Inhalt: Darum geht's in diesem Beitrag
Nehmen wir an, du müsstest dringend die Website deines Unternehmens überarbeiten. Du weißt: Dein Online-Auftritt ist in die Jahre gekommen, das Design wirkt wie aus dem letzten Jahrhundert, und wenn man die Seite auf dem Smartphone aufruft, erscheinen die Buchstaben in der Größe von Mikroben. Du weißt: Das ist peinlich. Du bist fest entschlossen, machst dir einen Plan, bist hoch motiviert.
Und dann … – kommt etwas dazwischen.
- Ein neuer Großauftrag kommt rein– und man hat plötzlich so viel zu tun.
- Ein Großkunde springt ab. Jetzt ist Akquise angesagt. Geld verdienen hat nun Priorität – nicht Geld ausgeben.
- Eine Mitarbeiterin wird krank, Du springst natürlich in die Lücke, geht nicht anders. Noch mehr Überstunden. Neue Website? Nicht jetzt.
- Huch, schon wieder Zeit für den Jahresabschluss? Das hat nun Priorität, die Website kann warten.
Was unterscheidet erfolgreiche Menschen vom Durchschnitt? Selbstdisziplin
Kommt dir das bekannt vor? Du kannst das Websiteprojekt natürlich gegen einen beliebigen anderen guten Vorsatz austauschen: eine Fortbildung machen, das Lager neu strukturieren, Sport treiben, das Team regelmäßig loben, besser Englisch lernen oder öfter pünktlich um sechs Uhr mit der Familie zu Abend zu essen. Gute Vorsätze hast du reichlich – aber dann passiert der Wahnsinn des (Geschäfts-)Lebens.
Wenn es eine Eigenschaft gibt, die erfolgreiche Menschen vom Durchschnitt unterscheidet, dann ist es Selbstdisziplin. Es gibt immer einen wichtigen Grund, warum man gerade jetzt nicht weiter sein Ziel verfolgen kann.
Verlierer finden Ausreden, Gewinner finden Wege
Wenn man mittelmäßige oder erfolglose Unternehmerinnen und Unternehmer fragt, warum ihr Geschäft nicht vorankommt, finden sie häufig Gründe, die außerhalb ihres Einflusses liegen:
- „Der Markt ist noch nicht bereit für mein Produkt.“
- „Hier auf dem Land findet man einfach keine guten Leute.“
- „Die Leute kaufen jetzt halt im Internet.“
- „Gegen die Billigkonkurrenz aus Fernost sind wir machtlos.“
Wenn man aber erfolgreiche Unternehmerinnen und Unternehmer fragt, warum sie es geschafft haben, nennen sie selten Gründe, die außerhalb ihre Einflussbereiches liegen. Sie sagen nicht:
- „Ich habe halt Talent.“
- „Ich hatte Glück.“
- „Ich habe eine Menge Geld geerbt.“
- „Ich hatte eine geniale Idee.“
- Und sie sagen auch nicht: „Ich weiß nicht, warum ich Erfolg hatte. Das ist einfach so passiert.“
Von Henry Ford bis Steve Jobs sagen sie fast alle dasselbe: „Ich habe verdammt hart und diszipliniert gearbeitet.“
Der alte Spruch stimmt: Verlierer finden Ausreden, Gewinner finden Wege.
Selbstdisziplin kann man lernen
Wie gelingt es, sich im entscheidenden Moment, nämlich dann, wenn es schwierig wird, den nötigen Tritt in den Hintern zu geben? Wie schafft man es, derjenige zu sein, der durchhält und damit langfristig erfolgreich ist?
Die Antwort auf diese Frage enthält zwei gute und eine schlechte Nachricht.
- Die erste gute Nachricht: Selbstdisziplin kann man lernen.
- Die zweite gute Nachricht: Selbstdisziplin zu lernen, kostet kein Geld.
- Die schlechte Nachricht: Selbstdisziplin zu lernen, ist anstrengend.
