Qualität im Coaching Mit diesen 10 Regeln finden Sie einen guten Coach

Wie ein Ei dem anderen gleichen sich Coaching-Angebote oft. Wie aber prüft man sie auf ihre Qualität?

Wie ein Ei dem anderen gleichen sich Coaching-Angebote oft. Wie aber prüft man sie auf ihre Qualität?© SvetaZi / iStock / Getty Images Plus

Neues Jahr, besseres Leben? Ein Coach kann helfen, sich weiterzuentwickeln und Probleme zu lösen. Doch wie unterscheidet man gute Coaches von Scharlatanen? Und was kostet ein seriöser Coach?

Mehr Profit, mehr Erfolg, mehr Zeit, mehr Zufriedenheit – so mancher Business-Coach nimmt den Mund reichlich voll, wenn er seine Dienste anpreist. Ob er halten kann, was er verspricht, finden seine Klienten oft zu spät heraus.

Woran aber erkennt man einen guten Coach? Worauf sollte man achten, damit man angesichts der Masse an Angeboten nicht an einen Wald-und-Wiesen-Coach gerät oder im schlimmsten Fall an ein schwarzes Schaf? Christopher Rauen, Vorsitzender des Deutschen Bundesverbands Coaching e. V., erklärt, wann bei Ihnen die Warnsignale aufleuchten sollten.

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Zahlen Sie nicht zu viel

„80 Prozent der Honorare im Coachingbereich bewegen sich zwischen 150 bis 250 Euro pro Zeitstunde“, sagt Rauen. Nehme ein Coach mehr, müsse er das nachvollziehbar begründen können: Vielleicht habe er viele Jahre Erfahrung in einer speziellen Branche gesammelt. Oder er arbeite nur auf dem Top-Level, also etwa für Vorstandvorsitzende. Für die Vorstandsetagen großer Konzerne gelte laut Rauen eine andere Preispolitik.

Lassen Sie sich nicht von „Alleskönnern“ blenden

„Gute Coaches sind in der Regel spezialisiert auf bestimmte Themen, Branchen oder Hierarchie-Ebenen“, sagt Rauen. Sie können sofort sagen, wer ihre typischen Klienten sind und auf welchen Themenfelder sie sich üblicherweise bewegen. Solche Themenfelder sind zum Beispiel „Nachfolge regeln“ oder „Konflikte lösen“. Wer auf seiner Webseite von der Nachfolgeregelung übers Verkaufstraining bis zum Konfliktmanagement alles anbietet, macht wahrscheinlich nichts davon wirklich gut.

Rauen rät, dem Coach eine Testfrage zu stellen: „Welche Aufträge übernehmen Sie nicht?“ Sei er gut, werde er die Frage problemlos beantworten können. Seriöse Coaches würden ihre Grenzen kennen und klar benennen, was sie leisten können und was nicht. Bei Antworten wie „Coaching ist für alles und jeden geeignet“ oder „Ich bin für jeden Bereich ein guter Coach“ sollten die Alarmglocken schrillen. „Solche Allmachtsfantasien sind oft keine guten Anzeichen“, so Rauen.

Bestehen Sie auf einem kostenlosen Vorgespräch

Es komme laut Rauen immer wieder vor, dass Klienten zu einem kostenlosen Vorgespräch eingeladen werden, am Ende aber doch dafür zahlen sollen. Landet so ein Fall vor Gericht, haben die Klienten oft schlechte Karten, weil ihnen die Beweise fehlen. Rauen habe schon erlebt, dass Richter zugunsten des Coaches entschieden mit der Begründung: „Sie wussten, dass Sie zu einem Coach gehen, dann müssen Sie dafür auch bezahlen.“

Der Experte empfiehlt darum, sich im Voraus schriftlich bestätigen zu lassen, dass das Vorgespräch kostenlos sei oder zumindest auf spätere Sitzungen angerechnet werde. Die Kostentransparenz sei ein Qualitätskriterium.

Unterschreiben Sie nie vorschnell Verträge

Ein guter Coach wird Sie nie unter Druck setzen. „Wenn er Sie schon vor dem ersten Gespräch drängt, einen Vertrag zu unterschreiben, in dem Sie sich verpflichten, eine Mindestanzahl von Stunden abzunehmen, ist das ein klares K.-o.-Kriterium“, sagt Rauen. Oft werde dann argumentiert, dass das so üblich sei in der Branche. Das sei es laut Rauen aber keinesfalls.

