Frauen in Führungspositionen Wie stark müssen Chefinnen sein?

Warum gibt es so wenige Frauen in hohen Führungspositionen? Laut Antje Heimsoeth errichten Frauen eine scheinbar unüberwindbare Mauer aus Befürchtungen vor sich, die sie am Handeln hindert.

Warum gibt es so wenige Frauen in hohen Führungspositionen? Laut Antje Heimsoeth errichten Frauen eine scheinbar unüberwindbare Mauer aus Befürchtungen vor sich, die sie am Handeln hindert.© Sergey Nivens / Fotolia.com

Frauen im Top-Management sind nicht nur in Deutschland noch eine Seltenheit. Was es ihnen schwer macht, Spitzenpositionen einzunehmen und welche mentalen Praxistipps ihnen helfen können

Kein Land der westlichen Welt sieht vor, dass Frauen Chefetagen fern bleiben. Und doch sind Frauen im Top-Management nicht nur hierzulande noch immer eine Seltenheit. Was macht es Frauen so schwer, Spitzenpositionen einzunehmen? Was benötigen sie, um in den Chefsessel zu gelangen und dort zu bleiben? Denn eines steht fest: Die Frauenquote allein kann das Missverhältnis von männlichen und weiblichen Führungskräften nicht richten.

Was uns Frauen wesentlich weiterhilft, sind Eigenverantwortung, Mut und Initiative. Sind die Umstände widrig, liegt es bei mir, sie zu ändern. Wo sehe ich Möglichkeiten für mich? Wen oder was brauche ich zu meiner Unterstützung? Wo gilt es, um Verständnis zu werben? Will ich etwas erreichen, ist es meine Aufgabe, mich in Bewegung zu setzen – und nicht darauf zu warten, dass die Umstände günstig sind.

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Die Initiative betrifft durchaus auch das Umfeld: Wollen beispielsweise Paare ihre berufliche Karriere auch mit Kindern im Gepäck fortsetzen, gilt es für beide, Aufgaben und Verantwortlichkeiten daheim gleichberechtigt zu verteilen und sich beim Arbeitgeber um flexible Arbeitsmöglichkeiten zu bemühen. Kurzum: Wir haben weitaus mehr Gestaltungsmöglichkeiten als wir uns in der Regel erlauben, für möglich zu halten.

Drei Gründe, warum Frauen nicht in die Chefetage wollen

Wenn Frauen begründen, warum sie nicht in die Chefetage wollen, höre ich in Regel drei Begründungen: Sie fürchten, nichts mehr mit dem Fachlichen zu tun zu haben und wollen deshalb „Macher“ bleiben. Sie fürchten, dem Spagat zwischen familiären Bedürfnissen und beruflichen Pflichten dauerhaft nicht gewachsen zu sein und verzichten aus Rücksicht auf ihre Kinder. Sie fürchten die Machtspiele der vorwiegend männlicher Kollegen, deren Rituale und Seilschaften, und wollen nicht Teil des vorhandenen Gefüges werden.

Plausible Gründe, aber fällt Ihnen etwas auf? Befürchtungen sind hier der Treiber des Handelns bzw. Nicht-Handelns. Sie türmen sich auf wie eine scheinbar unüberwindbare Mauer. Doch diese Mauer besteht aus Steinen, die wir Frauen uns auch selbst in den Weg legen.

„Mangelndes Selbstbewusstsein ist ein typischer weiblicher Stolperstein auf dem Weg nach oben“

Das Vertrauen in sich und der Glaube an die eigenen Möglichkeiten sind die Basis jedes Erfolgs. Doch genau hieran mangelt es vielen Frauen. Mangelndes Selbstbewusstsein ist ein typisch weiblicher Stolperstein auf dem Weg nach oben. Wir schätzen unseren Selbstwert im Vergleich zu Männern eher gering ein. Unser „innerer Kritiker“ lässt uns immer wieder an der eigenen Leistung zweifeln.

Während Männer unter Vorstandskollegen ihre Stärken ausspielen, richten weibliche Führungskräfte ihren Fokus auf eigene Schwächen und werten sich selbst ab. Liegt der Erfolg sozusagen auf der Hand, suchen Frauen für ihre Erfolge häufig Begründungen im Umfeld, statt sie sich selbst zuzuschreiben. Ihre männlichen Kollegen hingegen feiern in der Regel Erfolge gebührend.

