Urlaub als Unternehmer „Kein Selbstständiger ist unabkömmlich“

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Auch wenn Sie das Gefühl haben, Sie seien in Ihrem Unternehmen unabkömmlich: Urlaub als Unternehmer ist möglich - wenn man ihn richtig vorbereitet.

Auch wenn Sie das Gefühl haben, Sie seien in Ihrem Unternehmen unabkömmlich: Urlaub als Unternehmer ist möglich - wenn man ihn richtig vorbereitet.© pepipepper / photocase.de

impulse-Blogger Sven L. Franzen hat vier Tipps, wie Urlaub auch als Unternehmer möglich ist – ohne dass die Firma untergeht.

Ich war im Mai zwei Wochen im Urlaub auf der griechischen Insel Thasos. Also so richtig: Ich habe in der Zeit keine beruflichen Mails gelesen und keine Anrufe entgegengenommen. Meine Mitarbeiter hatten die Anweisung, mich im Urlaub nicht anzurufen. Früher wäre mir das schwergefallen, da war ich fest davon überzeugt, dass ich unabkömmlich bin, dass ohne mich das Unternehmen unterginge. Aber das hat sich als Irrglaube herausgestellt. Vor zwei Jahren wurde das deutlich, als ich zehn Tage lang Digital Detox gemacht habe. Damals war ich zehn Tage lang komplett offline. Das ist mir sehr schwergefallen. Meine größte Angst war: Die Welt geht unter und ich kriege das nicht mit.

Danach ist mir bewusst geworden, das ist nicht so. Die Welt geht nicht unter. Heute kann ich mir viel beruhigter Urlaub gönnen. Ich glaube, das meiste passiert im Kopf. Weil einem der Kontrollverlust schwerfällt. Ich glaube, das Geheimrezept ist, dass man das Kontrolle-Abgeben bewusst auch in den Alltag integriert und das jeden Tag lebt.

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1.Tipp: Jeden Tag ein bisschen Urlaub

Ich finde es prinzipiell ein bisschen befremdlich, dass wir immer eine so starke Trennung zwischen Arbeit und Urlaub beziehungsweise Freizeit machen. Gerade als Unternehmer kann man das alles eigentlich ganz gut zusammenbringen. Ich versuche, jeden Tag ein bisschen im Urlaub zu sein – weil es mir wichtig ist, einen Burn-out zu vermeiden und meine Gesundheit zu erhalten. Ich arbeite täglich zwischen 7 und 16 Uhr und dann reicht es auch. Wenn man ein gutes Zeitmanagement hat und in der Zeit, wo man in der Firma ist, wirklich konzentriert arbeitet, dann kann man in acht Stunden wirklich etwas erreichen. Mir hilft dabei, wenn ich mir für einzelne Aufgaben Deadlines setze – dann arbeite ich effizienter und erreiche alle gesetzten Ziele.

2. Tipp: Die richtige Abwesenheitsnotiz für die Zeit des Urlaubs

Aber manchmal muss ich mal so richtig raus. Dafür haben fast alle Partner und Kunden Verständnis –  vor allem, wenn sie auf ihre Mail eine gute automatische Rückantwort bekommen. Ich habe meine Abwesenheitsnotiz so formuliert:

„Sehr geehrter Absender,

vielen Dank für Ihre E-Mail. Ich bin derzeit nicht erreichbar und bearbeite Ihre E-Mail ab dem 15. Mai 2018 in der gewohnten Qualität. Aus Vertraulichkeitsgründen wurde Ihre E-Mail nicht automatisch weitergeleitet. Vielen Dank für Ihr Verständnis. Beste Grüße, Ihr Sven Franzen“

Ich habe nicht geschrieben, dass ich im Urlaub bin. Ich habe nicht geschrieben, was ich mache. Ich habe nicht geschrieben, warum ich nicht antworte. Und ich habe auch nicht geschrieben, dass sich der Schreiber an einen anderen Mitarbeiter wenden soll, weil ich weiß, dass bei den meisten E-Mails, die an mich direkt gerichtet sind, gewünscht ist, dass diese wirklich von mir beantwortet werden.

Wir Unternehmer rechtfertigen uns in Abwesenheitsnotizen häufig viel zu viel: Ich bin jetzt im Urlaub, ich bin krankheitsbedingt ausgefallen – das interessiert keinen. Ich bin nicht da und ich antworte nach meiner Rückkehr. Fertig.

Übrigens hat während meines Urlaubs keiner eine zweite Mail geschrieben oder nachgehakt: Wann antworten Sie denn? Vor meinem Digital Detox hatte ich meine Abwesenheitsnotiz mit meiner Beraterin vorbereitet. Sie sagte, schreiben Sie da mal folgenden Passus rein:

„Wenn es sich bei Ihrer Mail um eine Neuanfrage handelt, möchte ich Sie bitten, sich ab dem 16. Mai mit einer erneuten E-Mail bei mir zu melden, damit ich weiß, Ihre E-Mail ist noch aktuell.“

Warum haben wir das gemacht? Weil ich mir dadurch die Arbeit erspare, eine Anfrage lange zu bearbeiten und dann sagt der Absender, ich habe vor fünf Tagen bereits eine andere Agentur beauftragt. Ich mache ihm bewusst, ich schätze dich, deshalb bekommst du diese Rück-E-Mail, aber wenn du mich auch schätzt, dann schicke mir diese Mail noch einmal, wenn sie noch aktuell ist. So vermeidet man nach dem Urlaub Arbeit, bei der nichts rüberkommt. Es geht um das wohlwollende Miteinander.

