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Homeoffice-Regelungen Diese Regelungen gelten, wenn Mitarbeiter zuhause arbeiten wollen
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Der Mitarbeiter braucht nur einen Laptop - und schon wird aus seinem Wohnzimmer ein Homeoffice.

Der Mitarbeiter braucht nur einen Laptop - und schon wird aus seinem Wohnzimmer ein Homeoffice.© Tom Eversley/EyeEm/ Getty Images

Viele Arbeitnehmer wollen gerne im Homeoffice arbeiten. Aber haben sie einen Anspruch darauf? Und welche Voraussetzungen müssen Arbeitgeber erfüllen? Die wichtigsten Regelungen im Überblick.

Liebe Leserinnen und Leser, wir stellen fest, dass dieser Artikel aktuell besonders häufig gelesen wird. Da wir einen Zusammenhang mit der Corona-Krise vermuten, finden Sie nun dem Artikel vorangestellt Informationen zu Homeoffice und Corona.

Dürfen Arbeitnehmer aus Angst vor einer Corona-Infektion im Homeoffice arbeiten?

„Angst alleine rechtfertigt nicht, dass man zu Hause bleiben darf“, sagt Volker Görzel, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Gründungspartner von  HMS.Barthelmeß Görzel Rechtsanwälte. Liegt kein konkreter Verdacht auf eine Infektion eines Mitarbeiters vor, müssen Arbeitnehmer grundsätzlich im Unternehmen erscheinen – es sei denn, ein Arbeitgeber vereinbart mit seinen Mitarbeitern, dass sie im Homeoffice arbeiten dürfen.

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Liegt dagegen ein Verdacht vor, dass ein Mitarbeiter sich mit dem Coronavirus infiziert hat, sieht es laut Görzel anders aus: Bei einer konkreten Ansteckungsgefahr dürfen Arbeitnehmer von zu Hause arbeiten, wenn ihre Tätigkeit und ihre Wohnsituation das ermöglichen.

Verweigert ein Mitarbeiter aus Angst vor einer Ansteckung die Arbeit, obwohl kein Verdacht auf eine Infektion besteht, dürfen Chefs ihn Görzel zufolge abmahnen und im Wiederholungsfall verhaltensbedingt kündigen.

Dürfen Arbeitnehmer mit Kindern im Homeoffice arbeiten, wenn Schulen oder Kitas wegen Corona schließen?

Einen Rechtsanspruch auf Homeoffice gibt es in Deutschland nicht. Frieder Werner, Fachanwalt für Arbeitsrecht und Partner der Stuttgarter Kanzlei Menold Bezler, rät allerdings vor dem Hintergrund der Corona-Krise: „Aufgrund der Situation sollten Arbeitgeber gleichwohl prüfen, ob es ihnen möglich ist, den Arbeitnehmern zu gestatten, die Kinder mitzubringen, oder ob sie Mitarbeitern, soweit möglich, das Homeoffice ermöglichen.“

Mehr dazu: Coronavirus und Kinderbetreuung: Wann dürfen Arbeitnehmer zuhause bleiben?

Dürfen Arbeitgeber Mitarbeiter anweisen, im Homeoffice zu arbeiten?

Homeoffice dürfen Arbeitgeber laut Görzel nicht einseitig anordnen. „Das muss immer von beiden Seiten akzeptiert werden.“ Weigere sich ein Mitarbeiter, im Homeoffice zu arbeiten, müsse der Arbeitgeber ihn von seiner Arbeitspflicht entbinden und bezahlt freistellen.

Mehr Corona-Infos für Arbeitgeber: Coronavirus und Arbeitsrecht: Die 12 wichtigsten Fragen


Grundsätzliche rechtliche Regelungen zum Thema Homeoffice

Wer trägt die Kosten für ein Homeoffice? Muss der Arbeitgeber eine „Miete“ zahlen? Und wie sieht es mit der Datensicherheit aus? Unternehmer, die es ihren Angestellten erlauben, im Homeoffice zu arbeiten, müssen vorab viele Details klären.