Es scheint, als seien Frauen in Führungspositionen manchmal selbst nicht sicher, ob ihnen ein Platz am Vorstandstisch zusteht. Die meisten von ihnen haben viel Fleiß und Disziplin investiert, um zur Führungsebene zu gelangen. Doch noch immer herrschen bei vielen Selbstzweifel und Abwertung der eigenen Person vor. Das bremst statt zu beflügeln.

Vom weiblichen Wunsch, gemocht zu werden

Ein grundliegender weiblicher Wunsch ist es, gemocht zu werden. Doch dabei lassen wir außer Acht, dass der Ursprung dafür in der Selbstliebe liegt. Wir wollen gemocht werden? Fangen wir bei uns selbst an. Lernen wir, uns selbst die beste Freundin zu sein! Und wie wollen wir andere von uns und unserem Können überzeugen, wenn wir selbst nicht überzeugt sind?

Viele unserer Selbstzweifel beruhen auf tiefer liegenden Glaubenssätzen und Überzeugungen, die unser Umfeld geprägt hat. Sie stammen von Eltern, Lehrern, Partnern, Vorgesetzten, Verwandten oder Freunden. Oft übernehmen wir Einstellungen zu Beziehungen, Arbeit oder Erfolg völlig unreflektiert und teils unbewusst.

Zu hohe Ansprüche an sich selbst

Diese Prägungen führen mitunter dazu, dass wir uns in ein selbst geschnürtes Korsett aus Zwängen, Pflichten, Erwartungen und Forderungen pressen, das uns regelmäßig die Luft zum Atmen nimmt. Meine Kollegin Sabine Asgodom hat es so formuliert: „Wir versuchen, gleichzeitig Mitarbeiterin des Monats, Mutter aller Mütter, die beste Hausfrau aller Zeiten, Gattin des Universums, verständnisvolle und treusorgende Tochter, Schwester, Freundin, Nachbarin … zu sein und dabei selbstverständlich auch noch gut auszusehen.“

Wir mauern uns ein in all diesen Ansprüchen und wundern uns dann, wenn wir das Gefühl  haben, gegen Wände zu rennen. Einer der besonders dicken Mauersteine ist unser Perfektionismus, der uns z.B. zögern lässt, sich auf eine interessante Stelle zu bewerben. Während wir glauben, wir müssten besser 135 Prozent statt 80 Prozent des geforderten Profils erfüllen, bewerben  sich männliche Interessenten bereits entschlossen, wenn sie lediglich 60 Prozent mitbringen.

Ich möchte Ihnen Hammer und Meißel an die Hand geben, damit Sie Ihre ganz persönlichen Bedürfnisse und Motive erkennen und den Weg zu Ihren persönlichen Zielen freilegen können. Für diesen Weg brauchen wir mentale und emotionale Stärke. Verschiedene mentale Techniken helfen, die persönlichen positiven Überzeugungen zu festigen, zielgerichtet zu agieren und Herausforderungen mit Gelassenheit zu begegnen.

Stärken Sie Ihre Stärken!

Fokussieren Sie sich nicht länger auf Ihre Schwächen, sondern akzeptieren Sie diese. Nehmen Sie Ihre Schwächen an und betrachten Sie sie als Anteil Ihrer Persönlichkeit, nicht als Ausdruck. Wenn Sie stattdessen Ihre Stärken in den Fokus nehmen, verschafft Ihnen das eine sichere Basis. Von dieser Basis aus dürfen Sie gerne auch an Ihren Schwächen arbeiten und dazulernen.

Was Ihnen nicht weiterhilft, ist es, die Schwächen vor sich aufzutürmen und wie einen schier unüberwindbaren Berg vor sich herzuschieben, der Sie zum einen bremst und zum anderen die Sicht auf Ihre Stärken nimmt. Selbstakzeptanz ist eine Grundvoraussetzung für ein gesundes Selbstwertgefühl. Konzentrieren Sie sich auf Ihre Stärken, d.h. Ihre Fähigkeiten, Begabungen, Talente und positiven Eigenschaften. Je bewusster Sie sich Ihres Potenzials sind, desto gezielter können Sie Ihre Stärken nutzen und beim Verfolgen Ihrer Ziele, Visionen oder Wünsche einsetzen.

Schöpfen Sie aus Ihren Ressourcen!

