Auffallende Unternehmer Diese Unternehmer haben sich selbst zur Marke gemacht

  • Aus dem Magazin
Wenn das Aussehen zur Marke gehört: Auffallende Unternehmer wie die Unternehmensberaterin Carolin Stutzmann haben Wiedererkennungswert.

Wenn das Aussehen zur Marke gehört: Auffallende Unternehmer wie die Unternehmensberaterin Carolin Stutzmann haben Wiedererkennungswert.© Dominik Asbach

Nicht nur Schokotafeln, auch Menschen verkaufen sich über ihre Verpackung. Wir stellen fünf auffallende Unternehmer vor, die sich und ihr Äußeres zum Markenzeichen gemacht haben.

Wer den Begriff „Roter Irokesenschnitt“ in eine Suchmaschine eingibt, landet weder auf den Webseiten lokaler Friseursalons, noch bekommt er Tipps zur aktuellen Haarmode in der Punk-Szene. Die vorderen Einträge verweisen alle auf den Blogger und Autor Sascha Lobo. Seit 2006 trägt er die auffällige Frisur im Kontrast zu einem seriösen dunklen Anzug. Heute fällt in fast jedem Zeitungsartikel mindestens eine Anspielung auf seine Haare. In Talkrunden ist er ein gern gesehener Gast. Lobo hat mit seinem Äußeren einen Wiedererkennungswert geschaffen, der so groß ist, dass ihn sogar die Suchmaschine sofort erkennt. Sein Iro ist zum Markenzeichen geworden.

Wie bekomme ich ein Stück vom Aufmerksamkeitskuchen?

„In einer Welt, in der es von allem zu viel gibt und jeder auf den ersten Blick austauschbar ist, muss man sich von der Masse abheben, um ein Stück vom Aufmerksamkeitskuchen abzubekommen“, sagt Jon Christoph Berndt, selbstständiger Experte für Markenentwicklung in München. Nicht nur Produkte wie Schokolade, Turnschuhe oder ein Computer, auch Menschen können zu Marken werden. Unternehmer wiederum können mit ihrer Erscheinung beeinflussen, ob Kunden und Geschäftspartner eine Kaufentscheidung zu ihren Gunsten treffen. „Brille, Frisur, Schuhe – das Aussehen sendet wichtige nonverbale Signale“, erläutert Berndt. Wichtig sei aber, dass sich Inneres und Äußeres ergänzen. „Man sollte sich immer fragen: Wofür stehe ich? Was ist meine Haltung?“ Erst wenn der eigene Markenkern klar sei, könne man ihn nach außen kehren. „Das Outfit muss zur Botschaft passen“, sagt Experte Berndt. Wie fünf Unternehmer es geschafft haben, zur unverwechselbaren Marke zu werden.

Anzeige

Sarah Gwiszcz, Modedesignerin

„Als Paradiesvogel wird man von Geschäftspartnern manchmal unterschätzt. Gerade von Männern höre ich häufig: Ach, ich dachte, Sie wären Studentin. Nur weil ich bunt bin, kann ich doch trotzdem ein Unternehmen führen. Mein Äußeres hat aber auch viele Vorteile. Ich werde häufig wiedererkannt und bleibe den Menschen im Gedächtnis.“

Die Marke Wurlawy

Sarah Gwiszcz, 29, designt Mode, die von der traditionellen sorbischen Spreewaldtracht inspiriert ist. Im Lübbenauer Atelier ihres Labels „Wurlawy“ liegt ein Album mit Zeitungsausschnitten. Die Fotos zeigen Models in Trachten – Gwiszczs Entwürfe. Fast immer mit auf den Bildern: Gwiszcz selbst. Fotografen haben sie gern dabei, denn der Kontrast ist extrem: traditionelle Mode neben den bunten Dreadlocks der Designerin. Die Farbe der Zöpfe kann sie jeden Tag wechseln. Die Dreads werden einfach eingeflochten. Ihre echten Haare färbt Gwiszcz meistens bunt. Nur der Pony bleibt immer schwarz. Ihr Markenzeichen.

Das sagt Bürgermeister Helmut Wenzel

Mit ihrer Erscheinung fällt Frau Gwiszcz in unserer kleinen Stadt Lübbenau schon auf. Aber ich glaube, wer Erfolg haben will, muss provozieren. Gerade am Anfang bekommt man so viel Aufmerksamkeit. Unsere Gegend kommt manchmal etwas altbacken daher. Deswegen freue ich mich über ihre moderne Neuinterpretation unserer Trachten. Frau Gwiszcz ist für unsere Stadt Lübbenau und den ganzen Spreewald eine Werbeträgerin. Sie ist eine taffe Unternehmerin, die sich ihrer Marke sehr bewusst ist.

