Krankschreibung 7 Irrtümer rund um Krankschreibungen

Nur ein Schnupfen? Dann ist der Arbeitnehmer vielleicht schon nach ein, zwei Tagen wieder fit. Eine Krankschreibung kann der Arbeitgeber dennoch schon vorher verlangen.

Nur ein Schnupfen? Dann ist der Arbeitnehmer vielleicht schon nach ein, zwei Tagen wieder fit. Eine Krankschreibung kann der Arbeitgeber dennoch schon vorher verlangen.© Daniela Stärk / Fotolia.com

Krankschreibungen sorgen immer wieder für Ärger im Betrieb - nicht zuletzt wegen zahlreicher Irrtümer. Wir klären auf, was wirklich stimmt.

15,2 Tage – mehr als drei Arbeitswochen: So lange fehlte jeder Arbeitnehmer 2015 durchschnittlich im Job. Das geht aus einem Bericht der Bundesregierung hervor, aus dem die Bild-Zeitung zitiert. Demnach ist die Zahl der Fehltage in den letzten zwei Jahren deutlich gestiegen: 2014 seien es 14,4 Tage gewesen, 2013 sogar nur 11,8 Tage. Betrachtet man die gesamte deutsche Wirtschaft, fielen 587,4 Millionen Arbeitstage wegen Krankheit aus – das führe zu krankheitsbedingten Produktionsausfällen in Höhe von 64 Milliarden Euro.

Kranke Mitarbeiter kosten Unternehmen jedoch nicht nur Geld: Das Thema Krankschreibung wirft auch viele Fragen auf und sorgt für Ärger im Betrieb – nicht zuletzt deswegen, weil Arbeitgeber und Arbeitnehmer schlecht informiert sind über die arbeitsrechtlichen Grundlagen bei Krankschreibungen. Wir klären sieben Irrtümer auf.

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Irrtum 1: Der Arbeitnehmer muss immer erst ab dem dritten Tag eine Krankschreibung vorlegen.

Ist der Mitarbeiter krank und arbeitsunfähig, muss er den Arbeitgeber unverzüglich darüber informieren (etwa telefonisch spätestens zu Beginn der Arbeitszeit am ersten Tag der Erkrankung). Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Tage, hat der Mitarbeiter zusätzlich eine von einem Arzt ausgestellte Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung vorzulegen. Der Arbeitgeber darf die Vorlage aber auch schon am ersten Tag der Erkrankung verlangen – unabhängig davon, ob der Verdacht einer vorgetäuschten Erkrankung besteht (Bundesarbeitsgericht, Urteil vom 14. November 2012 – 5 AZR 866/11).

Diese Anzeige- und Nachweispflichten bei Erkrankung sind im Entgeltfortzahlungsgesetz in Paragraf 5 vorgeschrieben. Ziel des Gesetzes ist es, Missbrauch zu bekämpfen und den Arbeitgeber über den Eintritt und die Dauer einer Arbeitsverhinderung zu informieren, damit dieser entsprechend planen kann.

Irrtum 2: Ist ein Arbeitnehmer krankgeschrieben, kann man ihm nicht kündigen.

Arbeitsunfähigkeit ist kein Kündigungsschutz – einem krankgeschriebenen Arbeitnehmer kann der Arbeitgeber daher unter denselben Voraussetzungen kündigen wie alle anderen. Und nicht nur das: Angestellte können sogar gekündigt werden, WEIL sie krank sind. Häufige kurze Erkrankungen kommen für eine Kündigung wegen Krankheit ebenso in Frage wie chronische Erkrankungen.

Mehr als sechs Wochen Fehlzeiten im Kalenderjahr wegen Krankheit können als kündigungsrelevant angesehen werden, wie das Landesarbeitsgericht Mainz 2011 darlegte (Az.: 5 Sa 152/11). „Vorher ist es auf keinen Fall möglich“, sagt Alexander Birkhahn, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Dornbach. Entscheidend für eine gerichtsfeste krankheitsbedingte Kündigung ist jedoch eine negative Gesundheitsprognose: Das Gericht muss davon ausgehen, dass beim Arbeitnehmer auch weiterhin oder regelmäßig mit Fehlzeiten zu rechnen ist. Außerdem muss durch die Krankheit eine betriebliche Belastung vorhanden sein. Eine Rolle spielt auch, wie lange der Mitarbeiter bereits im Unternehmen beschäftigt ist und ob er eine Familie hat oder alleinstehend ist. Weitere Informationen zum Thema finden Sie in unserem Artikel „Kündigung wegen Krankheit: Was tun, wenn ein Mitarbeiter dauernd ausfällt?“.

Irrtum 3: Krankgeschriebene Arbeitnehmer dürfen nicht das Haus verlassen oder ins Kino gehen.

Mitarbeiter, die krankgeschrieben sind, dürfen sehr wohl das Haus verlassen – schließlich  müssen sie sich beispielsweise etwas zum Essen kaufen oder in der Apotheke Medikamente besorgen.

