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Programmierer finden Was Programmierer kosten – und wo man kompetente findet

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Programmierer engagieren

Schon das passende Profil entdeckt? Gute Programmierer finden sich oft in ihrem natürlichen Habitat: online.© Marie Maerz / photocase.de

Sie haben jede Menge Ideen für digitale Projekte, aber keine fähigen Leute, die sie umsetzen? So finden Sie auch als Mittelständler kompetente Programmierer.

Sie als Chef wissen gar nicht, wo sie anfangen sollen: Die Firmen-Website von 2012 soll komplett neu aufgebaut werden, die Kundendatenbank ist nicht flexibel genug und dann haben Sie da noch eine tolle Idee für einen Onlineshop. Klar ist: Das Unternehmen braucht einen Entwickler – ob nun fest angestellt oder auf Honorarbasis. Diese sechs Fragen helfen selbst IT-Laien dabei, einen kompetenten Programmierer ins Team zu holen.

1. Was muss ich beachten, damit der Programmierer zu meiner Firma passt?

Web-Entwickler, Datenbankspezialist oder Mobil-Programmierer: Genau wie man mit einem gebrochenen Arm nicht zum Augenarzt gehen sollte, gilt es auch beim Programmierer darauf zu achten: Bringt er die richtigen Fähigkeiten mit, die meine Firma benötigt?

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Hat man sich klargemacht, welches Know-how der Programmierer mitbringen soll, stellt sich die Frage: Soll ich mir einen Freiberufler suchen oder einen festen Mitarbeiter? Wer etwa nur seine Website neu gestalten will, der braucht in der Regel keinen fest angestellten Entwickler. „Solche einmaligen Aufgaben kann ein Freelancer übernehmen“, sagt Digitalexperte Thorben Fasching, Vizepräsident des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVWD). Die meisten Entwickler (gut zwei Drittel) arbeiten laut einer globalen Umfrage der Internetplattform Stack Overflow in 2018 allerdings fest angestellt.

Oft brauchen Betriebe nämlich doch permanent Unterstützung im Betrieb durch einen Entwickler: „Wer mindestens zehn bis 20 Prozent seines Umsatzes über den Digitalauftritt generiert, sollte einen Entwickler fest anstellen“, stellte Thorben Fasching fest, nachdem er mit Firmen zusammengearbeitet hat, die verstärkt auf Digitalprodukte setzen. „Denn geht ein Freelancer, geht auch sein digitales Know-how.“

2. Was kostet ein kompetenter Entwickler?

Wer etwa einen Programmierer für seine Website sucht, zahlt laut der Gehälter-Website Glassdoor für einen Frontend-Entwickler in Festanstellung bis zu 52.000 Euro pro Jahr (unter Senior-Level). Bei Freelancern mit gleicher Ausrichtung „kann man mit einem Stundensatz von 80 bis 100 Euro rechnen“, erklärt Fasching.

Laut einer Untersuchung von honeypot.io, einer Jobbörse für Softwareentwickler, liegt der Landesdurchschnitt bei erfahrenen Softwareentwicklern (mehr als acht Jahre Berufserfahrung) bei 63.200 Euro im Jahr. Bei Berufseinsteigern sind es 44.700 Euro Jahresgehalt.

3. Wo sollte ich suchen?

Die wenigsten Entwickler sind aktiv auf Jobsuche. Auf dem Arbeitsmarkt sind sie heiß begehrt und können sich den Arbeitgeber meistens aussuchen. Über bekannte Jobportale wie Xing und LinkedIn bekommt man sie allerdings schwer zu fassen, so das Ergebnis der Stack-Overflow-Umfrage. Henrik Zaborowski, Recruiting-Spezialist im Bereich IT, schließt sich dem an: „Viele schreiben in ihren Online-Profilen auf Entwickler-Plattformen extra, dass sie keinen Job suchen, weil sie so genervt sind von den ganzen Anfragen.“

Wie kommt man trotzdem an einen guten Programmierer? „Personalberater und -vermittler helfen weiter. Es gibt auch diverse Websiten wie Talentwunder  und Hello Talent, die Zugang zu Entwicklern versprechen“, meint Zaborowski. Er empfiehlt außerdem, die eigenen Mitarbeiter in die Suche einzubeziehen. Vielleicht kennen Ihre Angestellten befreundete Entwickler oder sind gut in deren Communitys vernetzt?

4. Wie klappt die Kontaktaufnahme?

Auf Stack Overflow und GitHub, beides Entwickler-Communitys, können Sie unaufdringlich netzwerken. „Ist jemand auf Stack Overflow sehr aktiv und hilft anderen Nutzern beim Lösen von Problemen, ist das ein Hinweis auf sein Können“, sagt Fasching. Ob ein Nutzer aus Ihrer Gegend stammt, können Sie prüfen, indem Sie in seinem Profil nachschauen.