Lassen Sie sich Zeit für Ihre Entscheidung

Rauen rät, sich bei der Suche nach einem Coach nicht sofort festzulegen. Man sollte nicht zum Erstbesten gehen, nur weil der am Telefon nett war. „Leider sind gerade Scharlatane oft gut darin, sympathisch rüberzukommen“, warnt der Experte. Darum sollte man sich nicht allein auf die Sympathie verlassen. Am besten vergleiche man mindestens drei Angebote. Oft zeige sich erst im direkten Vergleich, wer wirklich zu einem passe.

Ziehen Sie nicht blank

Es gibt Coaches, die überschreiten Grenzen. „Im Business-Bereich passiert das zwar nur noch selten. Aber wenn ein Coach von den Klienten mehr oder weniger einen Seelen-Striptease verlangt, wenn er auf zu persönliche, private oder gar sexuelle Inhalte abzielt, ist das ebenfalls ein ganz klares K.-o.-Kriterium“, sagt Rauen.

Verlassen Sie sich nicht auf Zertifikate

Zertifikate sollen einen seriösen Eindruck vermitteln. „Im Prinzip kann sich aber jeder ein eigenes drucken. Darum gibt es auch so viele“, erklärt Rauen. Woran erkennt man dann, ob ein Coach qualifiziert ist? „Man sollte sich genau anschauen, welche Erstausbildung er gemacht hat und über welchen Weg er sich qualifiziert hat“, so Rauen. Wenn der Lebenslauf nicht plausibel klinge, dann rate er zur Vorsicht. Das gelte vor allem bei Floskeln wie: „Ich habe an der Universität des Lebens studiert.“ Ein Universitätsabschluss sei zwar ein guter Hinweis. Ein Abschluss in Veterinärmedizin stelle aber noch nicht sicher, dass jemand auch im Coaching gut sei. Das Studium belege nur, dass jemand eine Sache erfolgreich zu Ende gebracht habe.

Die eigentliche Qualifizierung finde laut Rauen meist nicht im Studium statt. Man brauche dafür eine Coachingausbildung. „Das sollte nicht ein Wochenendseminar gewesen sein. Ein Fünf-Tage-Intensiv-Kurs ist keine ordentliche Coaching-Ausbildung. Eine gute dauert mindestens ein Jahr. Sie sollte einen Umfang von minimal 150 Stunden haben. In der Regel deutlich mehr“, sagt Rauen.

Erkundigen Sie sich nach Referenzen

Ob ein Coach gut ist oder nicht, diese Frage können am besten seine Klienten beantworten. Rauen rät darum, sich nach Referenzen zu erkundigen und zu fragen, ob man mit ehemaligen Kunden sprechen könne.

Fragen Sie nach einer Anti-Sekten-Erklärung

Vor allem im Raum Hamburg und Berlin arbeiten viele Sektenmitglieder als Coaches. Bestehen Sie darum auf eine Anti-Sekten-Erklärung. „Ein professioneller Coach wird damit kein Problem haben“, versichert Rauen. In so einer Anti-Sekten-Erklärung wird zum Beispiel versichert, dass man kein Mitglied von Scientology oder Anhänger oder Sympathisant dieser Organisation ist.

Überlegen Sie, was Sie brauchen: einen Trainer oder einen Coach?

Viele Trainer nennen sich auch Coach. Dabei gebe es Rauens Ansicht nach einen deutlichen Unterschied, den man kennen solle:

  • Ein Trainer habe ein vorgefertigtes Programm. Ein Verkaufstrainer bringe jemanden zum Beispiel bei zu verkaufen. Er präsentiere dafür ein ideales Ablaufschema, an das sich seine Kunden halten sollten, um mehr Umsatz zu machen: Machen Sie X, dann passiert Y.
  • Im Bereich Coaching gehe es laut Rauen hingegen nicht darum, jemandem ein spezifisches Know-how zu vermitteln, sondern um ergebnisorientierte Selbstreflexion. Ein Coach helfe etwa Führungskräften, ihr eigenes Potenzial zu erkennen und richtig zu nutzen. Er gebe also keine Inhalte vor, sondern moderiere einen Prozess.

Coaching sei oft ein bisschen langsamer als ein Training, könne aber aus Rauens Sicht gründlicher sein: „Wenn man einen Vergleich bemühen möchte: Dann ist das Training der Anzug von der Stange, der passt in der Regel ganz gut. Ein Coaching entspricht einem Maßanzug, der entsprechend teurer und zeitintensiver ist“; sagt Rauen.

Er würde aber nie sagen, dass das eine besser sei als das andere. Es komme auf den Fall an: Wenn man etwa morgen eine Rede halten müsse, aber unter Auftrittsangst leide, werde ein kurzfristiges Training vermutlich besser helfen. „Deswegen muss man immer genau schauen, was für einen persönlich in welcher Situation am meisten Sinn macht“, sagt Rauen.

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