Darüber hinaus sind aber nicht nur notwendige Besorgungen erlaubt, sondern auch Freizeitvergnügen – so lange sie die Heilung nicht verzögern. „Wenn das nicht der Fall ist, kann der Mitarbeiter während der Arbeitsunfähigkeit machen, was er will“, sagt Birkhahn. Ein Mitarbeiter mit Gipsarm darf also durchaus ins Kino gehen. Anders sieht es aus, wenn der Arbeitnehmer etwa für die Konkurrenz arbeitet oder nächtelang durch die Kneipen zieht – das fällt dann womöglich unter Krankfeiern.

Wie hoch die Hürden für den Arbeitgeber hierbei sind, illustriert ein Urteil des Landesarbeitsgerichts Köln aus dem Jahr 2011. Ein Kfz-Prüfingenieur war im Fitnessstudio gesehen worden, während er wegen eines grippalen Infekts krankgeschrieben war. Dennoch erklärte das Gericht die Kündigung seines Arbeitgebers für unwirksam (LAG Köln, 9 Sa 1581/10). „Die Gerichte sind da – das muss man sagen – sehr arbeitnehmerfreundlich“, sagt Birkhahn.

Irrtum 4: Arbeitnehmer dürfen nicht direkt nach Ende der Krankschreibung in den Urlaub gehen.

„Das ist Unsinn“, sagt Birkhahn. „Wenn der Urlaub genehmigt ist, kann der Mitarbeiter auch direkt nach einer Krankheit seinen Urlaub antreten.“

Irrtum 5: Lässt sich ein Arbeitnehmer im Urlaub krankschreiben, hat das keine Auswirkungen.

Kann der Arbeitnehmer eine Krankschreibung vorlegen, derzufolge er arbeitsunfähig war, gilt der Urlaub in den Tagen der Krankheit als nicht angetreten. Der Arbeitgeber muss ihn zu einem anderen Zeitpunkt gewähren. So steht es in Paragraf 9 im Bundesurlaubsgesetz.

Irrtum 6: Ein Mitarbeiter, der krankgeschrieben ist, darf nicht vorzeitig zur Arbeit zurückkommen.

„Ein Mitarbeiter darf natürlich schon früher zurückkommen, wenn er wieder gesund ist“, sagt Alexander Birkhahn, Fachanwalt für Arbeitsrecht bei der Kanzlei Dornbach. Er muss sich dann übrigens auch nicht gesundschreiben lassen. „Der Arzt bescheinigt ja nur die voraussichtliche Arbeitsunfähigkeit – und eine Gesundschreibung gibt es gar nicht.“

Mehr noch: Der Arbeitgeber MUSS sogar zur Arbeit zurückkommen, wenn er wieder arbeitsfähig ist, sagt Birkhahn – auch dann, wenn seine Krankschreibung noch gilt: „Die Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung gibt nur die voraussichtliche Dauer der Arbeitsunfähigkeit an – endet diese tatsächlich früher, gelten die wahren Verhältnisse.“

Anders sieht es aber aus, wenn der Arbeitnehmer zwar fit genug wäre für ein paar Arbeitsstunden, aber nicht für einen ganzen Tag, erklärt Birkhahn. Denn eine Teilarbeits(un)fähigkeit gibt es im deutschen Recht nicht.

Irrtum 7: Ein Arbeitgeber darf einen Mitarbeiter nicht gegen seinen Willen nach Hause schicken, wenn er ihn noch nicht wieder für arbeitsfähig hält.

Doch, das darf er. Wer einen arbeitsunfähigen Arbeitnehmer einsetzt, verstößt damit sogar möglicherweise gegen seine Fürsorgepflicht und kann sich sogar schadensersatzpflichtig machen, falls ein Unfall passiert. Die Arbeit verbieten sollte der Arbeitgeber seinem Mitarbeiter immer dann, wenn eine Gefährdung eintreten würde – für den Arbeitnehmer selbst oder andere Mitarbeiter. Ist dem Arbeitnehmer zum Beispiel noch schwindelig und besteht erhöhte Unfallgefahr, sollte der Arbeitgeber ihn wieder nach Hause schicken. „Wenn etwas passiert, hat der Arbeitgeber ein Problem“, sagt Birkhahn.

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Probleme kann es in solchen Fällen aber mit der Lohnfortzahlung im Krankheitsfall geben, warnt Birkhahn. „Angenommen, der Arbeitnehmer kommt nach sechs Wochen zurück und sagt: ‚Ich bin jetzt wieder fit‘; der Arbeitgeber schickt ihn aber wieder nach Hause“, sagt Birkhahn. „Dann muss der Arbeitgeber ab diesem Zeitpunkt wieder das Gehalt zahlen – obwohl die Zeit der Lohnfortzahlung nach sechs Wochen eigentlich vorbei ist.“ Das gelte allerdings nur, wenn der Arbeitnehmer zum fraglichen Zeitpunkt wirklich arbeitsfähig war.

1 Kommentar
  • Walter S. 20. Dezember 2016 08:23

    Es gibt keine „Krankschreibung“!!! Der Arzt schreibt „arbeitsunfähig“ und die Gründe dafür können auch außerhalb einer Krankheit liegen.

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