Vorteile und Nachteile Das spricht für Home-Office – und das dagegen

Abwarten und Tee oder Kaffee trinken? Das verkneifen sich Mitarbeiter im Home-Office. Sie arbeiten meist mehr und produktiver als Kollegen im Büro. Ihr wichtigstes Arbeitsmittel: der Laptop.

Abwarten und Tee oder Kaffee trinken? Das verkneifen sich Mitarbeiter im Home-Office. Sie arbeiten meist mehr und produktiver als Kollegen im Büro. Ihr wichtigstes Arbeitsmittel: der Laptop. © AntonioGuillem / iStock/ Getty Images Plus / Getty Images

Dass Mitarbeiter ihre Arbeit von zu Hause aus erledigen, ist in Deutschland immer noch selten. Viele Chefs haben Bedenken bei diesem Arbeitsmodell – zu Recht? Gründe dafür und Gründe dagegen im Check.

Nur zwölf Prozent der deutschen Arbeitnehmer arbeiten von zu Hause aus – warum eigentlich? In anderen europäischen Ländern, beispielsweise in den Niederlanden, haben Arbeitnehmer sogar ein Recht auf Home-Office. Hierzulande aber pochen Unternehmer auf die Präsenzpflicht ihrer Angestellten: „Die Arbeitsleistung wird daran gemessen, wann der Arbeitnehmer kommt und geht“, sagt Klaus Brenke, Arbeitsmarktexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). „Um Home-Office zu ermöglichen, müssen die Arbeitgeber gedanklich umschwenken: von Zeit- auf Leistungsmessung.“ Das heißt: Nicht der Zeitaufwand, sondern der Output zählt. Das scheint Unternehmern schwer zu fallen.

4 Bedenken im Check

Laut einer repräsentativen Studie des Digitalverbands Bitkom haben Unternehmer, die sich gegen die Einführung von Home-Office entscheiden, verschiedene Befürchtungen. Aber sind die Bedenken gerechtfertigt?

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1. Ungleichbehandlung

Mitarbeiter sollen sich im Betrieb nicht ungleich behandelt fühlen, deswegen scheuen 67 Prozent der Unternehmer vor Home-Office zurück. Tatsächlich lassen sich nicht alle Aufgaben in Heimarbeit erledigen. Einige Mitarbeiter müssen permanent da sein, während andere ihre Arbeit – zumindest teilweise – von zu Hause aus erledigen können. „Da kann es durchaus Spannungen geben“, sagt Brenke. Diese ließen sich aber wie alle anderen Konflikte abbauen, indem Vorgesetzte regelmäßig Teamgespräche führen und Mitarbeiterfeedback einholen.

2. Geringere Produktivität

Knapp die Hälfte der Unternehmer (46 Prozent) befürchtet, dass ohne direkten Austausch mit dem Team die Produktivität sinkt. Etwa 30 Prozent der Befragten meinen außerdem, Arbeitnehmer seien zu Hause nicht ständig erreichbar, was in Notfallsituationen schwierig sein könnte.

Brenke hält die Angst der Unternehmer für unbegründet – vielleicht sogar vorgeschoben: „Es gibt Vorgesetzte, die sich nur dann gebraucht fühlen, wenn alle ihre Mitarbeiter um sie herum sind“, sagt er. Auf diese Weise haben sie das Gefühl, wichtig zu sein und alles im Griff zu haben. „Aber um Leistung zu erbringen, muss man nicht zwangsläufig anwesend sein“, so Brenke. Und durch den technischen Fortschritt mit Videotelefonie und Echtzeit-Kommunikation übers Internet und Apps ist es möglich, dass Kollegen trotz physischer Abwesenheit uneingeschränkt mit dem Team Kontakt halten.

Chefs könnten durch die Einführung von Heimarbeit die Produktivität ihrer Mitarbeiter außerdem viel besser messen. „Im Bürojob müssen Arbeitnehmer nur nachweisen, dass sie da waren“, sagt er. Im Home-Office hingegen muss das abgesprochene Arbeitsvolumen geschafft sein – egal, wie lange der Arbeitnehmer dafür am Schreibtisch sitzt.