Dank Internet und Collaboration Tools wird es für Unternehmen immer weniger wichtig, wo die Arbeit erledigt wird, solange das Ergebnis stimmt. Arbeitnehmer arbeiten deshalb zeitlich immer flexibler und stehen zum Beispiel auch in den späten Abendstunden noch für Kundentelefonate zur Verfügung. Deshalb wird die Tätigkeit im sogenannten „Homeoffice“ – also das Arbeiten von zuhause aus – immer selbstverständlicher. Doch was gilt es dabei arbeitsrechtlich zu beachten? Arbeitsrechtlerin Martina Hidalgo erklärt, worauf es bei der Heimarbeit ankommt.

Kann der Arbeitgeber Homeoffice einseitig anordnen?

Für Unternehmen kann sich die Frage stellen, ob sie Mitarbeiter auch ohne ihre Zustimmung anweisen können, zukünftig im Homeoffice zu arbeiten (zum Beispiel dann, wenn eine Betriebsstätte aufgelöst wird). Hier lautet die klare Antwort: Nein, eine solche Weisung an den Arbeitnehmer wäre rechtswidrig, sagt Arbeitsrechtlerin Martina Hidalgo von der Kanzlei CMS Hasche Sigle. Denn das Direktionsrecht des Arbeitgebers endet vor der Wohnungstür des Arbeitnehmers. Der Arbeitgeber kann den Arbeitnehmer nicht zwingen, seine privaten Räume als Arbeitsort zur Verfügung zu stellen.

Kann der Arbeitnehmer vom Arbeitgeber verlangen, vom Homeoffice aus zu arbeiten?

Umgekehrt kann auch der Arbeitnehmer nicht einseitig vom Arbeitgeber verlangen, dass er statt im Betrieb ganz oder teilweise im Homeoffice arbeiten darf, sagt Hidalgo. Denn es gehört zur unternehmerischen Freiheit, die Arbeitsorganisation so zu gestalten, wie das Unternehmen es für sinnvoll hält. Gehören Homeoffice-Arbeitsplätze nicht zum unternehmerischen Konzept, muss der Arbeitnehmer dies akzeptieren.

Etwas anderes kann dann gelten, wenn das Unternehmen prinzipiell mit der Beschäftigung im Homeoffice einverstanden ist und dieses Einverständnis zum Beispiel in einer Betriebsvereinbarung oder einem Interessenausgleich dokumentiert hat (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 02.03.2006 – 2 AZR 64/05). Hier kommt es aber auf den Einzelfall an, ob der Arbeitnehmer tatsächlich seine Beschäftigung im Homeoffice einseitig durchsetzen kann. Dies dürfte die Ausnahme sein.

Selbst wenn der Arbeitgeber es Mitarbeitern mehrmals erlaubt hat, im Homeoffice zu arbeiten, besteht kein dauerhafter Anspruch darauf, sagt Anja Branz, Fachanwältin für Arbeitsrecht bei der Kanzlei DHPG. Solch eine Regelung können Chefs jederzeit auch wieder aufheben.

Wann muss ich eine Homeoffice-Beschäftigung ausdrücklich regeln?

Die Beschäftigung im Homeoffice erfolgt einvernehmlich. Ob dazu detaillierte Regelungen getroffen werden müssen oder kursorische – also mündliche – Absprachen genügen, hängt von den Umständen ab: Wenn der Mitarbeiter ein Telefonat mit einem Kunden in USA am späten Abend im Homeoffice erledigt und sonst grundsätzlich an der Betriebsstätte arbeitet, sind detaillierte Regelungen sicherlich überflüssig; häufig weiß der Vorgesetzte gar nicht, dass der Mitarbeiter im Homeoffice arbeitet, weil dieser seine Arbeit selbständig organisiert. Immer dann aber, wenn feste Heimarbeit-Tage eingeführt werden, an denen der Mitarbeiter gar nicht ins Büro kommt, sollte eine entsprechende vertragliche Regelung getroffen werden.

Welche Arbeitszeit gilt im Homeoffice?

Grundsätzlich gilt für den Arbeitnehmer das Arbeitszeitgesetz auch am Arbeitsplatz zu Hause. Der Mitarbeiter darf also nicht länger als acht Stunden pro Tag arbeiten. Eine gewisse Flexibilität räumt das Arbeitszeitgesetz allerdings ein. Immer dann, wenn es mehr zu tun gibt, kann der Arbeitstag auf bis zu zehn Stunden verlängert werden – unter einer Bedingung: Die mehr geleisteten Stunden müssen innerhalb der nächsten sechs Monate ausgeglichen werden. Im Durchschnitt darf niemand innerhalb von sechs Kalendermonaten länger als acht Stunden pro Werktag arbeiten.

