Kraftquellen
Akku leer? 10 Booster für deine Energiereserven

Wer ständig ausgelaugt ist, kann kein Unternehmen vorantreiben. 10 (realistische!) Tipps, wie du neue Kraftquellen anzapfst – ohne morgens um 5 Uhr Yoga machen zu müssen.

Aktualisiert am 21. August 2025, 08:54 Uhr, von Ulrike Barth, Wiebke Harms und Kathrin Halfwassen

Grafik einer weißen Batterie mit rot markiertem, kritischen Ladezustand vor hellblauem Hintergrund
Akku im roten Bereich? Die Wissenschaft kennt zehn Tipps, die Energie geben statt Zeitmanagement-Stress zu bewirken.
© Marie Maerz/Photocase

Du willst mehr Energie? Das könnte helfen: Acht Stunden Schlaf, mindestens. Dann eine Morgenroutine, Startzeit 5:30 Uhr, mit kalter Dusche fürs Immunsystem und Minimum 30 Minuten Sport. Zum Frühstück einen grünen Smoothie mit vielen Vitaminen und Vollkorn für die Ballaststoffe – und über den Tag dann bitte 10000 Schritte gehen.

Erschöpft dich schon das Lesen dieser Empfehlungen? Kein Wunder, denn die typischen Tipps für mehr Energie haben Schönheitsfehler: In einem stressigen Alltag sind sie nur weitere Punkte auf der ohnehin schon viel zu langen To-do-Liste. Sie kosten zusätzlich Kraft statt neue zu erzeugen.

Trotzdem ist das Thema wichtig: Meta-Analysen von Studien aus Psychologie, Organisationsforschung und Medizin erkennen einen Zusammenhang zwischen dem psychischen Wohlbefinden von Unternehmern und Unternehmerinnen und dem Erfolg ihrer Firmen. Betriebe von körperlich wie geistig gesunden Unternehmern sind unter anderem innovativer, und sie weisen niedrigere Fehlerquoten auf.

Vor allem in Krisen profitiert die Firma von einer gestärkten Person an der Spitze, denn das psychische Wohlbefinden ist einer der Faktoren, die Einfluss auf die Resilienz haben. Unternehmerische Selbstfürsorge hilft also allen am Betrieb Beteiligten.

Wie haben für dich nachgeforscht, wie das gelingen kann – mit diesen zehn Tipps für ein besseres Energiemanagement.

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Tipp 1: Energiemanagement statt Zeitmanagement

Versuche, die folgende Frage zu beantworten:

Wie viel Energie hast du in diesem Moment?

Herzlichen Glückwunsch, wenn du eine Antwort geben kannst! Denn das persönliche Energielevel erspüren zu können, ist die Grundvoraussetzung für einen besseren Umgang mit der eigenen Kraft.

„Besonders wenn wir im Arbeitsstress sind, achten wir oft zu wenig auf uns“, sagt der Coach und Autor Mathias Fischedick. Ein Versäumnis, das sich mit einer Abwärtsspirale aus Frust und noch mehr Erschöpfung rächen kann: Je mehr man sich zusammenreißen will, desto weniger schafft man.

„Daher ist es in meinen Augen wesentlich zielführender, am Energiemanagement zu arbeiten als am Zeitmanagement“, schreibt Fischedick in seinem Buch „Mehr schaffen, ohne geschafft zu sein. Mit der Powerstrategie zu mehr Ausgeglichenheit und Erfolg“ (Piper Verlag, 2021). „Der Schlüssel ist, bewusst zu erspüren, wie es um meine Energie bestellt ist“, sagt der Coach.

Dabei geht es weniger um esoterische Energieströme als um eine ehrliche Selbsteinschätzung. Bei der kann zum Beispiel eine imaginäre Skala von null bis zehn helfen. „Mit dem Bild der Skala im Kopf kann man sich fragen: Wo stehe ich gerade? Auf der Null und am Ende mit meiner Energie oder auf der Zehn, und ich strotze nur so vor Kraft?“, erklärt Fischedick.

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Insbesondere Unternehmerinnen und Unternehmer, die dazu neigen, ihre Grenzen zu überschreiten, können sich bei der Energieeinschätzung auch Hilfe von einer vertrauten Person holen. „Manchmal bekommt man selbst nicht mehr mit, wenn man schon auf dem Zahnfleisch läuft. Da kann eine Einschätzung von anderen sehr hilfreich sein“, so Fischedick.

