Führungstypen Dirigent oder Spielertrainer – welcher Chef-Typ sind Sie?

Wie ein Dirigent den Takt angeben oder wie ein Spielertrainer mal am Rand stehen und pfeifen, aber auch mal ins Spiel eingreifen - als Chef sollte man wissen, welcher Führungstyp der beste fürs Unternehmen ist.

Wie ein Dirigent den Takt angeben oder wie ein Spielertrainer mal am Rand stehen und pfeifen, aber auch mal ins Spiel eingreifen - als Chef sollte man wissen, welcher Führungstyp der beste fürs Unternehmen ist. © sör alex / photocase.de

Wenn es ums Delegieren von Aufgaben geht, gibt es zwei verschiedene Führungstypen: Dirigenten und Spielertrainer. Welcher sind Sie? Und was bedeutet das für Ihr Unternehmen?

Unternehmer sind oft alles gleichzeitig: Sie sind Impulsgeber, Strategen und Innovatoren. Sie sind Verkäufer, Einkäufer und Buchhalter. Und obendrein kümmern sie sich auch noch ums Personal. Viel zu tun für eine Person – zu viel, wenn das Unternehmen wächst. Um mit ihren Ressourcen noch haushalten zu können, müsse sie sich irgendwann fragen: Welche Tätigkeiten kann ich delegieren?

Das hängt zum einen natürlich von ihrem Team ab: Sie können nur delegieren, wenn sie kompetente Mitarbeiter mit entsprechenden Fähigkeiten haben. Zum anderen ist es aber auch eine Frage des Führungstyps. Welcher Sie sind, lässt sich mit einer Frage herausfinden: Wie viel wollen Sie überhaupt delegieren?

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Dirigenten delegieren viel

Als Unternehmer unterliegen Sie keinen Beschränkungen: Sie dürfen alles delegieren, was Sie wollen (außer Ihrer Verantwortung). Wollen Sie möglichst viel delegieren? Dann tendieren Sie zum Führungstyp Dirigent. Der Dirigent organisiert das Zusammenspiel im gesamten Orchester. Er ist nicht der beste Streicher, Bläser oder Trommler. Dafür hat er den Spezialisten die Aufgabe übertragen. Sie sollen bestmöglich streichen, blasen oder trommeln. Der Dirigent versteht das System. Er erkennt Fehler, korrigiert sie und hat das große Ziel vor Augen: dass jeder seine beste Leistung bringt.

Am anderen Ende der Führungstypen-Skala steht der Spielertrainer. Er ist einerseits Trainer und will sein Team weiterentwickeln. Andererseits greift er als Spieler in Krisensituationen aktiv ins Geschehen auf dem Spielfeld ein, um seiner Mannschaft zu helfen. Dabei ist er vielleicht nicht mehr der Schnellste, zeigt aber großes Engagement und punktet mit seiner Erfahrung. Die Frage, ob sie delegieren können und wollen, beantworten Unternehmer-Spielertrainer also nur eingeschränkt mit „Ja!“.

Ein entscheidender Nachteil des Spielertrainers ist, dass er bei zu langen Einsätzen auf dem Spielfeld verpasst, im Hintergrund strategisch weiterzuarbeiten. Der Dirigent hingegen, der nicht mit anpackt, hat schnell das Image eines arroganten, hochnäsigen Menschen.

Die Vor- und Nachteile der beiden Führungstypen im Vergleich

Der Spielertrainer

Vorteile:

  • kann sich aktiv beteiligen und eine Vorbildfunktion übernehmen
  • kennt das operative Geschäft, deshalb kann ihm keiner etwas vormachen, wie es funktioniert
  • kann andere Spieler ersetzen

Nachteile:

  • kann den Überblick verlieren und die Gesamtstrategie verwässern
  • verheddert sich im Detail
  • vernachlässigt die Fokussierung auf die wichtigen und komplexen Aufgaben
  • kann das Team nicht weiterentwickeln
  • das Unternehmen ist abhängig von seinem operativen Einsatz

Der Dirigent

Vorteile:

  • behält den Überblick über das gesamte System
  • entdeckt Fehler in Strukturen und Prozessen oder Fehlbesetzungen im Team
  • setzt langfristige Richtungsentscheidungen um und behält das Ziel im Blick

Nachteile:

  • ist nicht Teil des Teams
  • beherrscht nicht die täglichen Detailaufgaben
  • kann den Kontakt zum operativen Geschäft verlieren
  • kann arrogant und hochnäsig wirken

Wer ist der bessere Unternehmer?

Wer aber ist der bessere Unternehmer – der Spielertrainer oder der Dirigent? Wie so oft gibt es nicht die einzige, richtige Antwort. Wenn Sie als Spielertrainer den Mitarbeitern immer vormachen, wie es geht, sie aber keine eigenen Erfahrungen sammeln lassen, leidet ihre Motivation. Als Dirigent hingegen reicht es nicht immer aus, nur aus der Ferne zu dirigieren, damit jeder seine beste Leistung zeigen kann. Manchmal braucht man Sie auch an der Front im Tagesgeschäft.

Ihr Ziel sollte es sein, dass Ihr Team, Ihr Orchester, Ihre Organisation die größtmögliche Wirkung entfaltet. Dabei gibt es Situationen, in denen Sie (auch in größeren Unternehmen) noch einmal ins Tagesgeschäft einsteigen müssen, um zu zeigen, wie es besser geht. Allerdings sollte das kein Dauerzustand sein. Wenn Sie ständig in operativer Hektik sind und wegen zu vieler Termine unter Zeitdruck arbeiten: Wer denkt dann über die Zukunft des Unternehmens nach? Wer entwickelt die Organisation weiter? Wer führt die Mitarbeiter? Wer sorgt dafür, dass es Ihr Unternehmen morgen noch gibt?

Ich bin überzeugt: Unternehmen, die von Spielertrainern geführt werden, haben nur ein begrenztes Wachstumspotenzial. Weil ihre Abhängigkeit von der operativen Leistung eines Einzelnen zu groß ist. Deshalb sollten Unternehmer deutlich mehr Zeit damit zubringen, am und nicht im Unternehmen zu arbeiten. Sie sollten Aufgaben abgeben: Verkäufer einstellen, die erfolgreich verkaufen. Buchhalter einstellen, die gewissenhaft mit Zahlen umgehen. Personaler einstellen, die die richtigen Talente finden, gewinnen und ans Unternehmen binden.

Hinterfragen Sie Ihr Verhalten

Für Sie als Unternehmer gilt: Machen Sie sich die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Führungstypen bewusst. Hinterfragen Sie Ihr Verhalten und passen Sie es aktuellen Situationen und Herausforderungen an. Ihr großer Vorteil als Unternehmer: Sie entscheiden selbst, wie Sie Ihre Ressourcen einsetzen.

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