Wenn ein Mitarbeiter trauert Wie Sie reagieren, wenn Kollegen ein Schicksalsschlag trifft

Fehlt Ihnen der Durchblick, wie Sie mit einem Mitarbeiter, der trauert, umgehen sollen? Damit sind Sie nicht allein - denn der Tod ist ein Tabuthema.

Fehlt Ihnen der Durchblick, wie Sie mit einem Mitarbeiter, der trauert, umgehen sollen? Damit sind Sie nicht allein - denn der Tod ist ein Tabuthema.© Francesca Schellhaas / Photocase

Der Tod gehört zum Leben. Doch wenn ein Mitarbeiter trauert, wissen wir gerade bei der Arbeit oft nicht, wie wir damit umgehen sollen. Einige Empfehlungen.

Es gibt Situationen, auf die wird man in keinem Führungsseminar vorbereitet. Wenn eine Mitarbeiterin ihren Mann verliert, wenn Mutter oder Vater sterben oder sogar ein Kind, dann ist das für alle eine Herausforderung: für den Trauernden selbst natürlich, für die Kollegen, für den Chef.

Wie fängt man den Mitarbeiter möglichst gut auf? Sollte man auf ihn zugehen? Will der überhaupt darüber reden? Wäre es vielleicht doch am besten, einfach weiterzumachen wie zuvor?

Anzeige

Ein Patentrezept, wie man mit Trauernden umgeht, gibt es leider nicht. Mancher verliert unerwartet seinen Partner und schafft es, die Trauer gut zu verarbeiten. Andere stürzen durch den Tod ihres Hundes in eine Lebenskrise. „Jeder Trauerfall ist individuell“, sagt Barbara Koch, Personalchefin der Handwerkskammer Koblenz. Koch und ihre Kollegen haben ein Notfalltelefon eingerichtet: Trauernde selbst können dort anrufen, aber auch deren Kollegen oder Vorgesetzte finden Rat, wenn sie unsicher sind, wie sie klug reagieren können. Koch berät am Telefon und vermittelt Kontakte zu Psychologen, Ärzten und Trauerbegleitern – diese können dann vor Ort helfen.

Koch sagt: Es gibt zwar keinen Leitfaden, wie man mit Trauernden am besten umgeht. Aber es gibt Erfahrungswerte, was man sinnvollerweise tun kann – und was man besser vermeidet.

Erster Kontakt zum Trauernden

Sobald Sie vom Trauerfall erfahren, drücken Sie Ihre Anteilnahme aus. Das Mindestmaß, so Barbara Koch, ist ein Kondolenzschreiben. „Das darf dann nicht nullachtfünfzehn sein“, sagt Koch. „Es sollte auch drinstehen: ‚Kommen Sie gerne auf uns zu. Wir unterstützen Sie.‘ Und dann kommt der Mitarbeiter in der Regel auch.“

Wenn Sie ein besonders gutes und vertrautes Verhältnis zum Mitarbeiter haben, können Sie ihn auch besuchen. Stehen nicht Sie, sondern ein anderer Angestellter dem Kollegen besonders nahe, können Sie diesen fragen, ob er bei seinem Kollegen vorbeigehen möchte.

Das richtige Maß an Fürsorge finden

Kommt der Mitarbeiter wieder zur Arbeit, sollten Sie nicht jeden Tag nachfragen, wie es ihm geht, sagt Mirriam Prieß. Die Ärztin und Psychotherapeutin hilft Führungskräften, klug damit umzugehen, wenn Mitarbeiter in Krisensituationen geraten. Die Frage: „Wie geht es Dir?“ ist ohnehin fehl am Platz. Denn wie soll es einem schon gehen, wenn man gerade einen geliebten Menschen verloren hat? Besser ist es zu fragen: „Wie geht es Dir heute?“ – denn so zeigt man, dass man verstanden hat, dass sich der Trauernde gerade von Tag zu Tag hangelt.

Genauso wenig sollten Sie den Betroffenen dazu drängen, detailliert zu berichten, warum oder wie der Angehörige gestorben ist. Wenn der Mitarbeiter aber von sich aus erzählt, dann hören Sie zu.

Was das richtige Maß an Fürsorge ist, hängt ganz vom Mitarbeiter ab: Während sich manche direkt in die Arbeit stürzen, brauchen andere Raum, um sich zurückzuziehen, und möchten erst einmal nicht mit Arbeit überschüttet werden. Prieß rät: „Wenn der Trauernde Ihnen Grenzen aufzeigt, halten Sie diese ein.“ Sagt er ihnen beispielsweise, er möchte nicht auf den Verlust angesprochen werden, sollten Sie das akzeptieren.