Der US-amerikanische Unternehmer Ari Weinzweig zum Beispiel schätzt jedes Mal seine Energie ein, bevor er einen Raum betritt. Der Gründer der Delikatessen-Kette Zingerman’s vertritt die Überzeugung, dass er als Chef einen großen Einfluss auf die Energie seines Teams hat. „Jeder von uns hat die Macht zu entscheiden, welche Energie wir mitbringen“, schreibt er in seinem Buch „A Lapsed Anarchist’s Approach to Being a Better Leader“.

Die Chef-Energie zu kalibrieren, sei darum ein kostenfreier Beitrag zum Erfolg des gesamten Unternehmens, schreibt Weinzweig weiter.

Tipp 2: Energieräuber identifizieren

Fischedick sagt einen Satz häufig zu Klienten: „Du musst nichts ertragen.“ Denn das Gefühl, etwas aushalten zu müssen, ist ein Warnsignal. Es zeigt an, dass etwas persönlichen Werten widerstrebt. Gegen diesen inneren Widerstand anzukämpfen, kostet unnötig Kraft.

Sinken zum Beispiel die Energie und die Laune regelmäßig, wenn die Ablage ansteht? Dann könnte dahinter Freiheit als wichtiger Wert stecken – und eine Abneigung gegen akribisches Abheften als Kehrseite, weil der Freigeist sich beim Befolgen strikter Ablageregeln eingeschränkt fühlt und ausbrechen möchte.

Tipp 3: Innere Antreiber aushebeln

„Immer wenn ein Widerstand zu spüren ist, lohnt es sich zu fragen: Muss ich das jetzt wirklich ertragen – oder gibt es eine ganz andere Lösung?“, rät Fischedick. Doch jeder schleppt Denkmuster mit sich herum, die den Blick für Alternativen vernebeln. Diese inneren Antreiber zwingen in festgefahrene Muster, die oft nicht guttun: „Ich muss stark sein“ oder „Ich muss es allen recht machen.“

Viele Unternehmerinnen und Unternehmer kennen wahrscheinlich auch: „Ich muss perfekt sein“ oder „Ich muss das allein schaffen“. Es braucht Übung, doch es ist möglich, Glaubenssätze umzuschreiben. Etwa so: „Wenn ich eine Aufgabe abgebe, gewinne ich neben der Zeit auch Inspiration, wie andere das Problem lösen.“

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Tipp 4: Aufgaben sortieren

Es gibt eine Frage, die sich jeder stellen sollte, der kraftlos auf die eigenen To-dos schaut:

Muss ich diese Aufgabe selbst erledigen?

Lautet die Antwort Nein, solltest du überlegen, die Aufgabe an das Team zu delegieren. Denn die Aufgaben, die einen selbst nerven, machen jemand anderem aus dem Team vielleicht sogar großen Spaß. Es klingt banal, aber im Alltagsstress gelingt es uns oft nicht, uns in andere hineinzuversetzen.

Eine zweite Frage hilft im Umgang mit jenen energieraubenden Aufgaben, die Chefs nicht delegieren können:

Muss ich die Aufgabe so erledigen, wie ich es bisher getan habe?

Die Antwort wird fast immer Nein lauten. Wer das Beantworten von E-Mails erschöpfend findet, kann zum Beispiel die Filtereinstellungen im Postfach verbessern, um möglichst wenige Mails beantworten zu müssen. Für das, was dann noch übrig bleibt, hilft eine dritte Frage:

Wie kann ich meine Haltung zu der Aufgabe ändern?

Bei manchen Aufgaben ist uns nicht mehr klar, was der Sinn dahinter ist. Wen es nervt, Antwort-Mails zu verfassen, kann sich in Erinnerung rufen, dass sie auf den Wert Zuverlässigkeit einzahlen oder ein gutes Mittel sind, um Kontakt zu wichtigen Kunden zu halten.

Mit dem Wissen, welche Aufgaben Energie kosten, lassen sich Arbeitstage besser planen. „Ich zum Beispiel erledige gern stupide Aufgaben, wenn ich wenig Energie habe“, sagt Fischedick. Das eigene Energielevel im Tagesverlauf zu beobachten, hilft dabei, herauszufinden, wann das Abarbeiten unliebsamer Aufgaben leichter fällt. Zum Beispiel direkt morgens – oder doch lieber abends, kurz vor dem Feierabend?

