Fake Work Viel gearbeitet und nichts erreicht?

Was wie Arbeit aussieht, ist manchmal nur Fake Work - also eine Mogelpackung.

Was wie Arbeit aussieht, ist manchmal nur Fake Work - also eine Mogelpackung. © sör alex / photocase.de

Den ganzen Tag beschäftigt – und am Ende bleibt doch das Gefühl, nichts geschafft zu haben? Bestsellerautor Michael Hyatt kennt die Ursache dafür: „Fake Work“. Er weiß auch, wie man sie vermeidet.

Das Gefühl kennt vermutlich jeder: Man ist den ganzen Tag gerannt, war in Meetings, hat gemacht und getan, fällt am Abend fix und fertig ins Bett und fragt sich: Was habe ich heute eigentlich geschafft?

Ich denke das häufig. Ich leite bei impulse die Online-Redaktion. Als ich noch normale Redakteurin war, war ganz klar: Meine Aufgabe ist es, gute Texte zu liefern – und das habe ich getan. Seit ich aber ein Team führe, ist mein Aufgabenfeld viel diffuser. Ich behaupte, dass ich heute mehr und auch härter arbeite als früher. Und trotzdem fühle ich mich am Ende des Tages oft nicht nur ausgepowert, sondern auch ernüchtert, wenn ich meine Bilanz betrachte: Messbare Ergebnisse des letzten Arbeitstages? Null.

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Weil ich daran schon lange etwas ändern möchte, war ich wie elektrisiert, als ich letztens einen Podcast des amerikanischen Bestsellerautors Michael Hyatt und seiner Tochter Megan hörte. Das Thema: Fake Work – Scheinarbeit.

Was ist Fake Work?

Fake Work fühle sich laut Hyatt an wie echte Arbeit. Auch von außen sehe diese Scheinarbeit oft aus wie das Original. Doch es gibt einen entscheidenden Unterschied: Echte Arbeit bringt das Unternehmen voran. Wer echte Arbeit erledigt, macht in der Regel das, was seine Aufgabe ist: Ein Verkäufer verkauft. Ein Schreiner baut einen Tisch. Ein Softwareentwickler entwickelt Software.

Fake Work definiert Hyatt als das Gegenteil: Sie bringt das Unternehmen nicht voran. Zum Beispiel:

  • sinnlose Berichte
  • Meetings, in denen nichts entschieden wird
  • Organisationsbürokratie
  • überflüssige E-Mails

„Für das untrainierte Auge sieht das aus wie echte Produktivität“, sagt Hyatt. „Aber am Ende des Tages führt es zu nichts.“

Ich hörte den Podcast und dachte: Wow, der Mann hat mein Problem erkannt.

Ich starte jeden Tag mit den besten Absichten und schreibe mir auf, welche Aufgaben ich erledigen will. Doch dann kommt ein Anruf. Und dann noch einer. Und dann sind da noch die 30 neuen E-Mails. Um 10 Uhr ein Meeting. Um 12 Uhr das zweite.

Und wenn ich ehrlich bin: Manchmal bin ich froh darüber. Denn die Aufgaben, die ich mir am Morgen vorgenommen hatte, sind in der Regel deutlich anstrengender als ein paar Mails zu beantworten.

Über sieben Stunden Meetings – pro Woche!

Ich bin damit nicht allein. Es gibt zahlreiche Studien, die zeigen, wie viel sinnlose Arbeit wir jeden Tag erledigen:

  • 2017 befragten Wissenschaftler der Gesellschaft für Wissensmanagement Wissensarbeiter und Führungskräfte, wie viel Prozent der Arbeitszeit sie für Routinetätigkeiten verschwenden, die auch automatisiert oder von anderen übernommen werden könnten. Antwort: 36 Prozent.
  • In einer etwas älteren Untersuchung der AKAD University in Stuttgart gaben knapp 70 Prozent der befragten Führungskräfte an, sich mehr als eine Stunde am Tag mit E-Mails zu beschäftigen. Jeder sechste verbringt sogar mehr als vier Stunden täglich mit E-Mails.
  • Dieselbe Studie zeigt, dass die Befragten 19 Prozent ihrer Arbeitszeit in Meetings verbringen. Bei einer 40 Stundenwoche sind das 7:36 Stunden!

