Mitarbeiter vergraulen 5 Gründe, warum Mitarbeiter kündigen, bevor sie einen neuen Job haben

Und tschüs! Ist der Schmerz groß genug, kündigen Mitarbeiter auch ohne Aussicht auf eine neue Anstellung.

Und tschüs! Ist der Schmerz groß genug, kündigen Mitarbeiter auch ohne Aussicht auf eine neue Anstellung.© Carol Yepes / Getty Images

Wird ein Angestellter lieber arbeitslos, als weiter für die Firma zu rackern, stellt sich für Chefs die Frage: Ist es wirklich so schlimm bei mir? Häufige Fehler, mit denen sie Mitarbeiter vergraulen.

Entscheiden sich langjährige und gute Mitarbeiter, zu einem anderen Unternehmen zu wechseln, ist das für Chefs oft schmerzhaft – aber nachvollziehbar, wenn der Wunsch dahintersteckt, sich beruflich neu zu orientieren oder an neuen Herausforderungen zu wachsen.

Kündigt ein Mitarbeiter dagegen, ohne einen neuen Job in Aussicht zu haben, sollten beim Arbeitgeber die Alarmglocken läuten: Der Angestellte fühlt sich offenbar so unwohl, dass er es kaum abwarten kann, die Firma zu verlassen. Er nimmt lieber die Arbeitslosigkeit in Kauf. Höchste Zeit, zu hinterfragen, ob im Betrieb grundsätzlich etwas falsch läuft.

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Die US-Jobbörse Joblist.com hat 1000 Arbeitnehmer befragt, die in den vergangenen Monaten und Jahren bei einem Arbeitgeber gekündigt haben. 35 Prozent der Studienteilnehmer hatten zum Kündigungszeitpunkt noch keinen neuen Job in Aussicht. Scott Mautz, Journalist und Gründer eines Online-Coaching-Unternehmens, hat für das Magazin Inc die fünf häufigsten Kündigungsgründe der Befragten aufgeschrieben – und erklärt, wie Chefs dafür sorgen können, dass Mitarbeiter sich wohler fühlen.

Platz 5: Mitarbeiter fühlen sich nicht wertgeschätzt

Sie erhalten nie Feedback zu ihrer Arbeit, vermissen Lob oder Anerkennung für ihr Mitwirken an einem wichtigen Projekt: 36 Prozent der Kündiger gaben an, dass sie Wertschätzung für ihre Leistung vermissen. Wer ein hart arbeitendes Team für selbstverständlich hält und dessen Arbeit nie honoriert, darf sich nicht wundern, wenn die Stimmung irgendwann kippt.

Das hilft:

Die Lösung ist einfach, sagt Mautz, der zehn Jahre lang als Führungskraft beim Konzern Procter and Gamble gearbeitet hat: Chefs sollten mehr loben. Nicht ständig und wegen jeder Kleinigkeit, denn sonst ist das Lob irgendwann nichts mehr wert – doch wer gute Arbeit bemerkt oder sich immer auf einen Mitarbeiter verlassen kann, sollte ihm das sagen. Und zwar nicht per Mail oder über Dritte, sondern persönlich.

Platz 4: Toxisches Arbeitsumfeld

„Anzeichen für ein toxisches Umfeld sind, dass man sich unwohl dabei fühlt, dem Management seine Gedanken zu äußern“, schreibt Mautz. „Dass nur schamlose Selbstdarsteller befördert werden, oder dass die Chefs Mitarbeiter ermutigen, Risiken einzugehen – sie letztlich aber dafür bestrafen.“

Solche Praktiken gelten dem Gründer zufolge oft als ungeschriebene Regeln: „Niemand spricht es aus, es ist einfach so.“

Das hilft:

Chefs müssen zunächst herausfinden, ob es solche toxischen Praktiken in ihrem Unternehmen gibt. Am besten sollten sie dazu ihre Mitarbeiter fragen; oder auch diejenigen, die das Unternehmen verlassen oder bereits verlassen haben. Noch besser: Chefs sollten von vornherein ein Umfeld schaffen, in dem jeder frei seine Meinung äußern kann, sodass sie toxische Ansätze im Keim ersticken können.

