Kreativ: Jürgen Krenzer

Übergeben wird die Karte nur von Krenzer persönlich und meist, so erzählt er, erntet er diesen Kommentar von den Empfängern: „Die schönen Dinge des Lebens sind nun mal rund.“ Manchmal werde er auch auf das Schaf-Foto angesprochen. Das gebe dann Anlass, Geschichten rund um das Tier und das Unternehmen zu erzählen. Eine Welt ohne Visitenkarten kann sich Krenzer nicht vorstellen: „Der Trend geht zu digital, logisch! Aber kein Trend ohne Gegentrend. Die Visitenkarte wird überleben, da bin ich mir sehr sicher!“
Klassisch: Marie-Christine Ostermann

Ihre Karte hat Ostermann dezent gestaltet: weißer Hintergrund, blaues Firmenlogo, schwarze Schrift für Name, Position, Firmenname und Kontaktdaten. Viel wichtiger jedoch als das Design der Karte sei die Person, die zur Visitenkarte gehört, ihre Ausstrahlung und Überzeugungskraft, findet Ostermann. Damit stimmt sie mit dem Knigge-Experten Jan Schaumann überein.
Hochwertig: Sven Franzen

Die Karte selbst übergebe er meist auf die chinesische Art – mit zwei Händen. „Ich starte immer mit der Farbe und erkläre den Tiger im Logo. Dann spricht meist mein Gegenüber und liest gleichzeitig die Story auf der Rückseite der Karte. Womit es einen Aufhänger für das weitere Gespräch gibt.“
Aber auch wenn die Karte für Franzen unverzichtbar ist, beobachtet er einen anderen Trend: „Immer häufiger ‚adden‘ mich neue Kontakte noch direkt auf der Veranstaltung auf Facebook, Xing und Linkedin.“ Das mache er mit seinen neuen Kontakten übrigens genauso – deren Visitenkarten werden zudem eingescannt oder abgeheftet. „So habe ich immer alle Kontakte im Blick.“

Digital: Béa Beste

Aber es sei gar nicht so einfach, eine Karte von ihr zu bekommen: „Erst sage ich, dass sie gar nicht nötig ist. Ich habe einen merkfähigen Namen und über Social Media findet man mich schnell. Die meisten geben sich damit zufrieden. Wenn sie dann darauf bestehen, bekommen sie von mir eine kleine Predigt, dass alles digital besser ist. Wollen sie dann noch immer unbeirrt eine Karte haben, bekommen sie auch eine – vorausgesetzt, ich finde sie in den Tiefen meiner Tasche.“ Nur auf Messen sei sie großzügiger: „Ich weiß aus alten Hostess-Zeiten, dass es Wettbewerbe unter den Sales-Leuten gibt, wer mehr Visitenkarten eingesammelt hat. Da will ich kein Spielverderber sein.“
Ganz anders sei es, wenn sie Visitenkarten bekomme: „Ich bitte meinen Gesprächspartner, sich die Karte kurz neben das Gesicht zu halten, und mache ein Foto, dann scanne ich sie mit dem Card Reader ein und gebe sie zurück.“ Proteste habe es dabei noch nie gegeben. „Die Leute finden das eher cool.“ Die Technik habe nur einen Nachteil: „Bei Konferenzen und Co. schaffe ich das zeitlich nicht. Dann bunkere ich. In der Visitenkarten-Friedhofs-Box liegen bestimmt gut 3000 Stück.“
Nachhaltig: Patrick Meinel

Wertschätzend: Soraya Kühne

Aber die Visitenkarte sei nicht nur wichtig für Außenwirkung und Networking, sondern auch für den Betrieb selbst. „Jeder Mitarbeiter sollte eine haben – das macht stolz, man zeigt sie gerne, zum Beispiel der Familie, und es drückt auch hier Wertschätzung aus“, findet Kühne. „Ich halte gar nichts davon, einem Mitarbeiter keine Karte zu machen, weil er ‚sie eigentlich ja nicht braucht‘, etwa weil er kaum Kontakt zu Partnern oder Auftraggebern hat. Eine kleine Auflage sollte immer drin sein.“
Das sagt der Knigge-Experte
Haben Visitenkarten in der digitalen Zeit ausgedient? Wann sind sie sinnvoll? Wie sollten sie übergeben werden? Und warum soll man sie nicht in die Hosentasche stecken? Tipps von Stiltrainer Jan Schaumann.





