts. Aber wer frei haben will, muss Urlaub nehmen - ebenso wie an Silvester.

An Heiligabend wollen die wenigsten gern arbeiten, daran ändert auch Weihnachtsdeko im Büro nichts. Aber wer frei haben will, muss Urlaub nehmen - ebenso wie an Silvester.© VRD / Fotolia.com

Über den Urlaub an Heiligabend und Silvester gibt es oft Streit. Wie viele Urlaubstage sind zu nehmen, wer muss arbeiten? Das gilt laut Arbeitsrecht.

Arbeiten an Weihnachten und Silvester: Was ist gesetzlich geregelt?

Der erste und der zweite Weihnachtsfeiertag sind gesetzliche Feiertage, ebenso Neujahr. An diesen Tagen ist die Sache klar: Alle Arbeitnehmer haben frei – es sei denn, ihre Arbeit fällt unter Paragraf 10 im Arbeitszeitgesetz. Das betrifft beispielsweise Pflegedienste, Kinos oder Restaurants.

Anders sieht es an Heiligabend und Silvester aus: Obwohl wohl die wenigsten Menschen Lust haben dürften, dann zur Arbeit zu gehen, sind sie keine gesetzlichen Feiertage. Das bedeutet: Der Arbeitgeber kann verlangen, dass die Arbeitnehmer an Heiligabend und Silvester genauso antreten wie sonst auch. Wer frei haben will, muss also Urlaub nehmen – wie an jedem anderen Arbeitstag auch.

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Das gilt nicht nur für Branchen, in denen Heiligabend oder Silvester Umsatz gemacht wird, etwa im Einzelhandel, der von denen profitiert, die noch auf den letzten Drücker Weihnachtsgeschenke kaufen wollen. Urlaub einreichen müssen auch Angestellte in Unternehmen, die an diesen Tagen nicht unbedingt besetzt sein müssten – ob Schreinereien oder Anwaltskanzleien, Autowerkstätten oder Architekturbüros.

Gibt es keine abweichenden Regeln, gilt 2018 folglich:

  • 24. Dezember 2018 – Heiligabend: Arbeitstag
  • 25. Dezember 2018 – 1. Weihnachtsfeiertag: bundesweiter Feiertag
  • 26. Dezember 2018 – 2. Weihnachtsfeiertag: bundesweiter Feiertag
  • 27. + 28. Dezember 2018: 2 Arbeitstage
  • 29. Dezember 2018: Samstag, Arbeitstag nur bei 6-Tage-Woche
  • 30. Dezember 2018: Sonntag
  • 31. Dezember 2018 – Silvester: Arbeitstag
  • 1. Januar 2019 – Neujahr: bundesweiter Feiertag

In Betrieben mit Sechs-Tage-Woche müssen die Arbeitnehmer 2018 also fünf Urlaubstage einreichen, wenn sie zwischen Weihnachten und Silvester frei haben wollen. In Betrieben mit Fünf-Tage-Woche sind 2018 vier Urlaubstage nötig. (Nicht vergessen: Wer sich frei nimmt, sollte eine Abwesenheitsnotiz einrichten. So geht’s.)

Haben Arbeitnehmer an Heiligabend und Silvester Anspruch auf Feiertagszuschlag?

Arbeitnehmer haben keinen gesetzlichen Anspruch auf einen Feiertagszuschlag. Das hat das Bundesarbeitsgericht 2006 entschieden (Az.: 5 AZR 97/06). Ein Anspruch auf einen Feiertagszuschlag kann für einen Arbeitnehmer jedoch auch auf anderem Wege entstehen – und das, obwohl Heiligabend oder Silvester keine gesetzlichen Feiertage sind. Hier erhalten Sie einen Überblick über die Rechtslage zum Feiertagszuschlag.

Wo kann Urlaub an Heiligabend und Silvester noch geregelt sein?

Im Tarifvertrag oder im Arbeitsvertrag können Urlaubsregelungen für Heiligabend und Silvester festgeschrieben sein, die von den gesetzlichen Regelungen abweichen. So sind beispielsweise in vielen Tarifverträgen der 24. und 31. Dezember als halber Arbeitstag definiert und in der Regel auch Feiertagszuschläge vorgesehen.

In Betrieben mit einem Betriebsrat können diese Fragen auch in einer Betriebsvereinbarung festgelegt sein. Zudem steht es jedem Arbeitgeber frei, der Belegschaft an den beiden Tagen freizugeben.

Gilt betriebliche Übung für die Urlaubsregelung an Heiligabend und Silvester?

Gibt der Arbeitgeber seinen Arbeitnehmern an Heiligabend und/oder Silvester drei Jahre in Folge frei, können diese vor dem Arbeitsgericht aufgrund der so genannten betrieblichen Übung einen künftigen Anspruch auf Freistellung geltend machen. In diesem Fall müssten sie keinen Urlaub nehmen.

Wer als Arbeitgeber auf Nummer Sicher gehen will, nimmt in die Bekanntmachung am Schwarzen Brett oder die E-Mail an die Arbeitnehmer den Vorbehalt auf, dass die Freistellung nur für das jeweilige Jahr gilt. Das Bundesarbeitsgericht hat 1994 entschieden, dass unter dieser Voraussetzung keine betriebliche Übung entsteht (Az.: 9 AZR 672/92). Als Formulierung kommt beispielsweise infrage: „Die Freistellung an Heiligabend und Silvester erfolgt freiwillig und ohne Rechtsanspruch für die Zukunft.“

Reicht ein halber Urlaubstag für Heiligabend und Silvester?

Halbe Urlaubstage sind im Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) nicht vorgesehen. Angestellte, die an Heiligabend oder Silvester frei haben wollen, müssen also streng genommen einen ganzen Tag Urlaub einreichen. Tatsächlich wird das aber in vielen Firmen anders gehandhabt – welcher Chef will schon an Weihnachten ein Unmensch sein?

