Meetings leiten
Wie entkomme ich der Meetinghölle?

Kick-offs, Themenkonfis, Team-Jour-fixes: Als Chefredakteurin moderierte Nicole Basel all das jahrelang. Bis sie merkte: „Ich mache das nicht mehr gut. Und es ödet mich an." Die Lösung? Eher simpel ...

Aktualisiert am 7. Januar 2026, 13:20 Uhr, von Nicole Basel, Chefredakteurin

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Eine Katze, die sich unter der Tischplatte eines Meeting-Tischs versteckt. Nur Augen, Ohren und Vorderpfoten sind über der Tischplatte zu sehen.
Wer immer wieder Meetings moderiert, dabei aber nur noch abtauchen will, sollte diesen einen Ausweg versuchen.
© 101cats / E+ / Getty Images

Führungsfragen – Die Kolumne
Nicole Basel führt als Chefredakteurin die impulse-Redaktion. An dieser Stelle schreibt sie über Fragen, die sie als Chefin beschäftigen.

Vor drei Jahren habe ich eine Entscheidung getroffen, die wie kaum eine andere meine Arbeitszufriedenheit verbessert hat. Und jedes Mal, wenn ich anderen Chefinnen und Chefs davon erzähle, bekomme ich die gleiche Reaktion: „Das mach ich auch!“

Kurzer Rückblick. Im Journalismus (und offenbar auch in vielen anderen Branchen) gibt es ein ungeschriebenes Gesetz: Meetings werden von der ranghöchsten Person im Raum geleitet. Die Ressortleiterin moderiert das Ressorttreffen, der Chefredakteur l­eitet die Redaktionskonferenz. Vor sechs Jahren stieg ich zur ranghöchsten Person in der impulse-Redak­tion auf – und damit hinab in die Meetinghölle.

Als Chefredakteurin leitete ich plötzlich vier, fünf regelmäßige Meetings pro Woche: Themenkonferenzen, Blattkritiken, Besprechungen mit anderen Führungskräften. Das bedeutete: Die Agenda vorbereiten. Die Gruppe aktivieren. Die Zeit im Blick behalten. Dafür sorgen, dass wir nicht nur reden, sondern auch entscheiden. Ich wusste, was mein Job war, aber es war offensichtlich: Ich machte den Job nicht gut.

Oft war ich nicht ausreichend vorbereitet. Noch schlimmer aber war, dass ich zur Alleinunterhalterin mutierte: Mein Redeanteil in den Besprechungen war absurd hoch. Ich moderierte und gleichzeitig kam von mir auch ein Großteil des Inputs. Bei Online-­Meetings hatte ich das Gefühl, als würde ich in ein schwarzes Loch hineinsenden. Meine Monologe ­begannen, mich anzuöden.

Ein Satz genügte – und alles wurde besser

Irgendwann sprach ich das Offensichtliche bei einem Treffen an. „Unsere Meetings zu moderieren, ist für mich eine echt schlimme Aufgabe.“ Zum Glück ist mein Team herrlich pragmatisch, denn die Antwort war: „Dann lass das doch. Wir übernehmen.“

Seit diesem Tag moderiere ich so gut wie keine ­Besprechungen mehr: nicht das wöchentliche Teammeeting, nicht die Themenkonferenz, nicht den Kick-off am Montagmorgen, mit dem wir gemeinsam in die Woche starten. Ich komme in diese Meetings als Teilnehmerin. Muss die Agenda nicht basteln, keine Redeanteile steuern, keine Beschlüsse notieren, keine Zeit hüten. All das übernimmt jemand aus dem Team. Und wenn die zuständige Person mal verhindert ist, regelt sie selbst die Vertretung.

Seit ich die Verantwortung für die Meetings abgegeben habe, sind sie nicht nur besser vorbereitet und viel besser moderiert. Ich bin auch besser: Ich muss nicht mehr gleichzeitig denken, reden, Entscheidungen treffen. Ich habe Zeit nachzudenken, Ideen zu entwickeln. Und noch wichtiger: Ich bin endlich entspannt genug, den anderen wirklich zuzuhören.

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