Außerdem muss der Arbeitgeber auch bei Mitarbeitern im Homeoffice die Dokumentationspflichten hinsichtlich der Arbeitszeit erfüllen. Es empfiehlt sich, mit dem Mitarbeiter zu vereinbaren, dass er seine Arbeitszeit im Homeoffice selbst dokumentiert und in bestimmten Abständen seinem Vorgesetzten vorlegt. Außerdem ist es sinnvoll, feste Zeiten für die Erreichbarkeit des Mitarbeiters festzulegen, wenn der Arbeitgeber hierauf Wert legt.

Wie sind die Pausen und Ruhezeiten im Homeoffice geregelt?

Auch für die Arbeit im Homeoffice gelten die üblichen Ruhezeiten und Pausen, wie sie das Arbeitszeitgesetz vorgibt. An Tagen, an denen Arbeitnehmer mehr als sechs Stunden im Büro zu Hause arbeiten, steht ihnen eine Pause von mindestens 30 Minuten zu. Arbeiten sie mehr als neun Stunden am Tag, müssen sie eine mindestens 45-minütige Pause einlegen.

Die Ruhezeiten im Homeoffice sind ebenfalls klar geregelt: Zwischen Feierabend und dem nächsten Arbeitstag müssen mindestens elf Stunden ohne Unterbrechung liegen. Auch hier können Ausnahmen gemacht werden: Ist die Ruhezeit an einem Tag kürzer, muss sie an einem anderen Tag mindestens zwölf Stunden dauern – und zwar innerhalb eines Kalendermonats oder innerhalb von vier Wochen.

Müssen Mitarbeiter im Homeoffice permanent erreichbar sein?

Nur weil Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten, heißt das nicht, dass sie in ihrer Freizeit erreichbar sein müssen. Es gelten die Grundsätze des Arbeitszeitgesetzes. Ausnahmen müssen im rechtlichen Rahmen vertraglich festgehalten werden.

Sollten Arbeitgeber eine Regelung zum Homeoffice schriftlich festhalten?

Eine schriftliche Dokumentation der Homeoffice-Regelung ist immer dann sinnvoll, wenn jemand regelmäßig zuhause arbeitet. Darin sollten Arbeitgeber zum Beispiel festhalten, an wie vielen und welchen Tagen der Mitarbeiter im Homeoffice arbeiten darf.  Sind feste Zeiten oder Tage im Homeoffice vorgesehen, beugen klare schriftliche Vereinbarungen, etwa zum zeitlichen Umfang oder zur Erreichbarkeit am Arbeitsplatz zuhause, Konflikten vor.

Wie muss der Arbeitsschutz im Homeoffice umgesetzt werden?

„Wie und ab wann der Arbeitsplatz im Homeoffice den Arbeitsschutzbestimmungen unterliegt, ist in der juristischen Literatur umstritten“, sagt Martina Hidalgo. Die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV) beziehe sich diesbezüglich ausdrücklich nur auf Telearbeitsplätze. Als Telearbeitsplatz gilt ein Arbeitsplatz, den der Arbeitgeber in den privaten Räumen eines Arbeitnehmers mit Möbeln, Arbeitsmitteln und Kommunikationseinrichtungen ausstattet. In diesem Fall muss der Arbeitgeber bestimmte Vorgaben beachten: Der Telearbeitsplatz muss sicher sein und darf nicht die Gesundheit des Mitarbeiters gefährden. Büromöbel sollten beispielsweise ergonomisch angepasst, der Raum groß genug und die Beleuchtung ausreichend sein. Die genauen Vorgaben sind festgelegt im Anhang 6 ArbStättV „Maßnahmen zur Gestaltung von Bildschirmarbeitsplätzen“.