Nicht weitermachen wie immer

Was nicht geht: den Trauerfall komplett ignorieren. „Wenn der Trauernde wieder zur Arbeit kommt,  auf keinen Fall business as usual machen“, sagt Barbara Koch. Sprechen Sie Ihr Beileid aus und fragen Sie, wie Sie helfen können.

Welche Hilfe können Sie als Chef anbieten? Sie können den Mitarbeiter beispielsweise ein paar Tage lang von der Arbeit freistellen – oder ihm vorübergehend flexiblere Arbeitszeiten anbieten, sagt Koch. Denn je nachdem, wer gestorben ist, muss Ihr Mitarbeiter jetzt viel organisieren: Angehörige und Versicherungen über den Tod benachrichtigen, die Beerdigung organisieren, eine Wohnung auflösen, sich um Kinder kümmern. Schon mit kleinen Angeboten können Sie dem Mitarbeiter zeigen, dass Sie ihn wertschätzen und verstehen, worum sich sein Leben gerade dreht.

Was Sie NICHT sagen sollten

Auch wenn es kein Patentrezept gibt, wie man mit Trauernden umgeht, so gibt es doch Sätze, die man sich verkneifen sollte.

  • Sparen Sie sich Kommentare wie „Das Leben geht weiter“ oder „Du wirst schon darüber hinwegkommen“. Das wissen Sie nicht!
  • Versuchen Sie auch nicht, den Trauernden mit Erzählungen aus Ihrem eigenen Leben abzulenken. Das wird nicht funktionieren.
  • Versuchen Sie nicht, etwas positiv zu sehen, was nicht positiv ist, etwa durch Sätze wie: „Es war Gottes Wille.“ Oder: „Ihrem Vater geht es jetzt besser, nun hat er keine Schmerzen mehr.“ Oder: „Ihr Mutter hatte doch kein Leben mehr, jetzt ist sie erlöst.“ Mit solchen Sätzen sprechen Sie Ihrem Gegenüber das Recht ab zu trauern.

Trauer braucht Zeit

Wer jemanden verloren hat, ist möglicherweise beim Arbeiten zunächst nicht ganz bei der Sache: Er macht Fehler, fängt unter Druck oder bei Kritik an zu weinen oder ist ständig krank. Manche fangen sich schnell wieder, andere können auch Wochen oder Monate später noch nicht ihre normale Leistung abrufen. „Trauer braucht Zeit“, sagt Barbara Koch. Sie sollten nicht erwarten, dass Trauernde nach ein paar Wochen wieder genauso ticken wie vorher.

Damit die Probleme des Mitarbeiters den Betrieb nicht belasten, sollten Chefs das Gespräch suchen. Mirriam Prieß rät: „Gehen Sie in den Dialog. Sprechen Sie das Problem offen unter vier Augen an und äußern Sie Ihre Sorge um Ihren Mitarbeiter. Sie sollten fragen, was Sie tun können.“ Belassen Sie es nicht bei einem Gespräch, sondern sprechen Sie Ihren Mitarbeiter nach einigen Wochen noch einmal an – und reden Sie darüber, ob sich etwas geändert hat. Es ist wichtig, im Dialog zu bleiben.

Doch bei manchen Trauernden dauert es Jahre, bis sie mit ihrer Trauer besser umgehen können. Verkneifen Sie sich Kommentare wie „Jetzt muss es doch langsam mal wieder gut sein“ – auch wenn Sie das denken. Trauer ist für jeden anders, Druck wird gegen Trauer nicht helfen. Wenn sich ein Mitarbeiter nicht selbst aus der Krise befreien kann, braucht er womöglich professionelle Hilfe. „Als Chef kann man dann durchaus vorschlagen, dass sich der Mitarbeiter Hilfe sucht – also zum Arzt geht oder zum Therapeuten“, sagt Prieß.

Trauer akzeptieren

Es klingt selbstverständlich, auf einen trauernden Mitarbeiter Rücksicht zu nehmen und zu akzeptieren, dass er sich nicht immer zusammenreißen kann. Doch Barbara Koch weiß, wie wenig Empathie manche Trauernde erfahren: Lara Peters* hatte das Notfalltelefon der Handwerkskammer angerufen, als es für eine Beratung schon zu spät war; sie hatte ihren Job bereits gekündigt, weil ihre Kollegen und Vorgesetzten ihre Trauer um ihren Vater nicht ernst genommen hatten.

