Beschleunigtes Fachkräfteverfahren
„Es war für uns eine Katastrophe, dass er keine Aufenthaltserlaubnis bekam“

Das Visum erhielt Stephan Angeles neuer Mitarbeiter aus Ägypten dank des beschleunigten Fachkräfteverfahrens schnell. Doch bei der Aufenthaltsgenehmigung stellten sich die Behörden quer.

15. Januar 2024, 11:00 Uhr, von Verena Bast, Wirtschaftsredakteurin

Kommentieren
Stephan Angele und Peter Shabany
Stephan Angele (li.), geschäftsführender Gesellschafter der Firma VIP Systemtechnik, und sein ägyptischer Mitarbeiter Peter Shalaby
© Boris Schmalenberger

Hätte Stephan Angele geahnt, was ihn erwartet, wäre Peter Shalaby vielleicht nie sein Mitarbeiter geworden. Ein Mitarbeiter, nach dem der geschäftsführende Gesellschafter der Firma VIP Systemtechnik vier Jahre lang gesucht hatte. Und der genau die Qualifikationen mitbrachte, die er so dringend benötigte.

Der aus Ägypten stammende Elektroingenieur hatte sich im Februar 2020 auf eine Stellenanzeige auf einem Branchenportal bei VIP Systemtechnik gemeldet. Die Firma mit acht Mitarbeitern aus Fellbach bei Stuttgart plant und installiert Medientechnik für Konferenzräume und Videokonferenzen. Nach seinem Studium hatte Shalaby etliche Fortbildungen in der Medientechnik absolviert.

„Er hatte sämtliche Fortbildungszertifikate von Herstellern, mit denen wir zusammenarbeiten“, sagt Angele. „Uns war sofort klar: Er ist ein wahnsinnig kompetenter Mann.“ Ohne lange zu überlegen, bot er ihm eine Stelle an – und nach einer längeren Videokonferenz sagte der Ägypter zu.

Beschleunigtes Fachkräfteverfahren

Angele und seine Büroleiterin Jennifer Wahl begannen sich zu informieren, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Shalaby ein Visum und eine Aufenthaltsgenehmigung erhält. Beides ist notwendig, damit Fachkräfte aus Ländern außerhalb der EU (den sogenannten Drittstaaten) nach Deutschland kommen und hier arbeiten dürfen.

Um Shalaby schneller nach Deutschland holen zu können, entschieden sie sich für das sogenannte beschleunigte Fachkräfteverfahren. Arbeitgeber müssen dabei für den künftigen Mitarbeiter beim Ausländeramt das Visum beantragen, eine Gebühr von 411 Euro zahlen sowie eine Rahmenvereinbarung mit der Behörde unterschreiben.

Der große Vorteil: Die Fachkraft muss laut Gesetz spätestens innerhalb von drei Wochen einen Termin in der Botschaft erhalten, um das Visum zu beantragen. Innerhalb von drei Wochen muss die Auslandsvertretung über das Visum entscheiden. Und innerhalb von weiteren zwei Monaten muss die dafür zuständige Stelle in Deutschland entscheiden, ob der Berufs- oder Hochschulabschluss dem deutschen gleichwertig ist oder nicht.

In der Praxis dauere es allerdings oft länger, sagt Migrationsrechtler Marius Tollenaere von der Kanzlei Fragomen in Frankfurt. Allein die Phase bis zum Unterschreiben der Rahmenvereinbarung mit der Ausländerbehörde könne mitunter viele Wochen dauern. Dafür gebe es keine gesetzliche Fristvorgabe.


Sie möchten weiterlesen?
impulse+ icon Anmelden
impulse-Mitglieder können nach dem Anmelden auf alle impulse+ icon-Inhalte zugreifen.
impulse+ icon impulse-Mitglied werden
  • impulse-Magazin
  • alle impulse+ icon-Inhalte
  • digitales Unternehmer-Forum
  • exklusive Mitglieder-Events
  • und vieles mehr …
Alle Texte der Titelstory

Ausländische Fachkräfte
Geschafft! 6 Firmen zeigen, wie Sie Fachkräfte aus dem Ausland rekrutieren
Künftig soll es leichter werden, Fachkräfte aus dem Ausland nach Deutschland zu holen und zu beschäftigen. Sechs Unternehmerinnen und Unternehmer erklären, wie sie vorgegangen sind.

Anerkennung der Ausbildung
„Wir sind sehr froh, dass wir Ozan haben“
Die Handwerkskammer erkannte die Ausbildung von Ozan Tarhan zum Teil nicht an. Doch dem Bäcker aus der Türkei und seinem Arbeitgeber gelang es in kurzer Zeit, die fehlenden Kenntnisse nachzuholen.

Auszubildende aus dem Ausland
Der lange Weg von Tadschikistan nach Olsberg-Bigge
Dachdeckermeister Dirk Jedamzik ahnte schon, wie aufwändig "der Behördenkram" werden würde, als sich ein junger Tadschike als Azubi bei ihm bewarb. Doch der Sauerländer blieb hartnäckig.

Blaue Karte EU
Wie die Trips Group Fachkräfte nach Deutschland holt
Um Personallücken zu schließen, holt Caroline Trips Ingenieure aus der ganzen Welt nach Bayern. Dabei hilft der Aufenthaltstitel "Blaue Karte EU", der die Einwanderung von Hochqualifizierten erleichtert.

Auslandsrecruiting
„Man braucht einen langen Atem – und eine gewisse Leidenschaft“
Wie es die Unternehmerin Myra Mani schafft, in aller Welt Mitarbeiter für ihren Pflegedienst zu finden. Und was den neuen Teammitgliedern das Ankommen erleichtert.

Westbalkanregelung
„Für uns war das ein großer Hoffnungsschimmer“
Das Reiseunternehmen Schlienz-Tours will Busfahrer aus Serbien nach Deutschland holen. Eigentlich gibt es dafür dank der Westbalkan-Regelung einen einfachen Weg. Doch die Behörde verlangt Unmögliches.

Neues Fachkräfteeinwanderungsgesetz
So kommen Sie künftig an Fachkräfte aus Nicht-EU-Ländern
Mit dem neuen Fachkräfteeinwanderungsgesetz will der Gesetzgeber es Unternehmen leichter machen, Fachkräfte aus Ländern außerhalb der Europäischen Union nach Deutschland zu holen und zu beschäftigen. Was sich konkret ändert.

Onboarding für ausländische Fachkräfte
Internationale Mitarbeiter einarbeiten und binden: Mit dieser Checkliste klappt’s
Viele ausländische Fachkräfte verlassen Deutschland wieder, weil sie sich nicht wohlfühlen. Damit sie dauerhaft bleiben, ist gutes Onboarding entscheidend. Die Checkliste für ein herzliches Willkommen.

Einwanderung von Fachkräften
Diese Anlaufstellen helfen dabei, Fachkräfte aus dem Ausland einzustellen
Wer Mitarbeitende aus dem Ausland einstellen will, verliert leicht den Überblick. Zahlreiche Anlaufstellen unterstützen Firmen bei der Einwanderung von Fachkräften. Die wichtigsten im Überblick.