Wie aber kann der Arbeitgeber die Einhaltung dieser arbeitsschutzrechtlichen Bestimmungen überprüfen? Laut Martina Hidalgo sei es bei Telearbeit sinnvoll, wenn er sich ein Zutrittsrecht zur Privatwohnung des Arbeitnehmers einräumen lässt. Jeder der in der Privatwohnung wohne, müsse diesem Zutrittsrecht zustimmen. Sinnvoll sei auch festzulegen:

Wer genau darf die Wohnung betreten, zum Beispiel der Beauftragte für Arbeitssicherheit, der Datenschutzbeauftragte, Betriebsratsmitglied oder Vorgesetzte?

Welche Ankündigungsfristen sollen außerhalb von dringenden Fällen für einen Besuch des Arbeitgebers gelten?

Nicht jeder möchte sich vom Arbeitgeber ein Büro zuhause einrichten lassen und regelmäßig Besuch von ihm bekommen. Aber welche Regeln gelten, wenn jemand zum Beispiel zuhause an seinem Laptop arbeiten möchte? Dann ist unklar, ob und wie der Arbeitgeber die Arbeitsschutzbestimmungen im Homeoffice einhalten kann und muss. Das Problem: Ohne Zustimmung des Arbeitnehmers kommt er nicht in dessen Privaträume.

„In einem solchen Fall entbindet die Arbeitsstättenverordnung den Arbeitgeber davon, die Regelungen einzuhalten wie sie für Telearbeitsplätze gelten“, sagt Martina Hidalgo. Aus den übergeordneten Arbeitsschutzbestimmungen entnehmen aber viele Fachautoren, dass der Arbeitgeber sich dem Arbeitsschutz nicht gänzlich entziehen kann.

Bis zur Klärung der gesetzlichen Situation empfiehlt die Juristin Arbeitgebern, mit Augenmaß vorzugehen. Sie sollten bei untergeordneten Homeoffice-Tätigkeiten, Arbeitnehmer darüber informieren, wie sie „richtig“ im Homeoffice arbeiten, zum Beispiel: Wie sieht ein gesundheitsfördernder Arbeitsplatz aus? Was ist bei Bildschirmarbeit zu beachten? Was sind die typischen Risiken bei einer Tätigkeit zuhause? Erfolge die Tätigkeit regelmäßig und überwiegend im Homeoffice, könne das Unternehmen überlegen, dem Mitarbeiter die Einrichtung eines Telearbeitsplatzes anzubieten und so die Arbeitsschutzbestimmungen in den Griff zu bekommen.

Wer trägt die Kosten für das Homeoffice?

Die Arbeitsmittel im Homeoffice werden häufig vom Arbeitgeber gestellt. Spannender ist deshalb die Frage, ob der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer eine „Miete“ für den Arbeitsplatz zuhause zahlen muss. Hier kommt es wieder stark auf den Einzelfall an: Werden lediglich berufliche Telefonate immer wieder von zuhause aus geführt, führt dies sicherlich nicht zu einem Erstattungsanspruch des Arbeitnehmers gegen das Unternehmen.

Das Bundesarbeitsgericht erkennt an, dass es in bestimmten Berufen, beispielsweise im Außendienst, üblich ist, dass in geringem Umfang auch im Homeoffice gearbeitet wird und dafür kostenfrei die private Wohnung zur Verfügung gestellt wird. Das Gleiche gilt, wenn der Mitarbeiter selbst entscheiden kann, wo er arbeitet: zuhause oder im Betrieb, wo immer ein Arbeitsplatz für ihn zur Verfügung steht. Arbeitet der Mitarbeiter dagegen überwiegend im Homeoffice und steht ihm kein Arbeitsplatz in den Firmenräumen zur Verfügung, sieht es anders aus. Dann muss das Unternehmen den hierfür verwendeten Raum entweder vom Mitarbeiter anmieten oder dem Arbeitnehmer eine monatliche Kostenpauschale für Nutzung, Energie, Heizungs-, Reinigungs- und sonstige Unterhaltskosten zahlen.

Wer haftet bei Unfällen im Homeoffice?

Grundsätzlich gilt auch im Homeoffice der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung – allerdings nur, solange der Mitarbeiter tatsächlich für das Unternehmen arbeitet. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung formuliert es so: Es muss sich um eine dem „Betrieb dienende Tätigkeit“ handeln.

