Zusammensetzung von Teams Warum der beste Bewerber manchmal die schlechteste Wahl ist

Lauter Top-Spieler, aber keine überzeugende Mannschaftsleistung? Da lag der Chef bei der Zusammensetzung des Teams daneben.

Lauter Top-Spieler, aber keine überzeugende Mannschaftsleistung? Da lag der Chef bei der Zusammensetzung des Teams daneben.© nitimongkolchai/istock/Getty Images

Eine Mannschaft voller Superstars bringt nicht zwangsläufig die beste Leistung. Wie der „Zu viele Talente“-Effekt Ihrem Team schaden kann - und wie Sie ihn abfedern können.

Smart, selbstbewusst, vor Ideen nur so sprudelnd – das klingt nach dem perfekten neuen Mitarbeiter. Doch bevor Sie sich einen solchen Überflieger ins Team holen, sollten Sie überlegen, wie gut er zum Rest Ihrer Mannschaft passt. Denn wenn zu viele Top-Performer zusammenarbeiten, könnte sich das am Ende negativ auf die Leistung des gesamten Teams auswirken. Die Autorin Mithu Storoni nennt dieses Phänomen im US-Wirtschaftsmagazin Inc.com den „Zu viele Talente“-Effekt. Sie bezieht sich dabei auf den Wissenschaftsjournalisten David Robson und sein Buch „The Intelligence Trap“ (Die Intelligenz-Falle).

Robson untersucht den Zusammenhang zwischen individuellem Talent und Teamleistungen. Sein Ergebnis: Teams sind dann besonders anfällig für den „Zu viele Talente“-Effekt, wenn der gemeinsame Erfolg auf einer guten Zusammenarbeit basiert. Als Bespiel nennt er die englische Fußball-Nationalmannschaft von 2016. Das Team bestand aus 21 hochbezahlten Superstars – die eine miserable Teamleistung ablieferten. Die kleine Fußball-Nation Island mit nur einem internationalen Star-Spieler warf die Engländer schließlich aus dem Turnier.

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In seinem Buch erklärt Robson auch, was passiert, wenn zu viele kluge Köpfe in einem Team zusammenarbeiten – und was Chefs gegen den „Zu viele Talente“-Effekt tun können.

Problem 1: Ein Team voller Überflieger ist anfälliger für interne Machtkämpfe

Viele starke Persönlichkeiten auf einem Haufen – da ist laut Robson Ärger vorprogrammiert, weil jeder versuche, seinen Anführer-Status zu verteidigen. Weniger dominante Mitarbeiter können dagegen einen positiven Einfluss auf die Dynamik innerhalb eines Teams haben.

Das hilft: Definieren Sie die Struktur Ihres Teams und die Rolle jedes einzelnen Mitglieds. So kann jeder Mitarbeiter Verantwortung für klar umrissene Aufgaben übernehmen. Robson empfiehlt außerdem, eine Strategie für Entscheidungsfindungen festlegen, um Alleingänge von einzelnen Mitarbeitern zu vermeiden.

Problem 2: Überflieger in einem Team konkurrieren, statt zusammenzuarbeiten

Wenn Mitarbeiter das Gefühl haben, dass überengagierte Kollegen ihnen ihren Platz im Team streitig machen wollen, könne das die Leistung des gesamten Teams ausbremsen. Denn dann verwendeten die Mitarbeiter mehr Zeit und Energie darauf, ihren eigenen Status zu sichern, als das Team insgesamt voranzubringen.

Das hilft: Mischen Sie Ihr Team neu. Robson rät, bei Einstellungsrunden auf Bewerber mit ausgeprägten sozialen Kompetenzen zu achten. Ein Kollege, der das Team zusammenschweiße und zum Austausch anrege, sei häufig wertvoller als ein weiteres Supertalent.

Problem 3: Zu viele Überflieger in einem Team stehen sich gegenseitig im Weg

Wenn jeder immer glänzen will, glänzt am Ende keiner. Bei zu viel Gerangel um die Vormachtstellung im Team könne am Ende keiner der Mitarbeiter sein volles Potenzial entfalten. So bleiben Talente ungenutzt.

Das hilft: Geben Sie jedem Mitarbeiter genügend Raum. Robson empfiehlt etwa, bei Meetings jedem Teammitglied eine feste Redezeit zuzuweisen. So machten Chefs ihren Mitarbeiter deutlich, dass sie ihre individuellen Talente schätzen.

Wie viele Überflieger ein Team vertragen kann, hängt laut Robson vor allem von den Führungsqualitäten des Chefs ab. Einige Studien legten nahe, dass ein Anteil von 50 bis 60 Prozent im Team ideal sei. Doch seiner Erfahrung nach könnten auch mehr Top-Leister gut zusammenarbeiten, wenn der Chef für eine klare Rollenverteilung sorge und so internen Machtkämpfen vorbeuge.

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