Liebe am Arbeitsplatz Wie bändigt man Flirts, Beziehungen und Affären in der Firma?

Ist Liebe am Arbeitsplatz ein Tabu? Nein, wenn Chef mit ihr umzugehen weiß!

Ist Liebe am Arbeitsplatz ein Tabu? Nein, wenn Chef mit ihr umzugehen weiß!© complize / photocase.de

Getuschel auf dem Flur, missbilligende Blicke oder anerkennende Schulterklopfer - Flirts, Beziehungen und Affären können für Unruhe im Team sorgen. Wie Chefs gekonnt damit umgehen.

Ist der Arbeitsplatz eine Partnerbörse? Immerhin verbringen Angestellte mit Kollegen und Chefs den Großteil der Wochentage – da kann schon mal mehr als nur ein freundschaftlicher Funke überspringen. Knapp ein Viertel der Arbeitnehmer hat sich laut einer Studie des Meinungsforschungsinstitut Forsa im Auftrag von Xing schon einmal im Betrieb verliebt. Und auch die Chefetage kann sich von den romantischen Gefühlen nicht freisprechen.

Ein Arbeitsplatz zum Verlieben?

Verbieten lässt sich die Liebe im Betrieb nicht. Als Wal-Mart seinen Mitarbeitern die Liebesbeziehung am Arbeitsplatz untersagen wollte, wies das Landesarbeitsgericht Düsseldorf das Unternehmen in die Schranken: Ein solches Verbot verstoße gegen Artikel 1 und 2 des Grundgesetzes (Az. 10 TaBV 46/05).

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Was aber kann man tun, wenn die Liebe zum Störenfried im Unternehmen wird? Wenn zwei Kollegen beim Anbandeln unangenehm auffallen oder Unternehmerpaare nur noch über die Arbeit sprechen und „die Firma mit ins Bett nehmen“, wie Karriereberaterin Jutta Boenig es nennt? Hier gibt sie Tipps, wie Chefs sich und ihre Mitarbeiter souverän durch das Gefühlschaos manövrieren.

Was können Chefs tun, wenn zwei Mitarbeiter …

… sich ineinander verlieben?

„Viele Führungskräfte haben die Befürchtung, dass die Arbeitsleistung der Verliebten leidet, weil sie so aufeinander fokussiert sind oder auch Arbeitskollegen dadurch abgelenkt werden“, sagt Boening. Dennoch rät sie zur Gelassenheit: „Souveräne Chefs sollten das mit einem Schmunzeln sehen“, meint Boenig.

Stört die Verliebtheit nicht, gibt es für Chefs keinen Grund einzugreifen – auch nicht aus Neugier. „Es ist übergriffig, wenn der Chef nach der Liebesbeziehung fragt. Das würde ich keinem raten“, so die Expertin.

… ein Paar sind und Stress miteinander haben?

Paare haben heimlich oder sogar offen Zoff in der Firma und stecken mit ihrer miesen Laune womöglich das ganze Team an? Es gibt eine elegante Methode nachzuforschen und die Situation zu entschärfen: „Fragen Sie zunächst konkret, wo es denn hakt. Formulierungen wie: ‚Ich habe Gerüchte gehört, aber wollte Sie doch lieber persönlich fragen‘, bewahren eine professionelle Distanz.“

Boenigs Erfahrung nach handeln Paare bei sich häufenden Konflikten oft von ganz allein, indem ein Part zum Beispiel freiwillig einen Abteilungswechsel vorschlägt.  Als Chef selbst einen Abteilungswechsel vorzuschlagen, wirke allerdings bevormundend und sei nicht ratsam.

… ein Paar sind und mit gleicher Qualifikation einen Karrieresprung wagen wollen?

Beide wollen im Betrieb auf die nächste Karrierestufe, aber es gibt nur eine freie Stelle. „Wenn Paare im Job konkurrieren, ist der Konflikt quasi vorprogrammiert“, so Boenig. Chefs sollten sich nicht in Streitereien einmischen: „Als Chef entscheiden Sie am besten nach den Fakten“, rät Boenig.

Je nach Vertrauensverhältnis könne man mit dem Paar auch zunächst ins Gespräch gehen, damit sich keiner übergangen fühlt.

Was können Chefs tun, wenn sie selbst …

… eine Beziehung mit einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin öffentlich machen wollen?

Ist aus der ersten Verliebtheit mehr geworden, möchte ein Paar das oft mit den liebsten Kollegen teilen – aber selbst wenn nicht: „Sich darauf verlassen, dass es die Kollegen schon irgendwie mitbekommen, ist die schlechteste Option“, sagt Boenig. Das sorge für Getuschel auf dem Flur.