Arbeitet der Mitarbeiter zum Beispiel für die Kundenbetreuung, ist das Telefonieren mit Kunden und Beantworten von E-Mail-Anfragen eine dem Betrieb dienende Tätigkeit. Dies gilt auch für Wege, die zurückgelegt werden müssen, um diese Arbeit auszuführen. Der Gang zum Drucker oder zum Schrank mit Büromaterialien sind also versichert.

Anders sieht es bei Wegen aus, die ein Mitarbeiter aus privaten Gründen zurücklegt. Nimmt er etwa an der Tür ein Paket an, das nichts mit seiner Arbeit zu tun hat, besteht kein Versicherungsschutz. Gleiches gilt, wenn er zur Toilette geht oder sich in der Küche einen Kaffee kocht. Im Homeoffice gilt dies als rein private und damit nicht versicherte Tätigkeit.

Das ist der große Unterschied zur Arbeit im Betrieb: Nach ständiger Rechtsprechung des Bundessozialgerichts (BSG) ist der Weg zur Toilette und zur Nahrungsaufnahme im Betrieb versichert, im Homeoffice hingegen nicht. Dort sei der Beschäftigte im gewohnten Umfeld. So entschied das BSG im Juli 2016 (Az.: B 2 U 5/15 R) etwa im Fall einer Frau, die in Absprache mit ihrem Arbeitgeber im Homeoffice arbeitete und sich beim Wasserholen den Fuß brach, dass sie dafür keinen Arbeitsunfall geltend machen könne. Der Arbeitgeber habe nicht das Risiko zu verantworten, wie der Lebensbereich des Arbeitnehmers gestaltet sei, hieß es zur Begründung.

Wie können Betriebsgeheimnisse und Daten im Homeoffice geschützt werden?

Datenschutz und Schutz von Betriebsgeheimnissen beziehungsweise IT-Sicherheit sind Themen, die sich bei Homeoffice-Beschäftigung verschärft stellen. Die Verantwortlichkeit des Arbeitgebers gerade für die Einhaltung von datenschutzrechtlichen Vorgaben endet jedenfalls nicht damit, dass er die Datenverarbeitung teilweise auf Homeoffice-Arbeitsplätze „auslagert“.

Welche Maßnahmen der Arbeitgeber ergreifen will und muss hängt davon ab, welche Daten, Betriebsgeheimnisse oder IT-Geräte der Mitarbeiter vom Homeoffice aus nutzt. So kann das Unternehmen zum Beispiel untersagen, dass besonders sensible Daten nach Hause mitgenommen werden. Der Arbeitgeber kann die ausschließlich dienstliche Nutzung von IT-Systemen anordnen, die zusätzlich gegen den Zugriff und die Einsichtnahme durch Dritte geschützt werden müssen. Häufig werden auch technische Maßnahmen, wie die Verschlüsselung von Daten oder die Verwendung eines Virtual Private Networks (VPN), verwendet. Wichtig ist, dass der Unternehmer sich über diese Themen Gedanken macht. Welche Lösung gefunden wird, hängt dann vom Einzelfall ab.

Wann kann eine Homeoffice-Beschäftigung beendet werden?

Solange das Arbeiten im Homeoffice lediglich sporadisch erfolgt, stellt sich die Frage der Beendigung kaum. Hat das Unternehmen dem Mitarbeiter aber feste Homeoffice-Tage gestattet oder generell die Tätigkeit vom Betrieb ins Homeoffice verlegt, ist die rechtliche Situation schwieriger.

Zunächst ist zu unterscheiden, ob die Vereinbarung zur Homeoffice-Beschäftigung mit dem Mitarbeiter individuell ausgehandelt wurde, weil der Mitarbeiter zum Beispiel im Jahr nach der Einschulung seines Kindes mittags zuhause sein möchte und ihm deshalb befristet für ein Jahr das Arbeiten von zuhause aus gestattet wird. Bei solchen individuellen Vereinbarungen hängt die Möglichkeit der Beendigung ausschließlich davon ab, was Arbeitnehmer und Arbeitgeber geregelt haben.