„Selbstdisziplin ist die Fähigkeit, das zu tun, was Du tun sollst, ob Du Dich gerade danach fühlst oder nicht.“ Das hat der amerikanische Schriftsteller Elbert Hubbard gesagt. Und die Definition macht das Dilemma offensichtlich: Eine Instanz (der Verstand) sagt, dass man das Notwendige nun sofort tun sollte. Eine andere Instanz (das Gefühl) sabotiert diesen Gedanken aber. Sie sagt: „Hör auf damit und tu sofort das, wonach du dich gerade fühlst. Das ist bequemer, ich versprech’s!“
Wer selbstdiszipliniert sein möchte, muss also dafür sorgen, dass die ambitionierte Seite über die faule Seite gewinnt.
Mehr Selbstdisziplin in fünf Schritten
Chris Mulzer ist Coach für Persönlichkeitsentwicklung. Er hat mehrere Schritte ausgemacht, mit denen man Selbstdisziplin lernen kann. Dies sind die fünf eingängigsten.
Schritt 1: Vorfreude
Nehmen wir wieder an, du musst die Website deines Unternehmens renovieren. Bevor du dich an die Arbeit machst, kannst du dich schon darauf freuen, wie stolz du sein wirst, wenn die Website in neuem Glanz erstrahlt. Du wirst deine Homepage unter jeder E-Mail verlinken, ohne dich zu schämen. Deine Website wird dein Angebot toll verkaufen und neue Kunden anziehen. Dein Unternehmen wird als modern und erfolgreich wahrgenommen werden.
Schritt 2: Visualisierung
Das Ziel genau vor Augen zu haben, ist vor allem dann hilfreich, wenn Hindernisse auftauchen (und es tauchen IMMER Hindernisse auf). Dann heißt es dranbleiben: Diese Widrigkeiten werden mich nicht um den verdienten Erfolg bringen.
Schritt 3: Sorgfältige Planung
Oft erscheinen neue Aufgaben unüberschaubar groß, sie übermannen einen. Mach einen Umsetzungsplan mit überschaubaren Schritten. Erfordert dein Projekt, dass du regelmäßig etwas tun musst? Dann mach diese Handlung zur Routine: Führe sie am besten immer zum selben Zeitpunkt aus. Reserviere dir diesen Zeitraum exklusiv für dein Projekt. Diese Zeitspanne ist heilig und wird nicht für andere – vermeintlich wichtigere – Tätigkeiten freigeräumt.
Schritt 4: Interner Dialog
Deine faule Seite und deine ambitionierte Seite kämpfen in deinem Innern um die Vorherrschaft. Wenn die faule Seite gewinnt, macht man entweder gar nichts oder nur Dinge, die man schon kann. Wie verhilft man also der ambitionierten Seite zum Sieg?
Chris Mulzer schreibt, dass er sich einen väterlich strengen Ausredeneliminator in seinen Kopf eingebaut hat. Sobald er anfängt, nach Ausreden zu suchen, erkennt er die Situation und schaltet sofort den Ausredeneliminator ein. Der sagt dann in etwa: „Nix da, so fangen wir gleich gar nicht an! Jetzt aber, ran an die Buletten!“
Schritt 5: Der Weg ist das Ziel
Selbstdisziplin ist nicht nur Arbeit, sondern auch Genuss. Ja, man kann es genießen, am Ball zu bleiben. Mach dir bewusst, wie gut du bist: „Schon wieder den Zeitplan genau eingehalten. Mensch, ich bin spitze.“
Und jetzt: Geh das Thema Selbstdisziplin aktiv an.
Chris Mulzer rät: Wenn du das nächste Projekt angehst, plane gleich mit ein, wie du deine Selbstdisziplin aktivieren wirst, wenn es schwierig wird. Denn: Es wird schwierig werden. Mulzer schreibt: „Erfolgreiche Menschen machen es sich zur Gewohnheit, jene Dinge gerne zu tun, die erfolglose Menschen nicht tun.“
