Ziele fürs neue Jahr Mein Weg zur Erfolgsstrategie für 2020
  • INSIDER
Wo geht's lang? Unternehmer Andreas Nau nimmt sich Zeit, um einen klaren Weg für 2020 zu festzulegen.

Wo geht's lang? Unternehmer Andreas Nau nimmt sich Zeit, um einen klaren Weg für 2020 zu festzulegen.© Marie Maerz / photocase.de

Die ruhigen Tage nach Weihnachten sind für Unternehmer Andreas Nau die wichtigste Zeit des Jahres. Denn dann setzt er Ziele für 2020 – für seine Firma, aber auch für sich persönlich.

In den Tagen „zwischen den Jahren“ ist es in unserem Büro ruhig. Es sind lediglich wenige Mitarbeiter anwesend, die sich um die Post und das Telefon kümmern oder an der Hotline Probleme unserer Kunden lösen.

Auch ich befreie mich von der üblichen Routine eines Acht- bis Neun-Stunden-Tages, aber ich bin täglich im Büro. Dort hängt eine große Mindmap, auf der steht, was ich für 2019 geplant hatte, und ich führe eine Art Kalender, in den ich wichtige Termine und Ereignisse eintrage.

Anzeige

Rückblick auf Aha-Erlebnisse

Tatsächlich nehme ich mir diese beiden Tools jedes Quartal vor. Zum einen hilft es mir zu sehen, was bereits stattgefunden hat, was wir schon umgesetzt haben oder was wir noch nicht geschafft haben. Ich kann meinen Standpunkt und den unseres Unternehmens genau bestimmen.

Zum anderen erinnere ich mich wieder an viele Aha-Erlebnisse – wichtige Meilensteine, die im Alltag untergehen. Beispielsweise dachte ich Anfang Oktober: Das dritte Quartal war nicht so toll. Doch dann sehe ich, dass wir durch eine neue Software unser Controlling deutlich verbessert haben. Wir bekommen jetzt schneller aussagekräftigere Daten auf übersichtlichen Grafiken. Mit diesen Auswertungen können wir seitdem bessere Entscheidungen fällen.

Dass wir in dieser Zeit das Nachbargrundstück gekauft und mit der Bauplanung angefangen haben, war mir nicht mehr bewusst. Dass ich auf einer China-Reise führende IT-Firmen in Shenzhen und deren Arbeitsweise kennengelernt habe – auch untergegangen.

Mein Appell: Führen Sie Buch!

Wir mittelständischen Unternehmer erleben so viel, führen so viele Gespräche und treffen so viele Entscheidungen, dass wir unseren Wald vor lauter Bäumen nicht sehen. Deshalb mein dringender Appell an alle Unternehmer: Führen Sie Buch über Ihre Aha-Erlebnisse, über Erfolge und Fortschritte.

Und vor allem nehmen Sie sich regelmäßig Zeit, diese anzuschauen und diese Meilensteine des Unternehmens zu würdigen. Das ist gelebte Wertschätzung für Sie selbst und für Ihre Mitarbeiter. Ihre eigene Entwicklung und die Ihres Unternehmens drohen sonst im Alltag unterzugehen.

Ich plane kontinuierlich

Da ich kontinuierlich mit einer Mindmap plane, stehen schon einige Ziele für 2020 fest. Dazu habe ich über das Jahr auf meinem Board viel Material zu wichtigen Themen gesammelt, das ich mir in den ruhigen Tagen vornehme und das mir hilft, das Wichtige für das kommende Jahr und eventuell für die kommenden Jahre zu planen.

Durch die regelmäßige Übung kann ich inzwischen gut einschätzen, was für mich und das Unternehmen wirklich machbar ist, ohne zu euphorisch oder zu zurückhaltend zu sein.

Mir ist wichtig, dass es mir als Person gut geht

Ein wichtiges Ziel für das kommende Jahr ist der „Pyrenees Stage Run“ Anfang September: Sieben Tage, 240 Kilometer, 15.000 Höhenmeter und das zusammen mit meiner Frau.

Sie wundern sich? Wo ist da das unternehmerische Ziel? Freude und Emotion ist eines von sieben Themenfeldern, in denen ich mir Ziele setze. Denn mir ist wichtig, dass es mir als Person gut geht. Nur dann ist mein Kopf frei, um wichtige Entwicklungen zu erkennen, klare Entscheidungen zu treffen oder achtsam mit Mitarbeitern umzugehen.