Carolin Stutzmann, Unternehmensberaterin

„Wann ich mein erstes Tattoo bekommen habe, darf ich eigentlich gar nicht sagen. Ich war noch minderjährig, gerade 13 Jahre alt. Aber immerhin hatte ich die Einwilligung meiner Mutter. Ich habe mir eine kleine Comicmaus auf das rechte Schulterblatt stechen lassen. Das war damals etwas ganz Besonderes, richtig Rock’n’Roll. So hat alles angefangen. Bei mir sind Inhalt und Fassade gleich. Meine Kunden sehen sofort, dass ich weiß, worum es geht.“

Die Marke Stutzmann

Zehn Jahre lang versteckte Carolin Stutzmann, 44, als Angestellte in einer Werbeagentur ihre Tattoos unter dem Kostüm. Doch irgendwann hatte sie das Kostümieren satt und wechselte zu einem großen Piercing-Versandhandel – ein Arbeitsplatz, an den ihr Äußeres besser passte. Sie stellte fest, dass es in der Tattooszene einen großen Bedarf an Beratung gibt. Viele Tätowierer sind zwar begnadete Künstler, scheitern aber an betriebswirtschaftlichen Kenntnissen. Diese Marktlücke will Stutzmann schließen. Seit Sommer 2017 ist sie selbstständig und berät Unternehmen aus der Tattoobranche.

Das sagt Experte John Christoph Berndt

„Carolin Stutzmann macht es richtig. Sie sagt: Ich bin tätowiert und habe Bock, Unternehmen zu beraten, also spezialisiere ich mich. Das ist viel klüger, als sich in die Soße mit all den anderen Unternehmensberatern zu begeben. Dann ruft vielleicht nicht der Allianz-Konzern an, aber genügend andere Kunden, die besser zu ihr passen. Die Menschen heuern selten jemanden wegen seiner Zertifikate an, sondern weil der Bauch findet, dass es gut passt. Ein Kauf ist eine emotionale und keine rationale Entscheidung.“

Jan-Henrik Scheper-Stuke, Krawattenhersteller

„Als Schüler war ich schon ein außergewöhnlicher Typ. Zwar noch nicht mit Fliege, dafür mit witziger Brille oder bunter Hose. Später trug ich auffällige Anzüge mit großen Karos. Damit habe ich viel Aufmerksamkeit bekommen, ich hatte sogar eine eigene Fernsehsendung. Heute bin ich etwas ruhiger, trage lieber gedecktere Farben. Auf Fotos wirke ich manchmal etwas blasiert. Aber Auerbach darf auch etwas blasiert rüberkommen. Wir wollen Deutschland den Stil zurückbringen.“

Die Marke Auerbach

Wer den Herrenausstatter Auerbach besucht, kauft nicht einfach eine Krawatte oder ein Einstecktuch, er kauft sich eine Zeitreise in das Berlin der 20er-Jahre. Egal, ob Spiegel in der Umkleidekabine, das rote Sofa oder die Wandlampe – jedes Möbelstück sieht aus, als würde es bereits seit hundert Jahren genau an diesem Ort stehen. Und auch Geschäftsführer Jan-Henrik Scheper-Stuke passt zum Interieur: Dreiteiler, Fliege, Einstecktuch, die blonden Haare perfekt nach hinten gegelt. An der Manschette sind kleine blaue Buchstaben eingestickt: seine Initialen JHSS. Scheper-Stuke ist gerade einmal 35 Jahre alt, Auerbach erst vor zwei Jahren frisch gegründet, trotzdem weht ein traditionsreiches Flair durch die kleine Krawattenmanufaktur.