Wer selbstbewusst hinter der Partnerschaft steht, erntet in der Regel nur Sympathien. „Ein Paar hat zum Beispiel mal im passenden Moment nach einem Meeting einen Sektumtrunk veranstaltet und da von der Partnerschaft erzählt. Das kam super an.“

Wichtig  sei, dass der Chef der oder dem Liebsten keine Extras zukommen lasse – das wecke Neid. Boenig empfiehlt, den Kollegen zu signalisieren: Ihr seid mir ebenfalls wichtig. Man sollte daher lieber mit den Mitarbeitern in die Mittagspause gehen und das romantische Treffen auf den Feierabend verschieben.

eine Affäre mit einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin haben?

„Affären sind natürlich ein heikles Thema“, sagt Boenig. „Ich rate jedem Vorgesetzten davon dringend ab. Nicht zuletzt, weil das zum Beispiel bei einer Trennung in der Firma dem Ruf eines Chefs schaden kann, wenn die Sache bekannt wird.“

Trotzdem erlebt Boenig es immer wieder – und oft ist es tatsächlich die Klischee-Konstellation aus Chef und Sekretärin. „Er denkt: Sie kennt mich so gut! Schließlich verbringt man viel Zeit zusammen – oft mehr als mit der Ehefrau.“

die Beziehung zu einem Mitarbeiter oder einer Mitarbeiterin beenden wollen?

Die Sympathien liegen nach einer Trennung meistens bei dem oder der Verlassenen, so Boenig. Chefs müssen verlorenes Vertrauen wiedergewinnen: „Verbarrikadieren Sie sich auf keinen Fall im Büro und versenden Anweisungen nur noch per Mail, sondern kommen Sie mit den Kollegen ins persönliche Gespräch.“

Unterstützung anbieten – wie etwa einen Abteilungswechsel – wenn der Ex-Partner es auf der Arbeit nicht mehr aushält, ist eine gute Option.

Was können Unternehmerpaare tun, wenn …

… sie gerade in der Gründungsphase stecken?

„Gerade am Anfang dreht sich alles um die Firma. Für die Beziehung bleibt da nicht viel Zeit. Das müssen Paare sich vorab bewusstmachen“, sagt Boenig. In ihrer Beratung habe sie es schon zwei Mal erlebt, dass Gründerpaare mit Sorgen um die Firma zu ihr kamen und es dann tatsächlich um die Beziehung ging. „Erst nach und nach kamen versteckte Beziehungsängste auf den Tisch“, sagt die Expertin.

Damit die Beziehung neben der Firma nicht in die Brüche geht, sei es wichtig, sich Freiräume zu schaffen. Ein Paar einigte sich zum Beispiel darauf, die erste Stunde des Abends nicht über die Arbeit zu sprechen. „Solche Zeiträume, in denen man sich bewusst nur miteinander beschäftigt, zum Beispiel, indem man gemeinsam ins Kino oder Fitnessstudio geht, schweißen zusammen. Sie müssen sich da von Anfang an neben dem Arbeitsalltag eine Struktur schaffen.“

… sie bereits zusammen eine Firma führen?

„Eigentlich existiert diese Beziehung nicht. Unsere Beziehung ist die Firma“, meinte einmal eine Klientin zu Boenig. Gestandene Unternehmer sehen oft die Firma als ihr „Baby“. Und das bleibt es auch – selbst wenn die stressige Gründungsphase überstanden ist. „Wer zum Beispiel ein Autohaus führt oder Ähnliches, der findet zu zweit kaum Auszeiten, weil es ständig etwas zu erledigen gibt. Die einzige Pause zu zweit ist dann oft nur ein Urlaub.“

Wer so eng zusammenarbeitet, vermischt leicht Beruf und Privates – das kann für Spannungen sorgen. Boenig empfiehlt dagegen strikte Arbeitsteilung: „Oft begegnet mir der Fall, dass die Frau sich zum Beispiel um Buchhaltung und Personal kümmert und der Mann um die Akquise – und das klappt. Wichtig ist, dass man sich dann auch nicht gegenseitig reinredet.“ Zusätzlich könne ein objektiver Supervisor, etwa ein Betriebsberater, regelmäßig überprüfen, ob die Arbeitsteilung tatsächlich funktioniert. (Lesen Sie hier: Wie Unternehmerpaare Zoff vermeiden)

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