Pinterest-Strategie Wie wir Pinterest fürs Marketing nutzen

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Schöne Bilder, viel Arbeit: Den Pinterest-Account betreibt Gusti-Leder seit 2015.

Schöne Bilder, viel Arbeit: Den Pinterest-Account betreibt Gusti-Leder seit 2015. © Screenshot Gusti Leder

20 Pinnwände, 4558 Pins - "Gusti Leder" setzt auf das soziale Netzwerk Pinterest als Marketing-Kanal. Denn es hat Potenzial - auch für den Vertrieb. Gründer Christian Pietsch über seine Strategie.

Wer an Pinterest denkt, denkt automatisch an Bilder. Davon wollten wir mit Gusti Leder profitieren: Unsere Ledertaschen im Vintage-Look haben visuell Potenzial. Und die Zielgruppe, die Pinterest nutzt, deckt sich ziemlich genau mit unserer. Also haben wir nach unserem Credo gehandelt: ausprobieren!

Im November 2015 sind wir mit einem eigenen Account durchgestartet, mit einem dafür zuständigen Mitarbeiter und einem Konzept. Auf 23 thematisch unterschiedlichen Pinnwänden präsentieren wir unsere beiden Marken „Gusti Leder studio“ und „Gusti Leder nature“ bei Pinterest: von klaren und einfachen Produktfotos über Modelfotos bis hin zu DIY-Tipps unserer Designer. Wir haben so vele unterschiedliche Themen definiert, weil sich dadurch die Trefferquote bei der Suche erhöht. So können wir nämlich in jeder Pinnwand und unter jedem Bild Keywords unterbringen, die besonders oft gesucht werden.

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Wir wollen in die Top-Suchergebnisse zu „Ledertasche“

Auf Pinterest verfolgen wir aktuell zwei Strategien: eine externe und eine interne. Nach außen hin versuchen wir, mit unseren Pins und den Re-Pins von Nutzern in die Top-Ergebnisse zu bestimmten Suchbegriffen zu gelangen: Wer nach „Ledertaschen“ sucht, soll einen Pin von oder mit Gusti Leder gleich unter den ersten zehn Treffern sehen können. Dafür haben wir jedes Bild mit einer entsprechenden Überschrift und kurzen Beschreibung versehen, die, gespickt mit Keywords, die Listung zu unseren Gunsten beeinflusst. „Leder“, „Ledertasche“ oder „Lederhandtasche“ sind hier nur eine kleine Auswahl aus dem großen Pool an Möglichkeiten.

Darüber hinaus wollen wir mit den Usern in Kontakt treten. Dazu benutzen wir vor allem die Kommentarfunktion. Praktisch bedeutet das: Hat ein User ein Bild gepinnt, das mit Ledertaschen zu tun hat, kommentiert das einer unserer Mitarbeiter. Dabei weisen wir im Text nicht direkt auf uns als Marke hin – vielmehr setzen wir auf die Wirkung unseres Logos. Je mehr wir präsent sind, desto höher liegt die Chance, dass diese Nutzer auch unsere Bilder re-pinnen, liken oder kommentieren. Zudem spricht sich plattes Markenbranding bei Pinterest schnell herum – diese negative Aufmerksamkeit wollen wir natürlich vermeiden.

Intern wollen wir mit Pinterest Abläufe in unserem Unternehmen optimieren, besonders für unser Marketing-Team. Statt lange in Ordnern nach Bildern mit Models oder Taschen in bestimmten Perspektiven suchen zu müssen, können sie das passende Material auf Pinterest über die Suchfunktion finden. Obwohl wir dieses Vorgehen derzeit noch testen, haben wir bereits positive Erfahrungen gemacht.

Wer Erfolg haben will, braucht Geduld

Durch seine visuelle Aufbereitung ist Pinterest zwar sehr schön anzuschauen. Bei der Ergebnisanalyse könnte man aber, überspitzt gesagt, fast verzweifeln. Verglichen mit Facebook, Twitter oder Instagram ist Pinterest viel langsamer: Erfolge sind manchmal Ergebnisse monatelanger Arbeit.

Die Regel lautet: Es dauert bis zu drei Monate, bis der Kanal erste positive Zahlen einbringt. So waren unsere ersten Fotos nach etwa zwei Monaten unter den Top-Suchergebnissen unserer Keywords und die Zahl der Follower stieg um 100 Prozent.

Da es keine Möglichkeit gibt zu werben, muss man sich besonders anstrengen, um Follower- und Nutzerzahlen zu generieren, damit sich Pinterest lohnt. Diese sind dann aber auch echte Fans – eine künstliche Generierung wird vom Netzwerk selbst unterbunden. So kann sich ein Unternehmen eine treue und nachhaltige Community aufbauen, die wirklich von den Produkten überzeugt ist. Heute haben wir 186 Follower und diese Zahl wollen wir unbedingt weiter steigern.

