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Ein Mitarbeiter kehrt aus einem dreiwöchigen Urlaub in Thailand zurück – und fällt erst mal in ein Motivationsloch.
Viele Chefinnen und Chefs dürften Ähnliches schon einmal in ihrem Team beobachtet haben – und vielleicht ging es ihnen sogar selbst schon einmal so: Man träumt sich zurück an den Urlaubsort, schwelgt in Erinnerungen, die Leidenschaft für den Beruf will sich nicht so recht wieder einstellen, man sehnt dem Feierabend entgegen.
Doch erschreckend häufig geht es bei Angestellten um mehr als um ein bisschen Ferien-Blues: Mehr als jeder Dritte dachte während oder nach seinem letzten Urlaub konkret über einen Jobwechsel nach. Wiederum die Hälfte davon informierte sich anschließend über andere Jobs, zehn Prozent wechselten tatsächlich den Arbeitgeber. Das ist das Ergebnis einer Umfrage, die das Institut Appinio im Auftrag der Jobseite Indeed Ende Juni 2026 unter 1000 Beschäftigten durchgeführt hat.
Dieses Phänomen hat auch einen Namen: Post-Holiday-Syndrom.
Alltag demotiviert nach dem Urlaub
Warum erleben so viele Arbeitnehmer das Post-Holiday-Syndrom? Freie Tage und Urlaubsreisen fernab vom Alltag zeigen ihnen attraktive Alternativen zum Job auf: Ohne Deadlines, nörgelnde Chefs und Kunden, lange Arbeitstage und Alltagsstress ist ihr Leben viel sorgenfreier. Zurück im Alltag, fragen sie sich, welcher Job sie mehr erfüllen könnte, oder wie sie es schaffen, weniger zu arbeiten.
Die gute Nachricht: Viele Angestellte klettern auch wieder aus ihrem Motivationsloch heraus. Chefinnen und Chefs können dazu beitragen, Angestellte aus dem Tief zu holen und so eine Kündigung zu verhindern – oder Frust nach dem Urlaub von vornherein zu vermeiden.
4 Tipps, was du gegen das Post-Holiday-Syndrom tun kannst
1. Vor dem Urlaub für eine gute Übergabe sorgen
Ein Nerv-Szenario: Ein Computerprogramm spinnt – aber nur die Kollegin, die gerade auf der Skipiste kurvt, kennt sich mit dem Programm aus und hat die notwendigen Zugangsdaten, um das Problem zu beheben. Eine Urlaubsübergabe mit den notwendigen Informationen? Fehlanzeige. Weil niemand weiterhelfen kann, hilft nur eins: Die Kollegin im Urlaub anrufen. Da ist Frust auf beiden Seiten programmiert.
Um solche Situationen zu verhindern, sollten Führungskräfte dafür sorgen, dass alle im Team eine gute Urlaubsübergabe machen. Damit das gelingt, können Vorgesetzte Regeln fürs Team festlegen.
Jeder sollte vor seiner Abwesenheit beispielsweise diese Fragen klären: Wer vertritt mich? Hat meine Vertretung alle Informationen und Zugänge, die er oder sie braucht? Habe ich eine Abwesenheitsnotiz eingerichtet? Habe ich alle im Team rechtzeitig über meine Reise informiert?
2. Während des Urlaubs in Ruhe lassen
Richtig abzuschalten und zu entspannen gelingt vielen Menschen erst nach ein paar Tagen Urlaub. Reißen Vorgesetzte ihre Teammitglieder – wie im obigen Szenario – mit einem Anruf gedanklich zurück in die Arbeitswelt, riskieren sie, dass sie frustriert aus dem Urlaub zurückkommen.
Das zeigte sich auch in der Umfrage: 64,8 Prozent derer, die während des Urlaubs arbeiten mussten, hinterfragen ihre berufliche Situation stärker als sonst. Bei denen, die während ihres Urlaubs nicht erreichbar sein müssen, liegt dieser Wert bei 27,6 Prozent, also weniger als halb so hoch.
Emine Yilmaz, Vice President beim Personaldienstleister Robert Half, rät Unternehmern deshalb, Mitarbeitende im Urlaub möglichst nicht zu kontaktieren. „Selbst wenn der Mitarbeiter anbietet, im Urlaub seine E-Mails zu lesen“, so die Personalexpertin.
Tatsächlich sind Mitarbeitende auch nicht dazu verpflichtet, Anrufe im Urlaub entgegenzunehmen oder E-Mails zu beantworten – Urlaub dient schließlich der Erholung.
3. Nach dem Urlaub willkommen heißen
Klingt banal, kann für Urlaubsrückkehrer aber wichtig sein: Chefinnen und Chefs sollten ihre Mitarbeitenden am ersten Arbeitstag persönlich begrüßen. Und ihnen zeigen, dass sie sich freuen, dass sie wieder da sind.
„Tun Sie das bei erster Gelegenheit und lassen Sie dabei die Arbeit außen vor – sonst bekommt die schöne Geste einen faden Beigeschmack“, rät Personalexpertin Yilmaz. Also nicht willkommen heißen unter dem Motto: „Ein Glück, dass Sie zurück sind, Herr Müller, es ist so viel liegen geblieben. Auf Sie wartet ein Berg Arbeit.“ Das dürfte den Urlaubs-Blues nur verstärken. Stattdessen sollten Unternehmerinnen und Unternehmer sich kurz nach dem Urlaub erkundigen. Häufig kehren Reisende mit vielen Geschichten im Gepäck zurück und brennen darauf, sie zu erzählen. Interessiert sich niemand dafür, kann das für Frust sorgen.
4. Nicht gleich überfordern
Ein volles E-Mail-Postfach, Nachrichten auf dem Anrufbeantworter und neue Entwicklungen in der Firma, die der Mitarbeiter verpasst hat – am ersten Tag nach dem Urlaub müssen Angestellte oft erst mal einige Stunden Liegengebliebenes beiseiteschaffen, bevor sie Luft für neue Aufgaben haben.
Führungskräfte sollten also nicht mit der Tür ins Haus fallen und Urlaubsrückkehrern an Tag eins Aufgaben mit dringenden Deadlines zuschieben. Denn wer ohnehin das Post-Holiday-Syndrom hat und über einen Jobwechsel nachdenkt, dürfte seine Pläne nach so einem Start noch konkreter machen.
Besser sei, dem Mitarbeitenden etwas Zeit zu geben, um wieder anzukommen. „Das wirkt garantiert motivierender, als die Person schon am ersten Tag mit zusätzlichen Projekten zu erschlagen“, sagt Yilmaz. Außerdem sollten Chefinnen und Chefs das Teammitglied bei Gelegenheit auf den neuesten Stand bringen oder diese Aufgabe an Kollegen delegieren.