Ich erzähle das auch, weil dieses Ziel praktische Konsequenzen hat. Denn meine Frau und ich müssen zusammen trainieren: Wir müssen am Albrand Berg- und Talläufe absolvieren – und das nicht erst im August.

Schritt für Schritt zum Umsatz

Was ich damit sagen will: Wenn Sie große Ziele haben, entwickeln Sie Teilschritte, die Sie nach und nach zu Ihrem Ziel führen. Eine Visualisierung, auf die Sie regelmäßig schauen, hilft, kontinuierlich an der Umsetzung dranzubleiben.

Dazu ein unternehmerisches Beispiel: Wir entwickeln eine Software, die auch von Unternehmen der Gesundheitsbranche genutzt wird. Schon seit Veröffentlichung des Pflegeberufereformgesetzes ist klar, dass etliche Veränderungen auf die Branche zukommen.

Im ersten Schritt haben wir mit Berufsverbänden und Fachanwälten gesprochen, wie das Gesetz in der Praxis wahrscheinlich interpretiert werden wird. Natürlich gibt es bei zwei Experten drei Meinungen. Aber Easysoft muss frühzeitig Entscheidungen treffen, da sich die Software nicht in Tagen umprogrammieren lässt.

Zweiter Schritt: Was bedeuten die Gesetzesinterpretationen für unsere Kunden, wie verändern sich deren Arbeitsabläufe, welche Informationen müssen sie künftig berücksichtigen? Daraus haben wir schließlich ein „Generalistik-Paket“ umgesetzt. Ein Prozess, der rund fünf Monate dauerte – und uns zum Ende dieses Jahres wichtigen Umsatz brachte.

Was tun, wenn Ziele kollidieren?

Zurück zum Pyrenäen-Lauf: Wir haben uns als Vorbereitung für drei kürzere Bergrennen angemeldet, denn unter derartigen Bedingungen holen wir uns die sogenannte Wettkampfhärte und Routine im Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen.

Sehr ärgerlich: Einer dieser Wettkämpfe kollidiert mit einer Unternehmerreise ins israelische Silicon Wadi, die ich gerne gemacht hätte. Priorität hat in diesem Fall für mich der Wettkampf – und die Reise ist bereits auf April 2021 datiert.

Ziele kollidieren – ich kann nicht alles im kommenden Jahr umsetzen. Eine intensive Beschäftigung mit möglichen Zielen bringt viel Realität in meine Planungen.

Wir drei Geschäftsführer stimmen uns ab

Für mich persönlich viel mehr Glück als Mühe: Mein Plan steht zwar am 6. Januar. Allerdings habe ich zwei Geschäftsführer-Kollegen, die genauso ticken wie ich und ihre Mindmap geplant haben. Wir müssen uns einigen. In groben Zügen haben wir uns allerdings bereits am 3. Dezember abgestimmt, denn am 17. Dezember steht ein Gesamtmeeting aller Mitarbeiter an, auf dem wir sie über die grundsätzlichen Ziele für 2020 informieren.

Mehr zum Thema Mindmap erstellen: So nutzen Sie Mindmapping, um Ideen zu ordnen

Für die Feinabstimmung ziehen wir drei Geschäftsführer uns dann Mitte Januar zu einer Klausurtagung zurück. Scheinbar gehen zwei weitere Tage für die operative Arbeit verloren. Wir wissen aber, welche Zugkraft das für alle Mitarbeiter entfaltet, wenn wir drei einen klaren Weg für 2020 entwickeln.

Denn danach gehen wir in Mitarbeitergespräche – unter anderem mit der Frage: Was kannst du in deinem Arbeitsbereich dazu beitragen, dass Easysoft seine Ziele erreicht? Die Antworten sind immer wieder überraschend, inspirierend und sensationell. Wenn wir drei Geschäftsführer uns nicht zurückziehen würden, um eine Strategie zu entwickeln, wäre Easysoft bei weitem nicht so erfolgreich. Ich schätze die ruhigen Tage, die nur äußerlich ruhig sind.

Der Newsletter für Unternehmer

Erfolgsrezepte für Mitarbeiterführung, Produktivität, Recht und Steuern, Kundengewinnung, Selbstmanagement und Motivation - montags bis freitags in Ihrem Postfach. Jetzt kostenlos anmelden! Unternehmer-Newsletter
Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Die Redaktion schaltet Kommentare montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr frei. Die Angabe von Name und E-Mail-Adresse ist freiwillig. IP-Adressen werden nicht gespeichert. Mit der Abgabe eines Kommentars stimmen Sie unseren Datenschutzbestimmungen zu.)