Freiwillige Arbeitslosenversicherung Wann sich eine Arbeitslosenversicherung für Selbstständige lohnt

Auf zum Amt? Für Selbstständige ist die Arbeitslosenversicherung freiwillig.

Auf zum Amt? Für Selbstständige ist die Arbeitslosenversicherung freiwillig.© hohl / iStock Unreleased / Getty Images

Auch Selbstständige können in die gesetzliche Arbeitslosenversicherung aufgenommen werden. Doch was kostet es? Und für wen lohnt es sich überhaupt? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Was bringt die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige? Und für wen lohnt sie sich überhaupt? Die wichtigsten Fakten im Überblick.

Wer kann als Selbstständiger eine freiwillige Arbeitslosenversicherung abschließen?

Voraussetzung ist, dass der Antragsteller innerhalb der letzten zwei Jahre (ab dem 1.1.2019: drei Jahre) vor der Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit mindestens zwölf Monate versicherungspflichtig beschäftigt war. Dabei muss es sich nicht um einen zusammenhängenden Zeitraum handeln. Einzelne Beschäftigungsabschnitte können zusammengerechnet werden. Freiwillig versichern können sich außerdem Selbstständige, die unmittelbar vor der Aufnahme ihrer Tätigkeit Arbeitslosengeld bekommen haben. Die Bezugsdauer spielt dabei keine Rolle.

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Wann muss der Antrag für die freiwillige Arbeitslosenversicherung gestellt werden?

Der Antrag muss spätestens drei Monate nach Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit bei der Arbeitsagentur des Wohnortes abgegeben werden. Mit dem Antrag müssen Selbstständige einen Nachweis über ihre Arbeit vorlegen, also zum Beispiel einen Gewerbeschein oder andere Belege, aus denen die Tätigkeit zweifelsfrei hervorgeht. Außerdem müssen Antragsteller nachweisen, dass die selbstständige Tätigkeit mindestens 15 Stunden in der Woche beträgt. Wer einen Antrag auf Existenzgründung stellt, braucht keine Nachweise einzureichen.

Wie hoch ist das Arbeitslosengeld für Selbstständige?

Die Höhe des Arbeitslosengeldes hängt unter anderem von der Ausbildung der Selbstständigen ab. Als Orientierungswert für die Höhe des Arbeitslosengeldes gilt nach Angaben der Arbeitsagentur für das Jahr 2018 (Steuerklasse III, ohne Kind):

  • ohne Ausbildung: 866,10 Euro
  • mit abgeschlossenem Ausbildungsberuf: 1.110,90
  • Meister/Fachschule: 1.324,20 Euro
  • mit Hoch-/Fachhochschulabschluss: 1.529,40 Euro

„Mit Kind und Steuerklasse III gibt es ungefähr noch 12 Prozent zusätzlich“, sagt Andreas Lutz, Vorstandsvorsitzender des Verbands der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD).

Wie hoch sind 2018 die Kosten für die Arbeitslosenversicherung im Monat?

Der Beitragssatz liegt bei 3 Prozent. Dieser wird aber nicht auf das tatsächliche Einkommen fällig, sondern auf das Durchschnittseinkommen in der gesetzlichen Rentenversicherung (Westdeutschland: 3045 Euro; Ostdeutschland: 2695 Euro). Selbstständige mit Wohnsitz in Westdeutschland müssen 2018 also pro Monat 91,35 Euro Euro bezahlen, in Ostdeutschland sind es 80,85 Euro. Gründer zahlen im Jahr der Gründung und im Folgejahr die Hälfte, also 45,68 Euro (West) und 40,43 Euro (Ost).

Selbständige, die ihre Tätigkeit zum Beispiel aus witterungsbedingten Gründen immer wieder beenden und nach der Unterbrechung die gleiche Tätigkeit wieder aufnehmen, zahlen allerdings den vollen Beitrag (falls bei ihnen die zweijährige Startphase abgelaufen ist).

Was müssen Selbstständige 2019 für die Arbeitslosenversicherung zahlen?

2019 sinken die Kosten, weil der Beitrag zur Arbeitslosenversicherung von 3,0 auf 2,5 Prozent fällt. Selbstständige zahlen dann pro Monat 77,88 Euro (West) bzw. 71,75 (Ost), Gründer 38,93 Euro (West) bzw. 35,87 Euro (Ost).

Muss man im Fall der Arbeitslosigkeit seine Selbständigkeit ganz aufgeben?

Nein, wer sich wegen einer Auftragsflaute arbeitslos meldet und Leistungen in Anspruch nimmt, muss nicht gleich sein Gewerbe abmelden oder seine Freiberuflichkeit für immer aufgeben. Selbstständige können sich nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit erwerbslos melden, wenn ihre wöchentliche Arbeitszeit weniger als 15 Stunden beträgt. Wer Arbeitslosengeld bezieht, kann währenddessen bis zu 165 Euro pro Monat hinzu verdienen. Gehen die Einnahmen über diesen Betrag hinaus, werden sie vom Arbeitslosengeld abgezogen.

Was müssen Selbstständige tun, die Arbeitslosengeld beziehen?

Bezieher von Arbeitslosengeld sind verpflichtet, aus eigener Aktivität heraus alles zu tun, um die Beschäftigungslosigkeit zu beenden. Und sie müssen jede zumutbare Beschäftigung annehmen, die ihnen die Arbeitsagentur vermittelt.

