Ehemalige DHDL-Kandidaten Das wurde aus den Gründern bei „Die Höhle der Löwen“

Ehemalige DHDL-Kandidaten

Anna Vonnemann (r.) und Dindia Gutmann (m.) haben ein künstliches Gleichgewichtsorgan entwickelt. © MG RTL D / Bernd-Michael Maurer

Bald „dümmelt“ es wieder: Die 5. Staffel „Die Höhle der Löwen“ startet am 4. September. Ein Rückblick auf die Gründer der vergangenen Staffel: Wer hatte Erfolg? Wer ist gefloppt?

Eine Po-Dusche, ein künstliches Gleichgewichtsorgan oder Blinkerhandschuhe: Manche Produkte der vierten Staffel „Die Höhle der Löwen“ sind in Erinnerung geblieben – weil sie einfach absurd waren oder weil emotionale Geschichten der Gründer dahintersteckten.

Insgesamt schlugen die Löwen 43 mal zu. Doch wie schon in vergangenen Staffeln platzten einige Deals nach Aufzeichnung der Sendung. Wie es vier Gründern der vergangenen Staffel heute geht.

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Too Good to Go

„Das ist der frechste Auftritt, den wir in der ‚Höhle der Löwen‘ je gesehen haben“, sagte Frank Thelen zum dänischen Start-up „Too Good To Go“. Der Hintergrund: Die Gründer verlangten ein Investment von einer Million Euro für fünf Prozent der Unternehmensanteile. Alle fünf Löwen verpassten dem Start-Up zunächst eine Absage – und stiegen am Ende alle mit ein.

Über die App To Good To Go können Nutzer übriggebliebenes Essen von Restaurants, Supermärkten und Bäckereien kurz vor Ladenschluss günstig kaufen. Die Dänen wollen damit die Lebensmittelverschwendung bekämpfen, denn das Essen würde sonst weggeschmissen.

Wie geht es dem Unternehmen heute?

Das Hin und Her der Löwen in der Sendung war offenbar noch nicht genug: Nach der Aufzeichnung platzte der Rekord-Deal. Im Interview mit impulse erklärte Gründer Klaus Pedersen, dass sich sein Team dafür entschieden habe, den Deal auszuschlagen, weil es mit mehreren Investoren zu vertrackt wurde. Die Gründer hatten zuvor schon rund drei Millionen Euro von dänischen Investoren eingesammelt.

Doch die Gründer sind auch ohne Unterstützung der Löwen erfolgreich: Die App hat nach eigenen Angaben 4,6 Millionen Nutzer in acht Ländern und rund sechs Millionen Mahlzeiten gerettet. Mittlerweile arbeiten 160 Angestellte in dem Start-up. Vor kurzem hat Too Good To Go einen Laden in Dänemark eröffnet.

Erledigungen.de

Stundenlang in der Behörde darauf warten, dass man seine Wohnung ummelden kann – mit seinem Start-up Erledigungen.de wollte Sebastian Simon seinen Kunden solche lästigen Behördengänge ersparen. Die Idee: Mitarbeiter von Gründer Simon erledigen die Amtsbesuche für die Kunden; die sparen sich die Wartezeit. Seinen Wohnsitz umzumelden sollte 49 Euro kosten.

Bei den Löwen zündete die Idee nicht: Simon musste die Sendung ohne die erhofften 200.000 Euro verlassen. Frank Thelen lobte den Service zwar , sagte aber, die Politik müsse die Behörden digitalisieren. „Ich würde mir wünschen, dass deine Firma am Ende des Tages nicht mehr existiert“, sagte er.

Wie steht es heute um Erledigungen.de?

Frank Thelens Wunsch wurde offenbar erhört – aber nicht etwa, weil jetzt alle Behördengänge online möglich wären. Im Mai schrieb das Magazin „Gründerszene“, dass Erledigungen.de Insolvenz angemeldet habe. Insolvenzverwalter Ivo Meinert-Willrodt sagte gegenüber „Gründerszene“: „Die laufenden Kosten waren durch das beschäftigte Personal zu hoch. Die Umsatzzahlen und die Nachfrage haben sich aber nicht wie gewünscht entwickelt.“

Blinkerhandschuh

„Blinker an der Hand? Gefahr gebannt“, dieses Versprechen gibt Erfinder Ralf Gerhard Radfahrern. Diese werden im Dunkeln und bei schlechtem Wetter schnell übersehen, wie Gerhard selbst erleben musste: Er stieß beim Abbiegen auf einer dunklen Kreuzung mit einem Auto zusammen. Um solche Unfälle zu verhindern, tüftelte er drei Jahre lang an Handschuhen, mit denen Radfahrer beim Abbiegen blinken können. Mit seiner Erfindung konnte Gerhard Löwen-König Ralf Dümmel überzeugen: Er investierte 80.000 Euro und sicherte sich damit 20 Prozent der Firmenanteile.

Wie geht es dem Gründer heute?

Vor seinem Auftritt bei den Löwen verkaufte Gerhard etwa 5000 Blinkerhandschuhe, sagte der Gründer gegenüber dem „Darmstädter Echo“. Der Fernsehauftritt und Dümmels Vertriebs-Power verhalfen Gerhard zu 100.000 verkauften Handschuh-Paaren bis Ende 2017.

Die Bewertungen der 30-Euro-Handschuhe im Internet sind allerdings eher mittelmäßig. Käufer beschweren sich, dass die Handschuhe zu lange blinken, klobig und billig verarbeitet wirken.

MoveAid

Dieses Gründerteam sorgte bei allen Löwen für feuchte Augen: Anna Vonneman hat ein künstliches Gleichgewichtsorgan für ihre Tochter Dindia Gutmann entwickelt. Die Tochter ist halbseitig gelähmt, weil sie schon vor ihrer Geburt einen Schlaganfall erlitten hatte. Das Gehen fällt ihr schwer, als Kind fiel sie ständig um. Ärzte und Physiotherapeuten prophezeiten dem Mädchen eine Zukunft im Rollstuhl.

Doch Mutter Anna Vonnemann gab nicht auf. Die freischaffende Künstlerin tüftelte und lötete in ihrer Küche, wollte ihrer Tochter unbedingt helfen. Und tatsächlich entwickelte sie eine Art künstliches Gleichgewichtsorgan, das registriert, wenn Dindia ins Straucheln gerät, und durch kleine elektrische Impulse ihre Haltung korrigiert. Es funktioniert: Dindia kann gehen.

Carsten Maschmeyer und Dagmar Wöhrl verhandelten gar nicht erst – sie investierten die gewünschten 200.000 Euro gegen 20 Prozent der Firmenanteile in das Mutter-Tochter-Gespann, um das Produkt zur Marktreife zu bringen. Die medizinische Zulassung fehlte noch.

Wie läuft es heute für das Mutter-Tochter-Team?

Es blieb bei dem Deal, doch der Durchbruch steht noch aus. MoveAid wurde bislang nicht als medizinisches Gerät zugelassen. „Durch die Höhle der Löwen und durch die Finanzierung können wir hemmungslos arbeiten. Das ist ein tolles Gefühl, so frei sein zu können“, sagte Anna Vonnemann im März gegenüber RTL Online.

Die Gründerin hat im Januar ein Buch veröffentlicht, in dem sie das von ihr entwickelte Gehtraining für Menschen mit Lähmungserscheinungen vorstellt. Tochter Dindia Gutmann will Südamerika bereisen – ohne die Erfindung ihrer Mutter wäre das wohl kaum denkbar gewesen.

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