Digitale Souveränität
In die Tonne mit Microsoft, Amazon & Co.

Viele Firmen nutzen Software und Cloud-Dienste großer US-Konzerne. Das nimmt Flexibilität, birgt Risiken – und ist teuer. Wie du mit europäischen Alternativen unabhängig von den Tech-Riesen wirst.

Aktualisiert am 19. Juni 2026, 12:03 Uhr, von Jonas Hetzer, Senior Redakteur

Mehrere Mülleimer mit Reycling-Logo darauf vor buntem Hintergrund
© KI generiert

Das Internet war nicht ausgefallen, das Passwort war korrekt, auch das E-Mail-Programm lief. Und doch, Karim Khan konnte sich an einem Frühlingstag 2025 plötzlich nicht mehr in sein Postfach einloggen. Microsoft hatte ihm den Zugang zu seinem Konto gekappt.

Khan war damals Chefankläger des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag. Kurz zuvor hatten die USA ihn auf eine Sanktionsliste gesetzt. Die Trump-Regierung störte sich daran, dass Khan unter anderen dem israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu Kriegsverbrechen im Gaza-Streifen vorwarf und deshalb Haftbefehl gegen ihn beantragt hatte.

Teil der Sanktionen: US-Unternehmen, also auch Microsoft, durften Khan keine technischen Dienstleistungen mehr bieten. Darunter fiel auch das E-Mail-Konto.

Kein Einzelfall: Auch Mitarbeitenden der Amsterdam Trade Bank (ATB) hatte Microsoft 2022 den Zugang zu E-Mail-Konten verwehrt. Grund auch hier: US-Sanktionen. Die ATB war Tochter einer russischen Bank. Wenig später ging das Institut pleite.

Die Macht der Tech-Giganten

Gewiss, die Fälle sind genauso krass wie außergewöhnlich. Kaum ein impulse-Mitglied dürfte auf einer US-Sanktionsliste landen. Dennoch muss man sich klarmachen: „Sobald Washington Druck macht, wird der digitale Hahn zugedreht – unabhängig vom Datenstandort“, sagt Harald Wehnes, Professor für Informatik an der Universität Würzburg.

Doch nicht nur können die US-Tech-Konzerne Europäern, ob Privatleuten, Unternehmen oder staatlichen Institutionen, regelrecht den Stecker ziehen. Zudem diktieren Microsoft, Google, Amazon & Co die Preise.

Und sie haben – wenigstens potenziell – jederzeit Zugriff auf Daten ihrer Kunden. Produktdaten: in der Cloud von Amazon. Office-Programme, E-Mails, Videokonferenzen: alles Microsoft. Kundenkontakte: Salesforce. Warenwirtschaftssystem: Oracle. So sieht es in vielen deutschen Unternehmen aus.

Informatiker Wehnes konstatiert daher, Europa sei eine „digitale Kolonie“ der USA. In Vorträgen, die Wehnes quer durch die Republik und auch im Ausland hält, warnt er eindringlich vor dem „Kill Switch“, also dem abrupten Abschalten von Services der US-Anbieter. Das sei auch für deutsche Unternehmen „ein realistisches Szenario“.

Alternativen zu Big Tech

Wehnes zeigt aber auch einen Ausweg mit großen Chancen auf. Für die wichtigsten IT-Anwendungen der US-Konzerne gibt es Alternativen. Sogenannte Open-Source-Programme können zumeist kostenlos aus dem Web heruntergeladen werden und sind dann auf dem eigenen Server nutzbar. Eine Auswahl findest du in der Tabelle unten.


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