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Arbeitgeberbewertungen im Internet „Käfighaltung in veralteten Büros“

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Fünf-Sterne-Bewertungen auf Arbeitgeberportalen lassen Chefs jubeln. Doch was tun, wenn ein ehemaliger Mitarbeiter eine miese Arbeitgeberbewertung schreibt?

Fünf-Sterne-Bewertungen auf Arbeitgeberportalen lassen Chefs jubeln. Doch was tun, wenn ein ehemaliger Mitarbeiter eine miese Arbeitgeberbewertung schreibt?© Marie Maerz / photocase.de

Auf Plattformen wie Kununu bewerten Angestellte ihre Arbeitgeber. Die Firmen finden die Kritik oft unfair - doch wie reagiert man klug? Diese Fehler sollten Sie vermeiden.

Wer auf Nerventerror und Unmenschlichkeit steht, ist hier richtig“, „Mobbing ist in diesem Unternehmen üblich“ oder „Game of Thrones ist nichts dagegen“. Das schreiben Mitarbeiter, ehemalige Angestellte und Bewerber auf der Plattform Kununu über Unternehmen als Arbeitgeber.

Schlechte Bewertungen wie diese sind besonders für kleine Unternehmen eine Gefahr, sagt Manfred Böcker, Geschäftsführer der Unternehmensberatung Employer Telling. Denn sie schrecken Bewerber ab. Immerhin 45,7 Prozent aller Bewerber informieren sich laut einer Umfrage des Recruitinganbieters Softgarden auf Bewertungsplattformen über Unternehmen. Umso wichtiger ist es, auf die Kritik zu reagieren.

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Böcker und sein Co-Geschäftsführer Sascha Theisen haben untersucht, wie Unternehmen Bewertungen beantworten. Unter den 1300 Antworten, die sie analysierten, fiel auf: Viele Firmen sollten ihre Kommentarstrategie verbessern, um in Arbeitgeberportalen ein gutes Bild abzugeben.

Welche Fehler Sie vermeiden sollten und wie Sie es besser machen:

1. Fehler: Aggressiv antworten

Die Studie zeigt: Vor allem Geschäftsführer vergreifen sich im Ton, wenn sie Bewertungen kommentieren. „Chefs fühlen sich persönlich angegriffen“, sagt Böcker. Verständlich, wenn der Bewerter Lügen über das Unternehmen verbreitet oder es verbal attackiert.

Eine echte Antwort eines Geschäftsführers auf eine schlechte Bewertung lautet etwa: „Wir erwarten schon ein wenig mehr als nur vor der Tür zu parken und den Betriebsfrieden zu stören.“

Potenzielle Bewerber, die das bei Kununu lesen, werden dieses Unternehmen meiden – denn wer will schon für jemandem arbeiten, der ehemalige Angestellte öffentlich so angreift?

Wie Sie es besser machen

Bevor Chefs eine Bewertung kommentieren, sollten sie bedenken, dass jeder die Antwort lesen kann. „Im Zweifelsfall solidarisieren sich Leser eher mit dem angegriffenen Bewerter als mit dem Geschäftsführer“, sagt Böcker.

Er rät: „Nicht direkt antworten, die Bewertung erstmal über Nacht liegen lassen.“ Am nächsten Morgen ist der erste Ärger verflogen und man kann mit ruhigerem Kopf zurückschreiben.

Geschäftsführern von größeren Unternehmen empfehlen die Unternehmensberater, die Personalabteilung antworten zu lassen. Denn Personaler fühlen sich nicht persönlich angegriffen, wenn sie Bewertungen wie „Renn um dein Leben! Minus 1000 Sterne“ lesen.

2. Fehler: Gar nicht antworten

Wer sämtliche Bewertungen ignoriert und Sätze stehen lässt wie „Käfighaltung in veralteten Büros“ oder „Man wird gemolken und danach entsorgt“, riskiert, potenzielle Bewerber abzuschrecken. Laut den Studienautoren könnten Nutzer der Portale den Arbeitgeber dann als unnahbar einschätzen, glauben, dass er die Kritik nicht ernst nimmt, kein Feedback mag – oder schlimmstenfalls: dass die Kritik sogar stimmt.