+++ Mehr von impulse regelmäßig ins Postfach? Hier für den Unternehmer-Newsletter anmelden +++

Im Büro wurde ihr zunächst vorgeworfen, sie habe sich einen schlechten Zeitpunkt zum Trauern „ausgesucht“. Als sie zur Trauerbewältigung zur Kur fuhr, bezeichneten Kollegen das als Urlaub. Zurück im Büro konnte sie diese Behandlung nicht mehr ertragen – und kündigte.

Das Team vorbereiten

Wenn Sie vom Trauerfall erfahren, sprechen Sie mit Ihrem Team – denn Ihre Angestellten haben im Arbeitsalltag möglicherweise mehr mit dem Trauernden zu tun als Sie selbst und sind unsicher, wie sie mit der Situation umgehen sollen.

Für das Team gilt das Gleiche wie für Sie: Sagen Sie Ihren Mitarbeitern, dass sie ihr Beileid aussprechen sollten und den Todesfall nicht ignorieren dürfen. Außerdem können Sie Ihrem Team empfehlen, den Kollegen zu fragen, wie sie ihn entlasten können. „Wichtig ist, dass der Betroffene nicht plötzlich gemieden wird“, sagt Prieß.

Welche gesetzlichen Regelungen für Sonderurlaub gelten im Trauerfall?

Stirbt ein naher Verwandter, hat ein Arbeitnehmer grundsätzlich ein Recht auf Sonderurlaub: Laut Paragraf 616 BGB wird er „für eine verhältnismäßig nicht erhebliche Zeit durch einen in seiner Person liegenden Grund ohne sein Verschulden an der Dienstleistung verhindert“. Sonderurlaub wird bezahlt und darf dem Angestellten nicht vom Jahresurlaub abgezogen werden.

Wie lange Angestellte im Trauerfall von der Arbeit freigestellt werden, hängt vom Verwandtschaftsgrad ab: Sterben Ehepartnern oder Kinder, sind drei bis vier Tage üblich; beim Tod eines Elternteils werden im Regelfall ein bis zwei Tage Sonderurlaub gewährt. Dasselbe gilt, wenn Angestellte Geschwister, den Lebenspartner oder Enkelkinder verlieren. In Arbeitsverträgen und Tarifverträgen können ergänzende Regelungen zum Sonderurlaub stehen.

Natürlich können Sie Ihre Mitarbeiter in Trauerfällen auch länger von der Arbeit freistellen – und auch Sonderurlaub gewähren, wenn Freunde, Cousins, Tante oder Onkel sterben (ein Anspruch laut Paragraf 616 BGB entsteht in diesen Fällen nicht).

Hier finden Sie Unterstützung

  • Sollten Sie bei einem Trauerfall Beratung oder Hilfe benötigen, können Sie das Notfalltelefon der Handwerkskammer Koblenz nutzen – auch, wenn Sie nicht selbst von einem Verlust betroffen sind: 0261 398 141
  • Die Handwerkskammer Koblenz hat zusammen mit der Universität Koblenz-Landau eine Handlungshilfe mit Tipps zum Umgang mit Trauernden zusammengestellt.
  • Möchten Sie die Hilfe von professionellen Trauerbegleitern in Anspruch nehmen, finden Sie Kontaktdaten beim Bundesverband der Trauerbegleitung. Ehrenamtliche Trauerbegleiter finden Sie in Kirchen oder bei Wohlfahrtsverbänden wie den Maltesern oder Johannitern.
  • Der Bundesverband der Trauerbegleitung hat eine Literaturliste zu Trauer und konkreten Trauersituationen zusammengestellt – die Bücher informieren zum Beispiel über Trauerphasen, Selbstmord eines Familienangehörigen oder den Verlust eines Kindes.
  • Wenn Sie Ihre Sorgen telefonisch äußern möchten, können Sie das anonym bei der Telefonseelsorge tun. Hier erreichen Sie rund um die Uhr ausgebildete Telefonseelsorger: 0800/111 0 111 · 0800/111 0 222

*Name von der Redaktion geändert.

Unterm Strich: Wie Sie auf einen trauernden Mitarbeiter umgehen, hängt ganz von Ihrem persönlichen Verhältnis ab. In jedem Fall sollten Sie eine Kondolenzkarte schreiben. Gewähren Sie für die Beerdigung Sonderurlaub – gegebenenfalls auch für einen längeren Zeitraum. Angebote wie flexiblere Arbeitszeiten können dem Trauernden helfen. Beachten Sie bei aller Fürsorge aber auch, dass Sie Ihren Mitarbeiter nicht zu sehr bedrängen.

Hinterlassen Sie einen Kommentar

(Kommentare werden von der Redaktion montags bis freitags von 10 bis 18 Uhr freigeschaltet)

Bitte beantworten Sie die Sicherheitsabfrage (Anti-Spam-Schutz): * Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.