Der Buy-Button birgt enorme Chancen

Ende vergangenen Jahres haben wir entschieden, mehr Zeit und Arbeitskraft in Pinterest zu investieren. Davor haben wir das Netzwerk eher nebenbei bestückt und hatten kein Konzept. Aber wir bemerkten, wie der Einfluss der Plattform wuchs. Seit November 2015 ist eine studentische Mitarbeiterin dafür zuständig, aber auch sie wird bald Unterstützung bekommen. Der Grund hierfür ist die Einführung des Buy-Buttons: Er wurde nach einer Probephase in den USA eingebunden und wird nun in Großbritannien getestet.

Über den Buy-Button können Nutzer Produkt direkt über Pinterest kaufen. Das birgt enorme Chancen. Andererseits lebt Pinterest aber auch vom „Das-will-ich-(irgendwann einmal)“-Faktor: Menschen kreieren oft privat oft Pinnwände mit Produkten, die sie einmal haben möchten. Da diese von Freunden und Followern gerepinnt werden können, bleiben die Produkte und die Marke im Gedächtnis. Das könnte etwas verloren gehen, wenn der Entscheidungsprozess zum Kauf oder Nicht-Kauf beschleunigt wird – eine Entwicklung, die wir genau beobachten müssen, wenn der Buy-Button auch auf dem deutschen Markt zur Verfügung steht.

Wir konzentrieren uns – auf Deutschland und Großbritannien

Pinterest ist einer der zeitaufwendigsten Kanäle, die wir bedienen. Überschriften für jedes Produkt zu formulieren und kleine Texte mit Keywords zu verfassen, nimmt mehr Zeit in Anspruch, als man zuerst denkt. Vor allem, weil wir alle unsere Produkte, DIY-Tipps und Modelfotos thematisch unterbringen möchten und sortieren müssen.

Daher haben wir entschieden, Pinterest erst einmal in Deutschland zu pflegen – unserem umsatzstärksten Markt – und in Großbritannien. Da wir personell aber schon an unsere Grenzen stoßen, um den Kanal optimal bedienen zu können, müssen wir uns dringend Verstärkung ins Team holen. Für unsere anderen Ländershops, wie Frankreich und Spanien, steht erst einmal Instagram im Fokus: Dort erscheinen uns die Userzahl und die Interaktionsmöglichkeiten lukrativer.

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3 Kommentare
  • Frank Koebsch 15. April 2016 08:11

    ich kann dem nur zu stimmen, Pinterest ist ein wunderbares Netzwerk um seine Marke bekannter zu machen. Auf Grund seiner sehr guten Suchmaschine hat Pinterest einige wichtige Vorteile gegenüber Facebook, Twitter, Google+ u.a. Die Halbwertszeit für einen Tweet liegt bei 24 Minuten. Facebook Beiträge erreichen 75% ihrer Reichweite in weniger als zwei Stunden. In der Regel findet man dann nach zwei bis drei Tagen kaum noch Informationen zu den einzelnen Themen. Mit der Suchmaschine von Pinterest haben die Nutzer ganz andere Möglichkeiten und nutzen diese. So sind auch alte Pins sehr viel wert und jeder Pins trägt dazu, seine Marke bekannt zu machen.

    Gegenüber Instagram hat Pinterest den Vorteil, dass die User über die Verlinkung der Bilder immer direkt auf die Ursprungsseite zurückgreifen können und so sehr einfach weitere Informationen zum Produkt und Unternehmen finden. Inzwischen hat Pinterest als Trafficquelle für meinen Blog Facebook auf Platz zwei verdrängt.

    Beste Grüße und noch viel Spaß im WEB
    Frank Koebsch

  • Melanie Grundmann 13. April 2016 12:43

    Hallo Christian, danke für den tollen Artikel, es ist immer spannend zu lesen, wie Pinterest in Unternehmen eingesetzt wird und welche Strategien dort verfolgt werden. Wie hoch ist denn die Interaktionsrate, wenn ihr kommentiert? Ich habe den Eindruck, dass die Gespräche auf Pinterest nicht so richtig in Gang kommen. Beste Grüße, Melanie

    • Frank Koebsch 15. April 2016 08:22

      Hallo Frau Grundmann,
      ich kann Ihren Eindruck nur bestätigen. Die Interaktionsrate in Form von Test / Gespächen ist recht gering. Aber ist dieses bei den anderen Socialen Netzwerken wirklich anders? In dieser Woche habe ich auf Facebook eine Beitragsreichweite von 10.961. Gleichzeitig nur 530 Beitagsinteraktionen. Hier von sind 90% Likes oder Emotion, 5% eine Weiterleitung des Posts und nur 5% ein paar Worte. Gerade die Videos auf Facebook haben zu einem Gewinn an Reichweite geführt und zu einem Absinken der Interaktionen.
      Auf Pinterest sind die Interaktionen, zu 95 % das Repinnen und Liken.

      Beste Grüße
      Frank Koebsch

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