Zum direkten Recruiting eignen sich das IT-Jobportal 4Scotty oder Get-In-It. Zaborowski empfiehlt: Beschreiben Sie in Jobanzeigen das Arbeitsumfeld so konkret wie möglich. Wie sehen die Büroräume der Firma aus? Welche Kollegen arbeiten dort? Was ist die Geschichte und die Vision des Unternehmens?  „Wann nach dem Lesen einer Stellenausschreibung zu viele Fragen offenbleiben, ist die Chance gering, dass sich ein Entwickler tatsächlich bewirbt.“

Der Bewerbungsprozess sollte für den Entwickler möglichst niedrigschwellig sein. „Wir haben zusammen mit einer Stellenausschreibung mal einen Rückrufservice geschaltet. Die Bewerber mussten zunächst keine Bewerbungsunterlagen einreichen, sondern nur angeben: Ich bin interessiert. Wir riefen sie daraufhin an. Das kam extrem gut an“, erzählt Zaborowski. Was können Unternehmer daraus mitnehmen? Um zu vermeiden, dass Bewerber abspringen: „Rufen Sie einen Entwickler direkt an, wenn er sich auf eine Stellenanzeige hin meldet, oder schicken Sie eine Mail, um einen Vorstellungstermin zu vereinbaren.“

5. Welche Fragen stelle ich im Vorstellungsgespräch?

Die Umfrage von Stack Overflow zeigt: Es gibt kaum Entwickler mit langjähriger Berufserfahrung. Wichtiger als der Lebenslauf sollte ohnehin die Qualität des Codings sein: „Stellen Sie fachliche Fragen“, rät Zaborowski. Falls Sie IT-affine Mitarbeiter haben, nehmen Sie diese mit ins Gespräch. Diese können bei Detailfragen helfen, bei denen sonst das Know-how fehlt. Und der Bewerber gewinnt auch gleich einen Eindruck von seinen neuen Kollegen.

Stecken Sie gemeinsam Rahmenbedingungen für das Arbeitsumfeld

„Braucht ein Entwickler die lange Leine oder täglichen Austausch? Solche Fragen sollte man möglichst früh durchgehen“, meint der Recruiting-Spezialist. Klären Sie unbedingt die Vorstellungen vom Arbeitsplatz: Welchen Computer und welches Betriebssystem benötigt der Entwickler? Inwieweit möchte er in das restliche Team involviert sein, möchte er zum Beispiel in einem Großraumbüro oder lieber im Homeoffice arbeiten?

Stellen Sie auch Fragen nach seinen privaten Ambitionen

„Wie bilden Sie sich privat fort?“, „Belegen Sie Online-Kurse oder besuchen gerne Hackatons?“ – solche Fragen helfen, einen IT-Experten besser einzuschätzen. Und stellen Sie Bezug zu Ihrem Unternehmen her: Welche Weiterbildungschancen erhofft sich der Bewerber in der Firma?

Klopfen Sie Führungskompetenzen ab

Wer einen Ausbau seiner Digitalabteilung plant, sollte auch nach Führungskompetenzen fragen, rät Fasching: Hat der Bewerber schon Entwicklungsarbeit im Team geleistet? Fühlt sich der Kandidat befähigt, selbst ein Team zu leiten oder langfristig Projekte zu managen?

Lesen Sie auch: Diese 8 Fehler können Chefs im Bewerbungsgespräch vermeiden.

6. Wie kann ich mein Unternehmen für einen guten Programmierer attraktiv machen?

Zahlreiche Firmen umwerben Entwickler. Wie schafft man es, aus der Masse herauszustechen?

Knausern Sie nicht bei Zusatzleistungen

„Entwickler stellen oft besondere Forderungen, die auf dem Arbeitsmarkt sonst eher ungewöhnlich sind. Manche pochen darauf, jeden zweiten Freitag freizuhaben, den Hund mitzubringen oder überwiegend im Homeoffice zu arbeiten. Der Standardarbeitsvertrag greift da nicht mehr“, so Fasching. Auch die Umfrage von Stack Overflow zeigt: Für jeden zehnten Entwickler ist es die höchste Priorität von zuhause aus arbeiten zu können.

Eröffnen Sie Gestaltungsfreiraum für Ideen

Fasching sieht für Mittelständler Potenzial zu glänzen: „Vielen Entwicklern geht es um eine spannende Aufgabe. Mittelständler sind darum für gute Entwickler besonders attraktiv. Oft gibt es noch keine Digitalabteilung, kein ausgereiftes Digitalprodukt und ein Programmierer kann viel mitreden, welche Infrastruktur aufgebaut werden soll.“

Sorgen Sie für die richtige Technik am Arbeitsplatz

Programmierer legen viel Wert auf funktionale Technik, die technologisch auf dem neuesten Stand ist. Es gilt daher, den Arbeitsplatz richtig einzurichten. Welche Hard- und Software für die Arbeit wichtig ist, stimmen Sie am besten direkt mit dem Entwickler oder einem IT-Berater ab.

Bieten Sie Möglichkeiten zur Weiterbildung

Entwickler wollen sich weiterbilden. 90 Prozent der Befragten in der Stack-Overflow-Umfrage brachten sich ein neues Tool oder eine neue Programmiersprache selbst bei. Planen Sie hierfür genug Zeit ein. Auch Hackatons, also Coding-Wettbewerbe, bieten Chancen, Know-how zu erlangen, das später Ihrer Firma nützen kann. (Lesen Sie hier: Wann der Staat die Weiterbildung von Mitarbeitern fördert)

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