Aufhebung Iran-Sanktionen 4 Gründe, warum deutsche Unternehmen von Iran profitieren könnten

Nach zehn Jahren sind die Sanktionen gegen Iran gefallen. Deutsche Unternehmen können davon profitieren.

Nach zehn Jahren sind die Sanktionen gegen Iran gefallen. Deutsche Unternehmen können davon profitieren.© picture alliance / AP Photo

Zehn Jahre lang war Iran vom Weltmarkt abgeschnitten - jetzt wurden die Sanktionen aufgehoben. Vier Gründe, warum deutsche Unternehmen von Iran profitieren könnten.

Über zehn Jahre lang war Iran vom Weltmarkt abgeschnitten. Nun ist geschehen, was junge Iraner und Firmen aus Deutschland gleichermaßen erhofft hatten – die harten Sanktionen gegen Teheran sind gefallen. Nach einem Jahrzehnt der Abschottung darf Iran wieder weltweiten Handel treiben und auf Milliarden Dollar von eingefrorenen Konten zugreifen. Italienische Unternehmen hoffen bereits auf Aufträge über 15 Milliarden Euro. Nach Angaben von Irans Transportminister Abbas Achundi orderte das Land außerdem 114 Airbus-Maschinen für die staatliche Flotte Iran Air.

Der Bundesverband mittelständische Wirtschaft sieht auch für den deutschen Mittelstand große Chancen. „Im Ergebnis rechne ich damit, dass sich das deutsch-iranische Handelsvolumen von gegenwärtig knapp 2,5 Milliarden Euro bis 2020 vervierfachen wird“, sagt der BVMW-Präsident Mario Ohoven der Funke-Mediengruppe. Produkte „Made in Germany“ hätten in Iran nach wie vor einen exzellenten Ruf.

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Der Kreditversicherer Euler Hermes kommt in seiner Studie „Iran – back in the game?“ zu dem Schluss, dass es vier Gründe gibt, warum deutsche Unternehmen von Iran profitieren könnten.

1. Die richtigen Branchen

In den kommenden Jahren sei eine große Nachfrage zu erwarten in Branchen, in denen deutsche Exporteure besonders stark sind. Das seien vor allem die Automobilindustrie, Maschinenbauer, Chemie-, Medizin- und Pharmaunternehmen, Bau- und Baumaterialfirmen sowie Hersteller von Konsumgütern und Lebensmitteln.

2. Markenprodukte

Zudem habe die deutsche Industrie einen guten Ruf in Iran. Sie stehe für Qualität und viele Iraner würden gerne Markenprodukte kaufen, die sie noch aus der Zeit vor den Sanktionen kennen.

3. Zweisprachigkeit

Die große iranische Gemeinde in Deutschland könnte durch ihre Zweisprachigkeit vielen Unternehmen den Weg zu Investitionen in Iran ebnen.

4. Türkei als Türöffner

Laut Euler Hermes kann auch die Türkei durch ihre langjährigen Handelsbeziehungen ein Türöffner für Iran sein. Davon könnten deutsche Firmen mit Niederlassungen in der Türkei profitieren.

Insgesamt ist der Nachholbedarf groß. Viele ausländische Waren sind in Iran schwer zu bekommen und von 2011 bis heute fehlen dem Iran Importe in Höhe von 30 Milliarden Euro. Durch die großen Ölvorkommen verfügt Iran über ausreichend finanzielle Mittel, um den Nachholbedarf zu finanzieren.


Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Marko Müller, Partner des Beratungsunternehmens DHPG und zuständig für Mitarbeiterentsendungen, gibt Unternehmen sieben Empfehlungen für den Auslandseinsatz von Fachkräften:

  1. Klären Sie möglichst früh vor dem Entsendungstermin in Iran die Voraussetzungen und die zeitlichen Vorläufe für die Beantragung eines Visums.
  2. Informieren Sie sich, wie Sie Arbeitsgenehmigungen für Mitarbeiter vor Ort ganz konkret beantragen, welche Dokumente Sie benötigen und ob dafür möglicherweise die Mitarbeit des ausländischen Auftragsgebers notwendig ist.
  3. Verschaffen Sie sich unter Berücksichtigung des lokalen Rechts und des Doppelbesteuerungsabkommens mit Iran (z.B. Quellensteuer, Betriebsstätten, Registrierungspflichten) einen Überblick darüber, welche steuerlichen Risiken in Verträgen bestehen.
  4. Nicht jeder Mitarbeiter ist dazu bereit, im Ausland zu arbeiten. Umfassende Vorbereitungsgespräche vor der Entsendung helfen, die persönliche und fachliche Eignung der Mitarbeiter festzustellen.
  5. Der Auslandseinsatz kann steuerliche Auswirkungen auf die betroffenen Mitarbeiter haben. Möglicherweise müssen Sie Lohnsteuerfreistellungsanträge stellen, um Doppelbesteuerungen zu vermeiden.
  6. Deutschland hat kein Sozialversicherungsabkommen mit Iran. Kontrollieren Sie daher die jeweilige Situation hinsichtlich der Sozialversicherung. Beantragen Sie gegebenenfalls einen zusätzlichen Versicherungsschutz sowie eine Antragspflichtversicherung oder Ausstrahlung, sodass weiterhin die deutschen Rechtsvorschriften über Versicherungspflicht und -berechtigung gelten.
  7. Schalten Sie im Zweifelsfall und insbesondere bei der Entsendung in Krisengebiete einen Dienstleister ein, der umfassende Erfahrung in diesem Bereich hat und der gegebenenfalls rasch auf eine Krisensituation reagieren kann.

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