Genauso lohnt sich die Überlegung, ob das Abarbeiten unliebsamer Aufgaben am Stück oder in kleinen Blöcken leichter fällt. Einige Menschen etwa mögen es, alle Mails in einem Rutsch zu beantworten. Für andere fühlt es sich besser an, sich mehrmals am Tag zehn Minuten damit zu beschäftigen.

Tipp 5: Kraftquellen identifizieren

Analog zu den Energieräubern gibt es Momente, die Kraft spenden. „Eine Klientin hat für sich als Kraftspende-Moment identifiziert, wenn sie eine spezielle Sorte Tee aus einer Tasse trinkt, die ihr ein guter Freund geschenkt hat“, erzählt Fischedick. Für andere sind es fünf Minuten Zeit mit dem Hund, ein Spaziergang durch den Park oder fünf Minuten mit einem Handyspiel. „Ich kann von den Kraftspendern anderer nicht ableiten, was mir selbst guttut. Das ist sehr individuell“, sagt er.

Nicht nur solche kurzen Pausen geben Energie. Auch in der Arbeit können Unternehmerinnen und Unternehmer Kraft finden. Achte einmal darauf, bei welchen deiner Aufgaben die Zeit besonders schnell und angenehm verstreicht, weil du ganz versunken in der Schaffenslust bist. Der ungarische Psychologe Mihály Csíkszentmihályi hat für diesen Zustand den Begriff des „Flow“ geprägt. Baue deine Flow-Aufgaben regelmäßig in deinen Alltag ein!

Tipp 6: Kräftezehrende Kontakte meiden

Der US-Psychologe Todd Kashdan hat im Jahr 2015 Probanden drei Wochen lang jeden Tag alles notieren lassen, worüber sie sich ärgern. Rund 70 Prozent der vermerkten Ärger-Quellen waren andere Menschen.

Jeder kennt Charaktere, mit denen er nicht gut klarkommt, die geradezu Energie aus einem heraussaugen. Nervigen Menschen aus dem Weg zu gehen, ist als Führungskraft nicht immer möglich. Silke Weinig ist Autorin des Buches „Mit schwierigen Menschen klarkommen: Wirksame Strategien gegen Choleriker, Dauernörgler und andere Nervensägen“ (Humboldt, 2019) und rät, sich mit inneren Bildern zu distanzieren. Zum Beispiel kann man sich einen Brückenpfeiler vorstellen, an dem die Ärgernisse vorbeischwimmen.

Reicht das nicht, kann eine andere Methode helfen: „Das hört sich brutal an, aber man kann sich ein Gummiband um den Arm machen und immer daran ziehen, wenn man merkt, dass ungünstige Gedanken aufkommen“, sagt Weinig. Das helfe, sich nicht in energiezehrenden Ärger über die andere Person hineinzusteigern.

Dieser Ansatz funktioniert auch mit anderen Reizen. Weinig selbst kaute eine Weile ein stark schmeckendes Zitronenkaugummi, als sie in einem Team arbeitete, bei dem einiges nicht rund lief. Das Kauen verknüpfte Weinig mit einer Pause vor ihrer Reaktion: „Solange ich das Kaugummi schmecke, warte ich mit meiner Reaktion ab. Wenn der Geschmack weg ist, entscheide ich, ob ich etwas sage oder nicht“, sagt sie.

Tipp 7: Konflikte ansprechen

Ein schwelender Konflikt raubt allen im Team Kraft. Doch aus Angst um die Stimmung spricht niemand das Problem an. Ausgerechnet dieser Wunsch nach Harmonie verschlimmert die Situation, weil es nie zu einer Aussprache kommt. Am gemeinsamen Lösen eines Konflikts hingegen wachsen Teams. In Konfliktgesprächen sollten Führungskräfte betrachten, was nicht gut läuft – und sich im Gegenzug auch vor Augen zu führen, was dafür gut läuft.

