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Auch mitten in der Nacht dürfen seine Angestellten Axel Frey anrufen. Das sage er jedes Jahr seinen neuen Azubis, erzählt der CEO des Transport- und Logistikdienstleisters Seifert Logistics Group. Er möchte für sein Team allzeit erreichbar sein. Dass nachts wirklich jemand anruft, kommt allerdings äußerst selten vor. Und das ist vermutlich auch gut so: Das Unternehmen hat 3500 Mitarbeitende. „Würde wirklich jeder seine Fragen stellen, wäre ich wahrscheinlich tot“, sagt der 38-Jährige.
Man kann es verstehen, dass sich ein Azubi kaum traut, um vier Uhr morgens den Chef aus dem Bett zu klingeln. Doch Frey wollte einen Weg finden, Barrieren aufgrund seiner Position abzubauen und immer ansprechbar zu sein. Weil er glaubt, dass Mitarbeitende von seinem Wissen – aber auch dem vieler anderer im Betrieb – profitieren können.
Frey hat seinen KI-Klon mit unzähligen Dokumenten gefüttert
Um das zu schaffen, hat Frey sich geklont. Mithilfe der Firma Blockbrain hat er eine KI mit seinem Wissen gefüttert, ihr seine Persönlichkeit nahegebracht und zahlreiche Dokumente zur Verfügung gestellt. Inklusive 350.000 E-Mails, die er geschrieben hat. Das Ergebnis ist ein KI-Wissenszwilling des CEOs, den er auch Second Brain nennt. Der KI-Frey antwortet und diskutiert wie der echte Frey. Er weiß fast alles, was dieser weiß.
Es gibt nur einen Haken: Der ursprüngliche Plan, den Klon allen zugänglich zu machen, geht bislang nicht auf, weil ein entscheidendes Detail vergessen wurde. Dazu später mehr. Aktuell kann nur ein kleiner Führungskreis Freys digitalen Zwilling nutzen. Und natürlich Axel Frey selbst. Die KI spart ihm laut eigener Aussage 10 bis 15 Prozent Arbeitszeit.
Der Chef ist quasi das Versuchskaninchen des Unternehmens, er wollte das Konzept KI-Klon selbst testen. Und ist so begeistert, dass er viele weitere Wissenszwillinge im Betrieb schaffen möchte. Das Ziel: sich so einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.
„Das Geschäft, das wir machen, das ist keine Rocket Science“, erläutert Frey. „Wir fahren mit dem Lkw von A nach B, lagern Paletten ein, machen Montagearbeiten. Das ist ersetzbar. Wir können mit dem Lkw von München nach Berlin nicht schneller fahren als jemand anders.“ Mithilfe der KI aber, verspricht er sich, kann das Unternehmen einen Vorsprung gewinnen – nicht auf der Autobahn, sondern in Sachen Qualität und Effizienz.
Ein Jahr Arbeit, bis er den Wissenszwilling nutzen konnte
KI-gestützte Zwillinge werden zunehmend in der Industrie verwendet, sind aber auch in anderen Branchen und kleineren Unternehmen gefragt. Meist sind diese nicht Kopien einer Persönlichkeit, sondern von Wissen einer Abteilung oder von Objekten – etwa ein digitaler Klon eines Flugzeugtriebwerks, der vom Original ständig Daten empfängt und früh Probleme berechnen kann.
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