Das sagt Mitarbeiterin Gabriele Drechsler

„Ich habe Herrn Scheper-Stuke zuerst in der Presse gesehen und fand, dass er ein spannender Typ ist. Dann bin ich einfach in der Manufaktur vorbeigegangen und habe ihn kennengelernt. Der erste Eindruck hat mich direkt überzeugt, und ich wollte unbedingt dort arbeiten. Ich selbst habe schon mit 18 Jahren eine Schleife um den Hals getragen. Es macht mir einfach Spaß, mich so zu kleiden und mich von der breiten Masse abzuheben. Wenn wir zu zweit unterwegs sind, bekommen wir viele Komplimente.“

Andy Richert, Wurstverkäufer

„Den Namen Bartwurst habe ich von meiner Ehefrau Anne bekommen. Ich habe lange darüber nachgedacht, wie mein Wurstfahrrad heißen soll und kam auf keine gute Idee. Irgendwann hatte sie genug von meinem erfolglosen Brainstorming und sagte zu mir: ‚Jetzt mach mal eine Pause, du Bartwurst!‘ Das fand ich einfach super.“

Die Marke Bartwurst

Seit zweieinhalb Jahren ist Andy Richert, 33, Bartträger. Seit Mai 2017 ist er zusätzlich Imbissunternehmer. Über eine Kleinanzeige im Internet kaufte sich Richert ein Grillfahrrad und baute es nach seinen Wünschen um. Außerdem ließ er sich von einem befreundeten Grafiker ein Logo entwerfen: ein Gesicht mit Würsten als Schnauzer. Damit wird auch dem letzten Kunden klar, dass Bratwürste bei Richert Bartwürste heißen. Rückendeckung gibt es aus der Bart-Community. So empfiehlt beispielsweise ein Onlineshop für Rasurpflegeprodukte allen Bartfans einen Besuch bei Andy Richert.

Das sagt Experte Jon Christoph Berndt

„Wer bei Andy Richert eine Bratwurst kauft, kauft nicht nur Wurst mit Soße, sondern auch ein Lebensgefühl, eine kurze Auszeit vom Alltag. Man bekommt einen Snack, aber vor allem das Erlebnis, einen netten Schnack mit einem coolen Typ zu halten. Was er allerdings nicht bedacht hat: Ein Lebensmittel sollte nicht unbedingt mit Körperbehaarung in Verbindung gebracht werden. Bartwurst – das ist zwar auf den ersten Blick witzig, kann auf den zweiten aber ein bisschen schräg und eklig sein. Das könnte auch schiefgehen.“

Gerald Hörhan, Investmentbanker

„2009 war ich auf einem PunkFestival in der Nähe von Rostock. Ich saß an meinem Laptop und verhandelte am Telefon mit einer Bank. Plötzlich wollte jemand wissen, was ich mache. Wir gingen eine Wette ein: Fünf Drinks für ihn, wenn er richtig rät, einen für mich, wenn er falsch liegt. Nachdem ich 30 Getränke gewonnen hatte, sagte ein Freund: Gerald ist kein Investmentbanker, sondern ein Investmentpunker. Mir gefiel das.“

Die Marke Hörhan

Lederjacke, Dr. Martens mit Union Jack und auf dem T-Shirt ein Spruch gegen das System – Gerald Hörhan, 41, kleidet sich wie Johnny Rotten, verdient sein Geld aber eher wie Warren Buffett. Aus dieser Mischung ergibt sich sein Künstlername: der Investmentpunk. Nach dem Studium in Harvard und Cambridge arbeitete Hörhan als Berater für McKinsey und Analyst bei JP Morgan. Heute ist er selbstständiger Investmentbanker und spricht vermögende Privatanleger an, denen Anzug und Krawatte zu dröge sind. Hörhan gibt gern den Rebellen und lässt sich mit erhobenem Mittelfinger ablichten. Auch bei Vorträgen provoziert er in Punkmanier und kritisiert die Finanzwelt als spießig.

Das sagt Experte Jon Christoph Berndt

„Gerald Hörhan ist im Grunde ein ganz normaler Investmentberater, und im deutschsprachigen Raum gibt es wahrscheinlich 70 Millionen Menschen, die sich für Investments interessieren. Er will aber nur eine ganz schmale Zielgruppe ansprechen, anstatt jedem zu gefallen. Er polarisiert und freut sich wahrscheinlich, wenn die große Öffentlichkeit sagt: Was ist das denn für ein Vogel? Denn nur, wer echte Ablehner auf der einen Seite hat, kann auch echte Fans auf der anderen Seite haben. Everybody’s darling is everybody’s Depp.“


Marketing, das wirklich funktioniert

Sie wollen, dass sich Kunden in Sie und Ihr Angebot verlieben? Dann abonnieren Sie unseren kostenlosen E-Mail-Kurs „Storytelling“: eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für Ihren Start ins Storytelling-Marketing. Jetzt anmelden!

Storytelling-Kurs 2

 

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)