Tipp 8: Erfolge feiern

Die meisten Menschen tendieren eher dazu, negative Erlebnisse im Kopf zu behalten – die vielen Erfolge, die wir täglich auch erleben, gehen dabei unter. Eine kleine Routine kann helfen, das zu ändern: Schreibe jeden Abend drei Dinge auf, die du gut gemeistert hast. Dein „Erfolgsjournal“ muss dabei nicht aus Großtaten bestehen. Auch kleine Erfolge zählen, beispielsweise ein gutes Gespräch oder pünktlich zu sein, wenn du eigentlich immer zu spät bist.

Auch für die Motivation im Team hilft es, Erfolge regelmäßig zu feiern. Dazu musst du nicht gleich eine große Party veranstalten. Es reicht schon, in Teammeetings regelmäßig die Frage einzubauen: Was haben wir in dieser Woche gut gemacht?

Tipp 9: Feedback einholen

Viele Ratgeber beschäftigen sich damit, wie Sie als Chef Mitarbeiter mit Feedback motivieren können. Aber das Prinzip funktioniert auch andersherum: Rückmeldungen von Mitarbeitern und Kunden laden deine Akkus wieder auf – wenn sie konstruktiv sind.

Man spricht dann vom Upward-Feedback. Das hilft, als Chef die eigenen Stärken zu erkennen und Schwächen zu verbessern, bestätigt getroffene Entscheidungen und inspiriert im besten Fall sogar zu neuen Ideen.

Allerdings solltest du ein paar Tipps fürs Upward-Feedback beherzigen: Die Gespräche müssen gut vorbereitet sein und Mitarbeiter vorher Gelegenheit bekommen, sich Gedanken zu machen. Sei offen für Feedback, auch wenn es negativ ist. So zeigst du, dass du das Ganze ernst nimmst. Lasse dir Zeit, das Feedback zu verstehen und zu verarbeiten – und nutze es anschließend, um dich zu verbessern.

Eine einfache Art, eine positive Feedback-Kultur im Unternehmen zu etablieren, ist die Kudo-Methode, benannt nach dem japanischen Wort kūdō, das Anerkennung bedeutet. Dabei schreibt man eine kurze Nachricht auf eine Karte und gibt sie der Person, die man loben möchte. Die Karten können auch an einer Kudo-Wand öffentlich aufgehängt oder bei einem Teamtreffen vorgelesen werden. Wichtig beim Kudo-Feedback: Die wertschätzende Rückmeldung soll möglichst unmittelbar, spontan und ohne vorherige Planung geteilt werden.

Tipp 10: Helfen hilft

Wer anderen hilft, tut sich auch selbst etwas Gutes. Die Wissenschaft beschreibt das auch als „Warm glow“-Effekt. Es ist das gute Gefühl, das uns durchströmt, wenn wir anderen helfen, etwa wenn wir ein Ehrenamt ausüben, Geld an gemeinnützige Organisationen spenden oder einfach den misslaunigen Kollegen aufheitern.

Der Hintergrund: Bei kooperativem Verhalten wird im Gegensatz zum egoistischen das Belohnungszentrum im Gehirn angesprochen. Wer gestresst ist, handelt dagegen eher eigennützig, weil der Körper Stresshormone wie Cortisol ausschüttet. Forscher vermuten dahinter einen evolutionären Mechanismus, um das eigene Überleben zu priorisieren.

Im beruflichen Alltag hingegen hat der Altruismus gleich zwei schöne Nebeneffekte: Die guten Taten lenken den Fokus auf positive Dinge, und sie stärken auch noch das Teamgefühl. Vorgelebter Altruismus ist ansteckend.

Und: Neben sozialen Aspekten wie Anerkennung wirken sich gute Taten auch positiv auf die Gesundheit aus. Eine Langzeitstudie aus den USA zeigt, dass die geistige Fitness von Menschen, die anderen helfen, indem sie sich ehrenamtlich engagieren, länger erhalten bleibt, als bei denen, die das nicht tun.

Der Experte und die Expertin
Mathias Fischedick  berät als Coach Mitarbeiter und Unternehmer zu ihrem Arbeitsalltag. In seinem Podcast „Der Jobcoach“ gibt er außerdem regelmäßig Impulse und Tipps, wie sich Arbeit erfolgreicher und leichter gestalten lässt. Silke Weinig ist Trainerin für Selbstmanagement in Zürich. Sie berät unter anderem zu der Frage, wie Sie mit Cholerikern, Dauernörglern und anderen Nervensägen umgehen können.
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