Verschiedene Methoden, mit denen Chefs ehrliches Feedback von Mitarbeitern einholen können, lesen Sie in unserem Artikel „Sind Ihre Mitarbeiter wirklich zufrieden? So finden Sie es heraus“.

Platz 3: Inkompetente Führungskräfte

Sie vergreifen sich im Ton, reden schlecht über Teammitglieder oder sind unzuverlässig – 43,9 Prozent der Kündiger beschwerten sich über inkompetente Führungskräfte.

Das hilft:

Wer Mitarbeiter in Führungspositionen befördert oder neue Kollegen mit wenig Führungserfahrung einstellt, kann ihnen zum Beispiel ein Coaching spendieren. Das geht zwar erstmal ins Geld, lohnt sich aber langfristig: Der Mitarbeiter lernt, wie er auf unterschiedliche Charaktere eingehen kann und wie er sein Team zum Erfolg führt.

Ein häufiger Fehler: Chefs befördern ihre besten Leute in Führungspositionen. Wenn diese etwa Informatik-Cracks, brillante Verkäufer oder begnadete Texter sind, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass sie auch geeignet sind, ein Team zu leiten – und ihre Fachkompetenz fehlt womöglich an anderer Stelle.

Platz 2: Die Unternehmenskultur passt nicht

Manchmal können sich Mitarbeiter einfach nicht mit der Unternehmenskultur anfreunden – etwa, weil sie sich flachere Hierarchien wünschen. Manchmal, so Mautz, vermitteln Arbeitgeber in Vorstellungsgesprächen aber auch ein falsches Bild der Unternehmenskultur. Oder stellen jemanden wegen seiner Fachkompetenz ein, obwohl sie von vornherein das Gefühl haben, dass es nicht wirklich funkt.

Das hilft:

Chefs sollten sicherstellen, dass sie nicht bloß Unternehmenswerte runterbeten, sondern sie auch leben. „Führungskräfte sollten ein Kultur etablieren, die sich mehr wie eine Gemeinschaft als ein Unternehmen anfühlt“, rät Mautz. „Etwas, wo jeder reinpasst.“ Wichtig sei dabei, authentisch zu bleiben und sich um seine Mitarbeiter zu kümmern.

Platz 1: Chefs ignorieren Anliegen der Mitarbeiter

Der meistgenannte Grund, wegen dem Mitarbeiter trotz Aussicht auf Arbeitslosigkeit kündigten: Chefs ignorieren ihre Ideen, Anliegen und Probleme. Fast die Hälfte aller befragten Kündiger (48,1 Prozent) beklagt sich darüber. Kein Wunder: Wenn Chefs die Meinungen ihrer Mitarbeiter ständig übergehen, geben sie ihnen das Gefühl, unbedeutend zu sein.

Das hilft:

„Meine Erfahrung zeigt, dass viele Menschen einfach nur gehört werden wollen und sich wünschen, dass man ihre Ideen berücksichtigt“, sagt Mautz. Er selbst habe oft mit Angestellten gesprochen, die wütend über Kollegen oder große Einschnitte im Budget waren. „Ich hatte nicht immer die Lösung parat, die sie sich wünschten. Aber ich habe mir immer die Zeit genommen, sie wissen zu lassen, dass mir ihre Meinung wichtig ist. Ich habe erzählt, was unternommen wird und war ehrlich, wenn ihre Lösung nicht funktionierte.“

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1 Kommentar
  • Bernd Sieslack 8. September 2019 20:20

    Auch wenn wir wissen, dass bald Schluss ist, macht es Sinn, sein Bestes zu geben und die verbleibende Zeit der Beschäftigung dazu zu nutzen, sich umzuorientieren.
    Quasi ein übergeordnetes Ziel für sich zu definieren, die eigene Energie nicht in unproduktives Verhalten zu stecken, sondern die verbleibende Zeit im Unternehmen schon dem Neuen widmen und an neuen Optionen basteln.
    Nicht: „Denen zeig ich es jetzt und hier will ich nur noch weg!“ sondern: „Ja, genau da will ich hin und das mache ich jetzt“.
    Ein solcher Jobwechsel fühlt sich nebenbei auch noch besonders gut an, da er aus eigenem Antrieb erfolgt und vollzogen wird.

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