Unternehmerisch denken Das unterscheidet den Mitarbeiter vom Unternehmer
Unternehmerisch denken? Das kann nicht jeder

© Paula Daniëlse / Moment / Getty Images

Viele Unternehmer wünschen sich, dass ihre Mitarbeiter unternehmerisch denken. Doch dafür müssen sie erst mal selbst damit anfangen.

Ich begegne recht häufig Chefinnen und Chefs, die sich wünschen, dass ihre Mitarbeiter „unternehmerisch denken“. Ich frage dann, was sie damit meinen. Was bedeutet „unternehmerisch denken“? Meist höre ich dann, dass die Mitarbeiter Umsatzideen entwickeln, dass sie die Kosten im Blick halten und einfach mitdenken sollen.

Für mich ist unternehmerisches Denken etwas anderes. Wer unternehmerisch denkt, schaut weniger auf das Hier und Jetzt, auf Sparpotenziale oder aufs Projektmanagement. Unternehmerisch zu denken bedeutet für mich, auf das zu blicken, was kommen kann: Erfolgreiche Unternehmer ziehen oft aus der Zukunft ihre Kraft. Sie sehen eine Idee am Horizont und denken: Genial – da möchte ich hin. Dafür setze ich meine Kraft ein. Und auf geht’s.

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Unternehmer wenden den Blick auf die Zukunft

Das unterscheidet den Mitarbeiter vom Unternehmer: Der Mitarbeiter möchte in seiner Arbeit Sinn finden, er will in einem guten Team arbeiten, will ein gutes Gehalt, er will Abläufe oder Produkte verbessern. Er ist für gewöhnlich im Hier und Jetzt.

Ein guter Unternehmer dagegen ist immer wieder fähig, loszulassen und den Blick zu wenden, vom Hier und Jetzt auf die Zukunft: Was ist unser eigentliches Ziel? Was hat mich zum Unternehmer gemacht? Wo sehe ich Chancen?

Der Chef als Feuerwehrmann

Auf Krisen wie die aktuelle kann man auf zwei Arten reagieren: wie ein klassischer Mitarbeiter oder wie ein Unternehmer.
Ein Chef, der wie ein Mitarbeiter agiert, stellt den akuten Krisenmodus an: Er geht seinem ersten Impuls nach und agiert als Feuerwehrmann, löscht Brände. Das ist gewissermaßen seine Komfortzone, denn wenn er etwas tut, dann fühlt er sich wohl. Daher arbeitet er verbissen, versucht mit aller Macht wieder in das alte Fahrwasser zu kommen.

Chefs im akuten Krisenmodus fangen oft an, alles selbst zu entscheiden. Das macht die Mitarbeiter klein, sie suchen plötzlich für jede Kleinigkeit die Zustimmung des Chefs. Der ist weiter im Tunnel und ackert, ackert, ackert.

Keine Frage: Dann ist so eine Krise für alle Beteiligten einfach nur schrecklich.

Die Krise hat das Hamsterrad gestoppt

Ein geübter Unternehmer dagegen macht etwas Verrücktes: Er hält an. Die Amerikaner nennen das: „Drop the tools“ – lass das Werkzeug fallen. Denn ein geübter Unternehmer weiß, dass einfach weiter zu ackern nicht viel bringen wird.

Wenn man in der Krise etwas Gutes sehen will, dann vielleicht das: Sie hat für viele Unternehmer das Hamsterrad gestoppt. Sie fordert uns auf: „Los, lass dir was einfallen!“ Die Krise ist daher eine Chance, aus dem täglichen „Tun, Tun, Tun“-Modus auszusteigen und wieder wie ein Unternehmer zu denken, in die Zukunft zu blicken – und, ganz wichtig: in dieser Zukunft auch etwas Attraktives zu sehen.

Der Unternehmer ist nicht dafür da, beliebt zu sein

Unternehmerisch zu denken bedeutet aber nicht nur, in der Zukunft etwas Attraktives zu finden. Es bedeutet auch, Herausforderungen vorherzusehen. Ein geübter Unternehmer sieht, was auf die Firma zukommt, und trifft daraufhin Entscheidungen.

Das kann einen unpopulär machen, wenn die Mitarbeiter denken: „Es läuft doch noch. Warum müssen wir jetzt schon wieder alles verändern?“ Aber der Unternehmer ist nicht dafür da, beliebt zu sein. Er ist dafür da, vorausschauende Entscheidungen zu treffen – und diese gut zu vermitteln.

Wie aber vermittelt man eine Entscheidung gut? Eine Variante ist, sie erst gar nicht allein zu treffen. Stattdessen lädt man sein Kernteam ein, gemeinsam einen Blick in die Zukunft zu werfen. Wenn man sich gemeinsam fragt: Was passiert eigentlich, wenn nichts passiert? Wenn wir weitermachen wie bisher? Dann wird ziemlich schnell klar, dass man heute anfangen muss, sich zu verändern, wenn man morgen noch mithalten will.

In diesem Kernteam dann an der Zukunft zu arbeiten, ein konkretes Bild zu entwerfen, wo man gemeinsam hinmöchte, entfaltet eine enorme Kraft – für das Team und auch für den, der es führt. Viele Unternehmer erleben das geradezu als Befreiung. Sie kommen aus der Rolle heraus, immer für alle Probleme die Lösung zu finden.

Fragen stellen statt Probleme lösen

Wenn man immer für alles die Lösung liefert, kommen die Mitarbeiter nur noch bei einem vorbei, wenn sie Probleme haben. Stattdessen stellt der Unternehmer Fragen: „Was hast du dir gedacht, wie wir die Sache lösen können? Was ist deine Idee?“ Fragen zu stellen bedeutet, dem Gegenüber zuzutrauen, Antworten zu liefern. Man spricht mit seinem Team wie mit Erwachsenen. Nur wer seine Mitarbeiter wie Erwachsene behandelt, kann auch von ihnen erwarten, dass sie erwachsen handeln.

Noch besser: Durch den gemeinsamen Blick in die Zukunft bekommt man endlich das, was man sich immer gewünscht hat – Mitarbeiter, die denken wie Unternehmer.

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