Die Frage ist: Was tun? Wie sorgt man dafür, dass man selbst weniger Scheinarbeit erledigt und auch andere im Team sich auf das Wesentliche konzentrieren?

Mir hat tatsächlich schon der Begriff „Fake Work“ geholfen. Seit ich den Podcast von Michael Hyatt gehört habe, überwache ich meine Arbeit strenger. Ich denke öfter nach: Zahlt das, was du gerade tust, auf deine Ziele ein oder ist es Fake Work?

Aber Hyatt hat noch andere Tipps und Erkenntnisse parat. Hier ein Auszug aus seinem Podcast:

1. Es gibt einen Unterschied zwischen „beschäftigt sein“ und „produktiv sein“

Man kann sehr beschäftigt sein, ohne produktiv zu sein. Man kann zum Beispiel den ganzen Tag in Meetings sitzen, die für die eigene Arbeit irrelevant sind. Dann ist man beschäftigt, aber nicht produktiv.

2. „Produktiv zu sein“ ist nicht gleichbedeutend mit „Dinge erledigen“

Man kann nämlich alle möglichen Dinge erledigen, die nicht auf das eigentliche Ziel einzahlen. Dann hat man viel geschafft, aber sein Ziel nicht erreicht. Wer produktiv ist, schafft dagegen Ergebnisse. Er erledigt also die RICHTIGEN Dinge.

3. Gleiche deine To-do-Liste mit deinen Zielen ab

Um Fake Work zu erkennen, muss man wissen, auf welches Ziel man hinarbeitet. Denn wer sich nicht klar sei, was er erreichen wolle, der drifte schnell in sinnlose Aufgaben ab, so Hyatt. Er empfiehlt, sich jeden Tag seine Ziele anzuschauen. Er nehme sich pro Jahr sieben bis zehn Ziele vor, pro Quartal also zwei bis drei. Diese Quartalsziele schaue er sich jeden Morgen an. Dann überlege er, ob seine To-do-Liste für den Tag in Einklang stehe mit diesen Zielen.

4. Wer Fake Work vermeiden will, muss delegieren können

Führungskräfte verlieren sich oft in Fake Work, weil sie nicht delegieren. Sie übernehmen operative Arbeit, die eigentlich Mitarbeiter übernehmen könnten – und haben dadurch keine Zeit mehr für ihren eigentlichen Job. Hyatt: „Wenn du merkst, dass du etwas tust, was auch leicht ein anderer tun könnte, dann erledigst du wahrscheinlich gerade Fake Work.“

5. Du bist kein Opfer

Wer einen großen Teil des Tages mit Fake Work verbringt, sieht sich leicht als Opfer. Man sagt sich: „Es gibt aber niemand anderen, der diese E-Mails beantworten kann.“ Oder: „Ja – das Meeting ist sinnlos. Aber wie sieht es denn aus, wenn ich nicht hingehe?“ Hyatt lässt das nicht gelten: „Du bist kein Opfer“, sagt er. Wer bemerke, dass er Fake Work erledige, brauche dies nicht zu akzeptieren – sogar dann nicht, wenn man angestellt arbeite. Um Fake Work zu entlarven, helfe es, durch seinen eigenen Kalender des vergangenen Monats zu blättern und zu schauen: Welche der Termine und Aufgaben haben eigentlich Ergebnisse geliefert, die das Unternehmen vorangebracht haben?

6. Chefs, die Fake Work erledigen, infizieren damit das ganze Unternehmen

Führungskräfte sind Vorbilder. Wenn sie zum Beispiel ständig zu spät kommen, ist es wahrscheinlich, dass ihre Mitarbeiter dies auch bald tun. So ist es auch bei Scheinarbeit: Chefs die zum Beispiel ziellose Meetings abhalten oder simple Routineaufgaben lieber selbst machen, anstatt sie zu delegieren, senden das Signal: Es ist völlig in Ordnung, sich mit sinnlosen Dingen zu beschäftigen. So kann sich Fake Work ungehindert im Unternehmen ausbreiten.

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1 Kommentar
  • Impuls 19. November 2018 15:19

    „simple Routineaufgaben“ versus „sinnlosen Dingen“. Mit sinnlosen Dingen sollte sich niemand beschäftigen. Wie war das mit New Work und dem delegieren nochmal? 🙂

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