Ich glaube, man verliert keinen einzigen Auftrag, wenn man mal zehn Tage im Urlaub ist. Vor meinem Urlaub habe ich noch massenweise Angebote rausgeschickt und keiner dieser Kunden hat sich während meines Urlaubs in irgendeiner Weise gemeldet. Die Entscheidung war noch nicht abgeschlossen. Nach meinem Urlaub meldeten sich die Kunden dann zurück.

3. Tipp: Urlaubszeiten strategisch planen

Und wenn man dennoch befürchtet, dass wegen des Urlaubs Aufträge platzen könnten, dann kann man seinen Urlaub einfach strategisch legen. Ich überlege mir, zu welchen Zeiten ist in Deutschland erfahrungsgemäß wenig los. Der Mai bot sich da geradezu wegen der vielen Feiertage an.

Ich bin am 30. April gefahren, am 14. Mai war ich wieder im Büro. Dazwischen lagen vier Tage Wochenende, zwei Feiertage und zwei Brückentage. Unter den 14 Tagen, die ich weg war, waren acht Tage, von denen man in Deutschland weiß, dass da nicht viel geht. Montags und freitags ist es bei uns auch eher ruhig, was übrig blieb, waren vier Tage. Da hat mich keiner anzurufen, so dringend kann es nicht sein. Auch juristische Fristen betragen zwischen sieben und zehn Tagen, das haut genau hin, wenn man die Wochenenden herausrechnet, weil die nicht mitzählen. Ich kam also zu dem Schluss, in dieser Zeit kann ich den Urlaub gut einplanen.

Ich kenne ja meine Zahlen und meine Umsätze, in Richtung Oktober und November machen wir die meisten Pitches, da wird das Restjahresbudget ausgegeben. Weil ich das weiß, fahre ich natürlich nicht in dieser Zeit weg.

Mein anderer Urlaub in diesem Jahr war im Januar. Da gibt es diese Phase bis 15. Januar, da sind noch Winterferien, da läuft alles erst an. Vom 1. bis 15. Januar kann man super in den Urlaub fahren, oder man fährt nach Weihnachten und feiert Silvester mal woanders. Gut geeignet ist auch immer Karneval – zumindest in den Bundesländern, in denen Karneval gefeiert wird. Und der August, wenn Sommerferien sind.

4. Tipp: Lieber mehrmals kurz als einmal lang in den Urlaub fahren

Ich habe gemerkt, nach acht Tagen Urlaub bin ich eigentlich immer erholt und will wieder loslegen. Dann habe ich wieder Lust, Gas zu geben und in der Firma etwas zu tun. Ich bin ja nicht zufällig Unternehmer. Deshalb mache ich künftig keinen Urlaub mehr mit 14 Tagen, sondern fahre lieber öfters kürzer weg als einmal ganz lang. Mir reichen acht bis neun Tage. Wenn man sich diese Auszeit nimmt, wenn es nicht groß auffällt, kann man sich das als Unternehmer einfach leisten.

Im impulse-Artikel „5 Tipps, damit der Chef entspannt Urlaub machen kann“ lesen Sie weitere Tipps, wie Sie Ihre Abwesenheit am besten planen.

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2 Kommentare
  • Matthias Struwe 6. Juni 2018 22:14

    Ein sehr lesenswerter Beitrag, Herr Franzen! Ich stimme Ihnen als Unternehmer absolut zu: Man ist nicht unverzichtbar. Jeder Mensch braucht Freizeit und Urlaub. Dazu gehört auch, ohne schlechtes Gewissen unerreichbar zu sein. Das geht im übrigen auch vielen Angestellten so.

    Folgende Punkte fehlen mir aber bzw. halte ich zusätzlich für erwähnenswert:
    1) Urlaub machen auch die meisten Unternehmer nicht alleine. Die Abstimmung zwischen den Partnern und Kindern ist entscheidend und sollte auch dabei helfen, die richtige Balance zu finden. Ich kenne die Ängste sehr gut, die Sie beschreiben. Firma, Familie und Unternehmer/in gehören in ein Gleichgewicht.
    2) Wichtig ist, Verantwortung in richtigem Maß an Mitarbeiter/innen zu übertragen und diesen zu vertrauen. Ich habe bislang selten erlebt, dass Kunden das nicht akzeptieren.
    3) Als Selbstständiger hat man immer wieder mit Ansprechpartnern zu tun, die gezielt Urlaubssituationen aussuchen, um Druck aufzubauen, die einen spüren lassen, dass man sich aus ihrer Sicht etwas Unerhörtes herausgenommen hat. Hier lohnt sich im Zweifelsfall auch, über ein Ende der Geschäftsbeziehung nachzudenken. Denn Kunden sind ersetzbar, die eigene Gesundheit nicht.

    • Sven L. Franzen
      Sven L. Franzen 7. Juni 2018 12:39

      Hallo Herr Struwe,

      danke für Ihren Kommentar, den ich in den Ergänzungen sehr gut finde.
      Ich stimme Ihnen hier zu und freue mich über diese Eingabe.

      Ihnen alles Gute und viel Erfolg,

      beste Grüße,
      Sven Franzen

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