Ohne Powerpoint präsentieren Abrechnung mit den Horror-Folien

Ist das langweilig! Präsentationen mit Powerpoint findet Rhetoriktrainer Matthias Pöhm zum Einschlafen. Sein Credo: Ohne Powerpoint entfalten Präsentationen mehr Wirkung.

Ist das langweilig! Präsentationen mit Powerpoint findet Rhetoriktrainer Matthias Pöhm zum Einschlafen. Sein Credo: Ohne Powerpoint entfalten Präsentationen mehr Wirkung.© Image Source / DigitalVision / Getty Images

Sie hassen Powerpoint-Präsentationen? Matthias Pöhm hasst sie mehr. Der Rhetorik-Coach (und Gründer der Anti-Powerpoint-Partei) erklärt, wie man ohne Folien-Marathon viel mehr Wirkung erzeugt.

Pro Jahr werden in Deutschland ca. 10,2 Millionen Präsentationen gehalten. Davon benutzen trotz massenweisen Jammerns 9,9 Millionen weiterhin tapfer Powerpoint. Führungskräfte, Professoren, Lehrer, Ingenieure, Forscher … einfach alle.

Wenn Sie von diesem Artikel Tipps erwarten, wie man Powerpoint richtig anwendet, dann sollten Sie sofort aufhören zu lesen.

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Hier geht es nicht um bessere Powerpoint-Folien, sondern darum, sie wegzulassen. Denn es gibt Alternativen, die um ein Vielfaches mehr Wirkung haben als das „betreute Lesen“ mit Powerpoint.

Die erste Alternative: Frei sprechen wie John F. Kennedy

John F. Kennedy hat bei keiner seiner Reden Powerpoint im Hintergrund gebraucht. Genau das können Sie auch.

Ich war einmal bei einer Präsentation dabei, da wurde eine Firma neu gegründet. Der Firmeninhaber selbst präsentierte. Diese Firma hatte als Logo einen Baum gewählt. Jetzt will ich Ihnen einmal vorführen, wie er diesen Baum hätte einführen können. Wohlgemerkt, so hat er das nicht gemacht, aber das wäre eine Möglichkeit gewesen:

Wir haben für unsere Firma als Logo den Baum gewählt.“  Der Redner klickt, eine Folie mit folgendem Bild erscheint.

 

Baum

 

Er sagt ins Publikum: “Dieser Baum steht für Festigkeit, dieser Baum steht für Dauerhaftigkeit, dieser Baum steht für Wachstum, dieser Baum steht für Stärke. Das sind genau die Attribute, die unsere Firma verkörpert.“

So hätte er es machen können … hat er aber nicht!

Denn er hat eine allgemein anerkannte Regel beachtet: die Regel, dass man Informationen besser behalten kann, wenn man sie statt nur mit dem Sinneskanal Ohr zusätzlich mit dem Sinneskanal Auge aufnimmt.

So sah seine Folie tatsächlich aus:

Er sagte: „Wir haben für unsere Firma als Logo den Baum gewählt“. Wie zuvor erschien der Baum. Dann machte er „Klick“ und folgende Folie erschien:

Jetzt wiederholte er noch einmal mit fester Stimme:

„Der Baum steht für Festigkeit, Dauerhaftigkeit, Wachstum, Stärke …“

Sie lesen das hier nur, Sie hätten das live hören müssen. Es war an Langeweile nicht mehr zu überbieten.

Die überprüfbare Wahrheit zu Textfolien heißt: Sie vernichten Ihre Aussage, wenn sie noch mal auf Folie steht.

Und das können Sie mit jeder Ihrer Folien in der Gegenüberstellung nachweisen. Einmal sprechen Sie den Text frei – ohne jegliche Folie. Und einmal sprechen Sie ihn, wenn er gleichzeitig im Hintergrund eingeblendet ist. Sie werden ohne Ausnahme erkennen, dass der FREI gesprochene Text eine wesentlich höhere Wirkung hat, als wenn der ganze Saal mitliest und Sie wiederholen, was jeder längst schon gelesen hat.

Die zweite Alternative: Am Flipchart  zeichnen

Stellen Sie sich folgendes Szenario vor: Ein Redner klickt, eine Folie erscheint.

Weil der Redner diese Folie als seinen Stichwortzettel einsetzt, wird er sich in seiner Sprechweise zwangsläufig an diese unverständliche Akademikerformulierung anpassen. Das lässt sich fast nicht vermeiden. Und falls er sich zwingt, es nicht zu machen, ist das Publikum trotzdem verstört, denn Gelesenes und Gesprochenes stimmen nicht überein.

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Nun tritt ein anderer Redner auf die Bühne, und der spricht ohne jegliche Unterstützung durch Folien.

„Nehmen wir an, eines Tages kommt Ihr Chef und legt Ihnen ein neues Projekt auf Ihren sowieso schon überfüllten Schreibtisch. Jetzt überlegen Sie sich: Geb‘ ich das meinem Mitarbeiter ab, oder mach‘ ich es selber? Jetzt gibt es drei Bremsklötze, die verhindern, dass Sie es abgeben.“

Jetzt zeichnet er Folgendes auf das Flipchart:

Er deutet mit der Hand auf die Zeichnung und sagt:

„Sie denken: Mein armer Mitarbeiter, der läuft jetzt schon im Hamsterrad. Wenn du dem noch was auf den Buckel lädst, der bricht dir zusammen. Das kannst du nicht tun. Und … Sie machen es selber.

Hier ist der nächste Bremsklotz.“

Jetzt zeichnet er Folgendes auf das Flipchart:

„Sie denken: In der Zeit, bis du dem das erklärt hast, was du wirklich willst, hast du es doch schnell selber gemacht. Und … Sie machen es selber.

Hier ist der dritte Bremsklotz. Das ist der Schlimmste.“

Jetzt zeichnet er Folgendes auf das Flipchart:

 

„Sie denken: Wenn ich das dem jetzt abgebe, dann denkt er eventuell schlecht über mich. Noch schlimmer: Vielleicht redet er sogar schlecht über mich. Und das will ich auf keinen Fall. Ich will nicht unbeliebt sein. Und … Sie machen es selber.“

Jetzt schauen Sie sich bitte noch einmal oben die Textfolie an… Kein Vergleich!

Hier ist die zweite Alternative zu Powerpoint:

Schreiben Sie, zeichnen Sie, skizzieren Sie auf das Flipchart. Das ist viel anschaulicher, interessanter und die Zuhörer behalten auch mehr.

Es ist auch nicht gut, vorzuzeichnen und dann umzublättern. Denn es ist nicht das fertige Bild, in dem die Wirkung liegt, sondern die Wirkung liegt im Akt des Erschaffens. Schon allein deswegen verliert Powerpoint fast immer in der Gegenüberstellung mit dem Flipchart. Weil dort nichts von einem Menschen aus Fleisch und Blut erschaffen wird.

Mit der Schwarzfolie Powerpoint in der Wirkung verdoppeln

Noch ein Tipp zum Schluss:

Wenn Sie trotzdem unbedingt bei Powerpoint bleiben wollen, dann schalten Sie als jede zweite Folie eine Schwarzfolie. Die Schwarzfolie blendet nicht etwa schwarzes Licht ein, sondern sie schaltet den Beamer aus. Damit steht nicht mehr die Folie als Dauerablenkung im Mittelpunkt, sondern wieder SIE als Redner.

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