Wie Sie es besser machen

Sie müssen nicht jede einzelne Bewertung beantworten. Auf ausführliche Kritiken und begründete Bewertungen sollten Sie aber eingehen. „Schreibt jemand, dass es Defizite in der Führungskultur gibt oder die Führungskraft nie Zeit hat, sollte man antworten und nachfragen. Genauso wenn schwere Vorwürfe erhoben werden, wie dass ein Mitarbeiter gemobbt wurde“, sagt Böcker. In diesem Fall würde er schreiben: „Das ist für uns ein schwerer Vorwurf. Wir würden gerne mehr darüber erfahren.“

Grundsätzlich empfiehlt Unternehmensberater Theisen drei mögliche Strategien:

  1. Dem Nutzer für sein Feedback danken und ihn bitten, sich persönlich zu melden. So kann die Firma aus seiner Kritik lernen und sich verbessern.
  2. Dem Bewerter zustimmen und Fehler eingestehen (natürlich nur, wenn die Kritik berechtigt ist). Bei älteren Bewertungen betonen, dass sich das Unternehmen inzwischen verbessert habe.
  3. Freundlich erklären, dass Sie die Kritikpunkte zwar nicht teilen, sich aber offenbar mehr anstrengen müssen.

3. Fehler: Standardantworten formulieren

Böcker und Theisen fanden immer wieder Standardantworten, die Arbeitgeber per „Copy and Paste“ unter die Bewertung geschrieben hatten. Ein Beispiel aus der Studie: Eine Mitarbeiterin einer Handelskette beschwerte sich bei Kununu, dass zehn Stunden Arbeit pro Tag die Regel sein, ihre Vorgesetzten schlechte Arbeit verrichteten und ständig privat telefonierten. Das Unternehmen antwortete so: „Hallo, herzlichen Dank für Ihre Stellungnahme und Ihr Feedback. Gerne geben wir die Kritikpunkte an den entsprechenden Unternehmensbereich weiter und werden uns intern damit befassen. Alles Gute für Ihren weiteren Werdegang.“

Das kann bei Bewerbern schlecht rüberkommen: Wer individuelle Kritik mit Floskeln und Standardsätzen beantwortet, zeigt laut Theisen sich nicht gesprächsbereit und nimmt den Bewerter nicht ernst.

Wie Sie es besser machen

Wenn ein Nutzer seinen Missmut konkret begründet – wie im genannten Fall –, sollten Arbeitgeber individuell, sachlich und freundlich darauf eingehen. So zeigen Unternehmer, dass sie die Kritik ernst nehmen und sich verbessern wollen.

Auch Widerworte sind erlaubt. Theisen: „Wenn da Dinge drinstehen, die der Eigenwahrnehmung fundamental widersprechen, kann man schreiben: ‚Ich kann vor dem Hintergrund meiner langjährigen Erfahrung im Unternehmen Ihre Einschätzung nicht teilen.‘“

Manchmal vergeben Nutzer nur einen Stern, begründen die Bewertung aber nicht. In diesem Fall haben Unternehmer keine Möglichkeit, individuell auf die Kritik einzugehen – dann ist auch eine höfliche Standantwort in Ordnung, sagt Theisen.

4. Keine Kontaktmöglichkeiten anbieten

Unternehmen können durch das Feedback erfahren, wo Baustellen sind und wie sie sich verbessern können. Um Genaueres zu erfahren, sollten sie den Bewerter bitten, das Unternehmen zu kontaktieren. Das bieten viele Firmen an, sagt Theisen. Aber sie hinterlassen häufig keine konkreten Kontaktdaten, unterschreiben nicht mit dem eigenen Namen, geben E-Mail-Adressen wie personal@firmaxy.de an oder fordern den Nutzer auf, sich an die Personalabteilung zu wenden. Ohne konkreten Ansprechpartner dürften sich allerdings die wenigsten Bewerter die Mühe machen.

Wie Sie es besser machen

Schreiben Sie, wen der Bewerter kontaktieren kann: mit Namen, Telefonnummer und E-Mail-Adresse. Außerdem sollten Sie dem Bewerter versichern, dass er anonym bleibt. „Die Nutzer müssen wissen, dass man mit ihren Informationen vertrauensvoll umgeht“, sagt Theisen.

5. Den Arbeitsaufwand unterschätzen

Chefs, die alle Bewertungen persönlich kommentieren wollen und Nutzern anbieten, ihn anzurufen oder persönlich vorbeizukommen, unterschätzen möglicherweise den Aufwand. Reagieren die Bewerter auf den Aufruf des Chefs und geben ihm persönlich Feedback, muss er stundenlang telefonieren oder seitenlange E-Mails tippen. Und plötzlich fehlt die Zeit für das, er eigentlich tun sollte: das Unternehmen vorantreiben.

Wie Sie es besser machen

„Man sollte sich vorher überlegen, wer die Bewertungen beantwortet“, sagt Böcker. Das kann zum Beispiel ein langjähriger Mitarbeiter sein. Chefs sollten Richtlinien aufsetzen, wie Angestellte mit Bewertungen auf den gängigen Plattformen umgehen sollten

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