3. Geringere Mitarbeiterbindung

Jeder fünfte Unternehmer glaubt, dass sich Mitarbeiter im Home-Office weniger mit dem Arbeitgeber identifizieren.

„Home-Office muss nicht so gestaltet sein, dass Mitarbeiter gar nicht mehr in den Betrieb kommen“, sagt Brenke. Der Arbeitnehmer kann beispielsweise zwei Tage oder nur einen Nachmittag pro Woche von zu Hause aus arbeiten – je nachdem, wie es im Team passt. Tatsächlich ist es sogar wichtig, dass Arbeitnehmer ab und zu in der Firma sind, damit sie vom Chef gesehen und bei Personalfragen bedacht werden.

4. Gefahr für Datensicherheit

Jeder sechste Arbeitgeber (16 Prozent) sieht die Datensicherheit in Gefahr, wenn Mitarbeiter von zu Hause aus arbeiten.

In bestimmten Branchen kann es tatsächlich ein Problem sein, wenn Daten die Räume des Betriebs verlassen. Gerade Dienstleister, die mit Kundendaten hantieren, müssen aufpassen. „Von daher ist Home-Office nicht in jedem Job möglich“, sagt Brenke. Die DSGVO-Checkliste zeigt, was Unternehmer bedenken müssen.

Vorteile, von denen Unternehmer profitieren

Welchen Nutzen hat Home-Office für Arbeitgeber? Klaus Brenke nennt vier Vorteile:

1. Das Unternehmen ist attraktiver für (potenzielle) Mitarbeiter.

Jeder dritte Arbeitnehmer wünscht sich, zumindest ab und zu von zu Hause aus arbeiten zu können. Und es sind nicht nur Mütter und Väter, die sich für dieses Arbeitsmodell interessieren, sondern auch Singles. Auch sie können Beruf und Privatleben durch Home-Office besser vereinbaren und sparen Zeit – das gilt insbesondere für Pendler.

2. Home-Office-Mitarbeiter sind produktiver.

Kollegen im Home-Office arbeiten durchschnittlich 46 Stunden pro Woche; also länger als Mitarbeiter im Büro – und das oft ohne Lohn- oder Freizeitausgleich. „Sie müssen schließlich beweisen, was sie geleistet haben, während in vielen Betrieben Anwesenheit als Leistungsnachweis gilt“, sagt Brenke. Mitarbeiter nutzen die Arbeitszeit zu Hause außerdem effektiver, weil sie weniger abgelenkt sind und nicht so viele Pausen machen.

3. Home-Office-Mitarbeiter sind zufriedener.

Heimarbeiter sind im Schnitt zufriedener als Mitarbeiter, die jeden Tag zur Arbeit fahren – sowohl mit ihrer Arbeit als auch mit ihrer Freizeit. Die Ergebnisse des DIW zeigen außerdem: Besonders unzufrieden sind Angestellte, die gern zuhause arbeiten würden, aber nicht dürfen.

4. Das Unternehmen spart Kosten.

Wenn Mitarbeiter im Home-Office arbeiten, bedeutet das weniger Kosten für Strom, Heizung, Reinigung und Büroflächen. Zwar sollten die Mitarbeiter noch einen Platz im Unternehmen haben, doch Heimarbeiter könnten sich Arbeitsplätze teilen – je nach dem, wer gerade am heimischen Schreibtisch sitzt und wer im Büro.

Und nun?

Wer Home-Office in seinem Unternehmen einführen möchte, sollte allerdings bedenken: Die Arbeit von zu Hause aus erfordert von Arbeitnehmern eine Menge Disziplin – und die hat nicht jeder. „Arbeit und Freizeit müssen vom Beschäftigten sehr stark getrennt werden, sonst bringt er die Leistung nicht und ist unzufrieden“, sagt Brenke. Im Büro lässt sich Produktivität vortäuschen, zu Hause nicht.

Unternehmer sollten also genau überlegen, welche Mitarbeiter und welche Tätigkeiten tatsächlich für die Heimarbeit geeignet sind. Aber: Etwa 40 Prozent der Jobs könnten laut Brenke auch von zu Hause aus erledigt werden – wenn die Unternehmer umdenken.

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