Wer um seine Stärken weiß, geht selbstsicherer durchs Leben, ist zufriedener und traut sich bei Herausforderungen mehr zu. Dieses Wissen ist Ihr sicherer Hafen, aus dem Sie ablegen und neue Gewässer ansteuern können. Beantworten Sie folgende Fragen schriftlich:

  • Welche Erfolge konnten Sie bereits feiern?
  • Was sind Ihre Stärken und besonderen Fähigkeiten?
  • Wofür ernten Sie häufig Lob und Anerkennung?
  • Welche Glücksmomente gab es schon in Ihrem Leben?

Verinnerlichen Sie diese Erfolgs- und Glückserlebnisse. Das hat gleich mehrere Vorteile: Die Erinnerung daran hilft Ihnen besonders dann, wenn Ihre Zweifel überhand nehmen oder es gilt, einen Misserfolg zu verarbeiten. Und wer neue Erfolgsmomente mental mit älteren verknüpft, gewinnt an Charisma. Das kann durchaus ein Türöffner auf dem weiteren Weg sein. Werden Sie sich Ihres Gelingens bewusst, gelingt Ihnen künftig noch mehr.

Werden Sie sich über Ihre Ziele klar!

Schon der Managementpapst Peter F. Drucker wusste, was alle erfolgreichen Menschen verbindet, nämlich Tatkraft. Es sei, so Drucker, „die Fähigkeit, den Graben zwischen Entschluss und Ausführung äußerst schmal zu halten.“ Und was hilft, um vom Entschluss rasch ins Tun zu kommen? Ein klar und positiv definiertes, aktives, interessantes Ziel. Nur wenn Sie genau wissen, wohin Sie wollen, können Sie den Weg dorthin festlegen, Pläne schmieden und sofort die ersten Schritte in die richtige Richtung gehen. Eine positive Zielformulierung ist ein entscheidender Erfolgsfaktor.

Ihr Ziel sollte positiv formuliert, realistisch, zeitlich fixiert, überprüfbar und interessant sein. Spüren Sie ein Kribbeln, wenn Sie sich vorstellen, am Ziel zu sein? Kontrollieren Sie stets, ob Sie mit voller Aufmerksamkeit dabei sind. Denken Sie daran, Ihr Ziel soll erreichbar sein. Der Glaube, das Ziel erreichen zu können, muss unerschütterlich sein. Die zeitliche Fixierung („innerhalb der nächsten sechs Monate“) hilft Ihnen, den Eigenantrieb zu erhöhen. Für (fast) alles gibt es Termine – so auch für Ihr Ziel! Vergleiche („ich bin besser als…“) haben in Ihrem Zielsatz nichts zu suchen.

Gehen Sie Kooperationen ein!

Betrachten Sie vorhandene Widerstände nicht als Hindernis, sondern kalkulieren sie diese ein. Passen Sie sich vorübergehend an, um voranzukommen. Eine Voraussetzung dafür, dass Frauen bis zur Spitze gelangen und dort erfolgreich sind, ist auch, dass Männer und Frauen gut zusammenarbeiten und –halten.

Nehmen Sie sich ein Beispiel an männlichen Kollegen, die sich gegenseitig besuchen und dabei schauen, was sie füreinander tun können. Suchen Sie sich Netzwerke, bauen Sie selbst welche auf und pflegen Sie diese. Mir scheint, wir Frauen müssen immer noch lernen, dass es viel mehr nützt, miteinander zu kooperieren und sich gegenseitig zu unterstützen, statt gegeneinander zu intrigieren.

Stehen Sie zu Ihrer Weiblichkeit!

Niemandem ist geholfen, wenn wir Frauen versuchen, die besseren Männer zu sein. Frauen sind anders als Männer – und das ist auch gut so. Studien belegen mittlerweile, dass Unternehmen mit einem höheren Frauenanteil erheblich bessere Ergebnisse sowie eine höhere Rentabilität erreichen.

Weibliche Führungskräfte haben einen anderen Stil als Männer, lassen z.B. Emotionen in Teams und Meetings zu. Dieser weibliche Stil ist keine Schwäche, sondern eine Bereicherung. Damit geben Frauen der Führungskultur neue Impulse und tragen zur Vielfalt der Perspektiven im oberen Management bei. Wer den Blick öffnet, entwickelt sich weiter – und damit entwickelt sich auch die Selbstverständlichkeit von weiblichen Führungskräften weiter.

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