Wie lange besteht ein Anspruch auf Arbeitslosengeld?

Das hängt davon ab, wie lange der Selbstständige in den letzten zwei Jahren (ab 1.1.2019: drei Jahren) vor Beginn der Erwerbslosigkeit in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt hat. Wer mindestens zwölf Beitragsmonate nachweisen kann, hat sechs Monate Anspruch auf Unterstützung. Kann ein Betroffener 24 Beitragsmonate nachweisen, kann er zwölf Monate Arbeitslosengeld beziehen. Nach dem 50. Lebensjahr hat er – gestaffelt nach Alter und der Dauer des Versicherungsverhältnisses – bis zu 15, 18 oder 24 Monate Anspruch.

Wann können Selbstständige die freiwillige Arbeitslosenversicherung wieder kündigen?

Eine Kündigung der Arbeitslosenversicherung ist frühestens nach fünf Jahren möglich. Die Kündigungsfrist beträgt drei Monate zum Ende eines Kalendermonats und muss schriftlich eingereicht werden.

Das Versicherungsverhältnis endet laut Arbeitsagentur aber auch, wenn der Versicherte mit seiner Beitragszahlung länger als drei Monate in Verzug ist. „Wenn man nicht bezahlt, wird man rausgeworfen“, sagt Andreas Lutz. Eine Gesetzeslücke, die zuletzt einige Selbstständige genutzt hätten, die weniger als fünf Jahre versichert waren und deshalb nicht regulär kündigen konnten.

Ist die Arbeitslosenversicherung für Selbstständige überhaupt sinnvoll?

Bis Ende 2010 brauchten Selbstständigen pro Monat lediglich 17,89 Euro (Westdeutschland) beziehungsweise 15,19 Euro (Osten) zu zahlen. 2011 und 2012 haben sich die Beiträge jeweils verdoppelt. Seither kehren Selbstständige der Versicherung massenhaft den Rücken.

„Der hohe Beitrag steht in keinem so günstigen Verhältnis mehr zum Nutzen“, sagt Andreas Lutz. Der erworbene Anspruch auf Arbeitslosengeld liege bei vielen Selbstständigen nur geringfügig über dem, was sie auch an Arbeitslosengeld II erhalten würden. Das gelte vor allem für Gründer, die über keinen einen Hochschul- oder Fachhochschulabschluss verfügen und bei gleichem Beitragssatz weniger Arbeitslosengeld erhalten.

Für Leute, die frisch gründen und noch nicht absehen können, wie sich das Geschäft entwickelt, könne die Versicherung dennoch sinnvoll sein. „Wenn man sich etabliert hat, sollte man aber überprüfen, ob die Versicherung dann noch in einem vernünftigen Verhältnis zum Nutzen steht“, sagt Lutz. „Selbstständige sollten abwägen, ob das Risiko einer Arbeitslosigkeit den Beitrag rechtfertigt. Und sich informieren, wie viel Arbeitslosengeld sie im Leistungsfall überhaupt erhalten würden!“

Wo gibt es noch mehr Informationen?

Einen Überblick über die freiwillige Arbeitslosenversicherung für Selbstständige gibt es auf dem Existenzgründerportal des Bundeswirtschaftsministeriums. Ausführliche Informationen gibt es bei der Bundesagentur für Arbeit.

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4 Kommentare
  • Berne Wagner 31. März 2018 06:08

    habe mich selbstständig gemacht und wollte mich arbeitslos melden. das ging nicht wie gesagt die oben genannte Klausel mit der vorherigen arbeitslosenzeit.
    nun lese ich aber das wenn man davor arbeitslos war das man sich versichern kann.
    das sozialgericht bayreuth hat dagegen gesprochen.
    können sie mir einen rat geben

    mfg
    bernd wagner

  • Martin Gassner 28. November 2017 17:41

    Lassen sich die Beiträge zur freiwilligen Versicherung den steuermindernd vom Gewinn eines Freiberuflers abziehen?

  • Cinzia Mareis 9. November 2017 09:36

    Sehr geehrte Damen und Herren,
    ich fand diesen Artikel von Frau Verena Bast hochinteressant. Daher habe ich mein Mann empfohlen, sich sofort am Anfang seiner selbständige Tätigkeit ab dem 1.August 2016 für die Arbeitslosen-Versicherung für Selbständige anzumelden.
    Er ist Technischer Redakteur (Dipl.-Ing. FH) und war lange Zeit als Chefredakteur für eine Zeitung tätig. Er hätte sogar noch 12 Monate Recht auf Arbeitslosengeld von seiner Zeit als Angestellter.
    Doch das Arbeitsamt hat ihm jetzt telefonisch mitgeteilt, dass im Falle einer Anmeldung als Arbeitsloser muss er erst zum Finanzamt gehen und die Firma stillegen.
    Das will er auf gar keinen Fall. Können Sie mir vielleicht sagen unter welche „Artikel“ vom ALG-Gesetz die „ALG-Unterstützung bei Vertrags-Flaute von Selbständigen“ zu finden ist?
    Leider kennen die Angestellten des Arbeitsamtes die eigene Gesetzte nicht!
    Für Ihre fachliche Hilfe diesbezüglich wäre ich äußerst dankbar, es geht um unsere Existenz!
    Mit freundlichen Grüßen
    Cinzia Mareis

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