Werden dagegen gleichlautende Homeoffice-Vereinbarungen mit einer Vielzahl von Arbeitnehmern getroffen, soll nach einem Urteil des Landesarbeitsgerichts Düsseldorf (10.09.2014 – 12 Sa 505/14) die Beendigung der Homeoffice-Beschäftigung nicht ohne weiteres möglich sein. Der Arbeitgeber muss in solchen Fällen die Entscheidung zur Beendigung der Homeoffice-Tätigkeit unter Berücksichtigung der Interessen des Arbeitnehmers treffen und außerdem die Zustimmung des Betriebsrats zur Versetzung einholen. Denn die ständige Tätigkeit des Arbeitnehmers im Betrieb unterscheidet sich erheblich davon, dass er zumindest teilweise auch im Homeoffice tätig wird. Unternehmen sollten vor diesem Hintergrund ihre Homeoffice-Vereinbarungen prüfen, um sicherzustellen, dass sie noch wirksam sind.

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7 Kommentare
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    Alternierende Telearbeiterin 31. März 2020 13:51

    Hallo, ich arbeite für eine Behörde an 4 Tagen die Woche. Davon darf ich ein Tag von zu Hause aus arbeiten. (Gleich zu Beginn: ich weiß dass ich mit dieser Möglichkeit schon zu den Previlegierten zähle und bin auch wirklich glücklich darüber!) Dazu habe ich mir immer Donnerstags, da wir noch nicht aktenlos sind (!!!) alles in meinen Reiskoffer samt Laptop gepackt. Am ersten Tag im Amt hole ich dann meine Drucke (Einen privaten Drucker dürfen wir zu Hause dafür nicht nutzen, es wird vom AG auch keiner gestellt) und alle Akten sortiere ich wieder zurück, Das läuft ganz gut wenn man sich gut organisiert! Aber: diese Woche bin ich noch wegen Kinderbetreuung aufgrund Corona (zwei Kinder, 8 und 10) zu Hause (Urlaub) Oma und Opa ist die Kinderbetreuung nicht zuzumuten zumal sie selber über 80 sind und zur Risikogruppe gehören! Nun hat mein AG gesagt es soll von der Möglichkeit der Telearbeit vorrangig (vor Sonderurlaub etc) Gebrauch werden! Ich Arbeite wirklich gerne von zu Hause aus (da ich dort meine Ruhe habe), aber ich finde es mega schwierig 1: sich zu konzentrieren wenn die Kinder daneben auch noch wegen ihren Schulaufgaben betreut werden müssen (aber das geht ja jetzt allen so, die schulpflichtige Kinder haben!!!) und 2: hat mein Chef schonmal durchguckend lassen, dass ich doch an zwei Tagen zumindest doch zum Amt kommen müsste um mir meine Akten zu holen!!! Dann würde ich nach Hause fahren und dort weiterarbeiten! Da sei doch kein Problem! Hallo? Nur mit holen ist es ja alleine nicht getan und außerdem fahre ich zum Amt Hin -und zurück 1,5 Stunden!!! Kann er das von mir verlangen? Wer passt in dieser Zeit auf die Kinder auf? Die Fahrzeit (was ein Grund für meine Telearbeit war, neben dem Tatbestand dass ich quasi Alleinerziehende bin) zählt übrigens nicht zur Arbeitszeit, die muss ich zu Hause dann noch dranhängen! Kann mein Chef Telearbeit verlangen wenn die Voraussetzungen dafür nicht gegeben sind (sondern allenfalls für alternierende) und ich nur zum Akten holen (!!!) das Haus verlassen müsste. Was ratet ihr mir? Kann ich auf den Sonderurlaub bestehen?

    • Julia Müller
      Julia Müller 31. März 2020 14:42

      Liebe Leserin,
      bitte beachten Sie, dass wir als Redaktion keine Rechtsberatung in Einzelfällen geben.
      Viele Grüße
      Julia müller

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    Björn 24. März 2020 09:13

    Da würde ich mal ganz klar einen Rechtsanwalt kontaktieren, denn 50% nur Lohn zu bezahlen mit der Aussage das Kinder im Haus wären und deshalb nur 50% gearbeitet wird verstößt gegen das Arbeitsgesetz! Das kann ein Arbeitgeber nicht machen – entweder 100% HO und das gilt wie auf der Arbeit sein bei voller Bezahlung oder halt garkein HO und Du bzw Deine Freundin befindet sich auf der Arbeit.