Zeigen sich Arbeitgeber beim Weihnachtsurlaub kulant und geben sich mit halben Urlaubstagen zufrieden, gilt allerdings „gleiches Recht für alle“: Wer die arbeitenden Mitarbeiter an Heiligabend schon mittags in den Feierabend schickt, darf auch jenen, die an dem Termin Urlaub angereicht hatten, nur einen halben Urlaubstag abziehen.

Wie sieht es mit Urlaub „zwischen den Jahren“ aus?

Die Tage zwischen Weihnachten und Jahreswechsel sind grundsätzlich gewöhnliche Arbeitstage, an denen Arbeitnehmer Urlaub nehmen müssen, wenn sie nicht arbeiten möchten. Arbeitgeber, die ihren Betrieb „zwischen den Jahren“ schließen wollen, sollten die rechtlichen Rahmenbedingungen für Betriebsferien kennen. Alle Details zum Betriebsurlaub erfahren Sie in unserem Artikel: „Betriebsferien: Kann der Arbeitgeber Zwangsurlaub anordnen?“.

Wer muss an Weihnachten arbeiten?

An Heiligabend und Silvester arbeiten zu müssen, ist ohne Frage bei den meisten Beschäftigten unbeliebt. In Betrieben, die an diesen Tagen offen sind, kommt es daher oft zu Streit um die Urlaubswünsche: Wer darf Urlaub nehmen, wer muss die Stellung halten?

Nach Paragraf 106 der Gewerbeordnung hat der Arbeitgeber grundsätzlich ein Direktionsrecht. Das bedeutet in diesem Fall: Er kann entscheiden, wer arbeiten muss; niemand hat einen Anspruch auf Urlaub. Nach dem Willen des Gesetzgebers soll der Arbeitgeber bei seiner Entscheidung „nach billigem Ermessen“ vorgehen – das heißt, er muss versuchen, unnötige Härten, beispielsweise für alleinerziehende Arbeitnehmer, zu vermeiden. Ob er das im Einzelfall getan hat, entscheidet bei einem Rechtsstreit das Gericht.

Urteile, die Sie kennen sollten

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8 Kommentare
  • Lisa Ka 6. Februar 2019 10:49

    Hallo Frau Unger,

    darf mein Arbeitgeber mir halbe Urlaubstage vorschreiben?
    Die Situation ist folgende: Ich habe noch 5 Tage Resturlaub aus 2018. Mein Arbeitgeber hat jetzt festgesetzt, dass ich die letzten 2 Februarwochen jeweils nachmittags einen halben Urlaubstag nehmen müsse. Bei uns im Betrieb war es als Arbeitnehmer bisher nach mündlicher Absprache möglich, halbe Tage zu nehmen, beispielsweise an Heilig Abend und Sylvester oder auch mal Freitagsnachmittags, wenn viele Patienten abgesagt haben.
    Natürlich würde ich meinen Resturlaub lieber als ganze Woche nehmen….
    Viele Grüße,

    Lisa Ka

  • Seel 15. Januar 2019 16:18

    Hallo Frau Unger,
    Vielen Dank für den aufschlussreichen Beitrag. Ich habe eine Frage zu meiner Situation. Mein Arbeitgeber hat mir jeweils für den 24.12 und den 31.12 einen halben Urlaubstag eingetragen. Dies hat er die Jahre davor nie gemacht. Allerdings muss auch dazu gesagt werden, dass unsere Öffnungszeiten im Laden zwischen 14:00 – 18:30 Uhr sind. Folglich hätten wir nach den gesetzlichen Öffnungszeiten gar nicht geöffnet haben können/ dürfen. Ist der jeweilige halbe Arbeitstag rechtens oder kann ich mich hierbei beschweren?
    Vielen Dank für Ihre Antwort,

    Viele Grüße,
    Robin Seel

  • Gertrude Schwaiger 12. Januar 2019 19:15

    Darf ich wenn 24. und 31. immer 1/2 Urlaubstag gerechnet wurde, jetzt einen ganzen Tag berechnen, oder gilt dies als betriebliche Übung. Und muss bei einem halben ein ganzer Urlaubstag bezahlt werden.

    • Angelika Unger
      Angelika Unger 14. Januar 2019 08:38

      Hallo Frau Schwaiger, ich vermute stark, dass das unter „betriebliche Übung“ fällt. Für eine verbindliche Auskunft sollten Sie aber einen Fachanwalt für Arbeitsrecht zurate ziehen.

      Viele Grüße
      Angelika Unger

  • Mario Engelhardt 10. Januar 2019 07:13

    Hallo, bei meinen Mitarbeitern ist die Frage aufgetaucht, wenn am 24. und am 31. jeweils ein 1/2 Urlaubstag verbraucht wird, muss ich als Arbeitgeber den jeweiligen 1/2 Tag als Feiertag betrachten und bezahlen? Grüße

    • Angelika Unger
      Angelika Unger 10. Januar 2019 08:37

      Hallo Herr Engelhardt, siehe oben: Im Bundesurlaubsgesetz sind halbe Urlaubstage nicht vorgesehen und da weder Heiligabend und Silvester gesetzliche Feiertage sind, müssten Arbeitnehmer rein rechtlich gesehen zwei Urlaubstage nehmen. Es steht jedoch jedem Arbeitgeber frei, großzügigere Regeln zu treffen, und diese sind auch weit verbreitet.

      Herzliche Grüße
      Angelika Unger

      • Mario Engelhardt 10. Januar 2019 13:30

        Vielen Dank Frau Unger!

  • Felix 5. September 2018 10:02

    Sehr hilfreich!

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