  • Avatar
    Carsten 18. März 2020 13:51

    Hallo,

    ich arbeite bei Volkswagen in Wolfsburg, dort ist HomeOffice geregelt laut Haustarifvertrag: Wir nennen das Mobiles arbeiten, d.h. überall wo ich einen Internet Anschluss habe, das kann auch auf Malle sein. Es gibt hier keine Vorgabe an welchem Ort ich HomeOffice (Mobiles arbeiten) arbeiten muss. Mann muss nur erreichbar sein per Telefon oder E-Mail. Ich muss auch nicht 8 Stunden am Stück HomeOffice arbeiten, ich arbeite Morgens von 08:00 bis 12:00 Uhr und dann ab 16:00 Uhr wieder, es sei denn mein Chef benötigt dringend etwas, das kommt sehr selten vor. Nur mal das Ganze auf dem Punkt zu bringen: Ich arbeite von zu Hause flexibler und verteile mir die Arbeit wie ich das gerne möchte, wenn es notwendig ist über den Tag. gleiche Bezahlung als ob ich im Büro bei meiner Firma bin. Im übrigen kann ich maximal ohne Absprache mit meinem Chef, 3 Tage pro Woche HomeOffice arbeiten.

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    Bezahlung 18. März 2020 13:18

    Hallo,

    Ich habe eine Frage:
    Meine Freundin rief mich geade an, Ihr Arbeitgeber ein Bauunternehmen aus NRW, bietet ihr HomeOffice an, aber zu folgenden Bedingungen: Bezahlung 50 Prozent + ein halben Urlaubsstag da nach Aussage des Geschäftsführers 50 Prozent Produktivitätsverlusst von zu Hause entsteht aufgrund der Kinder. Kann der Arbeitgeber wenn ich HomeOffice arbeite, das Gehalt meiner Freundin um 50 Prozent reduzieren? Ich arbeite bei Volkswagen in Wolfsburg, da gibt es ganz klare Tarifliche reglungen zum HomeOffice, wenn ich von zuhause arbeite, werde ich genauso bezahlt als ob ich bei meinem Arbeitgeber im Büro arbeite. Ich finde das eine Frechheit wie Arbeitgeber ihre eigenen Reglungen aufstellen, der Arbeitgeber hat für den Mitarbeiter keine Energie und Wasser Kosten und noch einiges mehr, ist die Lohnkürzung nicht Gesetzwidrig? Meine Freundin hat das natärlich nicht akzeptiert und hat den gelben Schein am nächsten Tag zum Arbeitgeber geschickt, und nicht nur sie, sondern noch viele der anderen Kollegen.
    Bei Volkswagen nennt man HomeOffice: Mobiles arbeiten

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    Internationaler Steuerberater 17. März 2020 10:29

    Hallo,

    in arbeitsrechtlicher Hinsicht wird es dem Arbeitgeber in der Regel vor allem darauf ankommen, dass das HomeOffice eine abgeschlossene Räumlichkeit ist und hinreichende Gewähr für den Schutz von Betriebsgeheimnissen besteht, so dass unter diesem Aspekt grundsätzlich nichts gegen ein HomeOffice im Ausland besteht.

    Aus steuerrechtlicher Hinsicht des Unternehmers wird dieser eine Tätigkeit im Auslands-HomeOffice untersagen wollen/müssen. Zum einen geht der Arbeitgeber das Risiko ein, dass das Auslands-HomeOffice aus Sicht des ausländischen Fiskus eine Betriebsstätte des Arbeitgebers im Ausland darstellt und der Arbeitgeber dann eine Gewinnaufteilung und anteilige Gewinnversteuerung im Ausland vornehmen müsste. Zum anderen stellt sich bei einer Tätigkeit im Auslands-HomeOffice natürlich auch die Frage nach der Steuerpflicht des Arbeitnehmers und den Pflichten des Arbeitgebers in Bezug auf Lohnsteuerabführung und Sozialversicherungsbeiträge.

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    Transfer1000 10. März 2020 10:47

    Hallo,

    muss ich ausdrücklich von zuhause aus Arbeiten an meinem Deutschen Wohnsitz oder geht das auch teilweise im Ausland an meinem 2ten Wohnsitz.

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