Familienfreundlichkeit Wie sich Familienfreundlichkeit für Unternehmen auszahlt

Familienfreundlichkeit macht Unternehmen nicht nur bunter - sie bringt sie auch wirtschaftlich voran.

Familienfreundlichkeit macht Unternehmen nicht nur bunter - sie bringt sie auch wirtschaftlich voran.© Soulmemoria / iStock / Getty Images Plus

Wer in Familienfreundlichkeit investiert, profitiert doppelt: Denn familienfreundliche Arbeitgeber sind nicht nur beliebt – sie sparen sogar Geld.

Junge Mitarbeiter wollen beides – Karriere und Kinder. Für sie ist Familienfreundlichkeit ein wichtiges Kriterium bei der Wahl des Arbeitgebers. Und ältere Mitarbeiter müssen und wollen sich häufig um ihre pflegebedürftigen Eltern kümmern. In Zeiten des Fachkräftemangels und gerade in strukturschwachen Regionen müssen Unternehmen auf diese Wünsche und Bedürfnisse reagieren: Sie müssen familienfreundlicher werden, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu behaupten.

Die ExTox GmbH aus Unna macht es vor. Sie stellt Gasmess-Systeme her und beschäftigt 77 Mitarbeiter. „Feste Arbeitszeiten oder Pausenzeiten gibt es nicht. Jeder Mitarbeiter kann sich seine Arbeitszeit frei einteilen“, sagt Firmenchef Ludgar Osterkamp, für den Vereinbarkeit von Beruf und Familie Chefsache ist. Eltern können zwischen durch ihre Kinder von der Schule oder Kita abholen. Ein firmeneigener Feiertag garantiert den Mitarbeitern einen zusätzlichen freien Tag mit der Familie, Regelungen zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie werden individuell getroffen, abhängig von der jeweiligen Lebenssituation der Beschäftigten. Das Unternehmen übernimmt die Betreuungskosten für Kinder bis zum Alter von sechs Jahren.

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Ermutigt durch das verständnisvolle Klima im Unternehmen sprach eine Mitarbeiterin ihren Chef an, als sich 2012 für die sechswöchige Übergangsphase ihrer Tochter von der Kita in die Grundschule ein Betreuungsproblem abzeichnete. Es entstand die Idee, eine Kinderferienbetreuung in den Räumen von ExTox einzurichten. Und um der zunehmenden Bedeutung des Themas Pflege von älter werdenden Angehörigen zu begegnen, hat Osterkamp einen Leihrollstuhl gekauft und zwei Mitarbeiter wurden zu Pflegebegleitern ausgebildet.

Für Ludgar Osterkamp rechnen sich all diese familienfreundlichen Angebote, weil „dadurch die Motivation höher ist, die Leute mehr Spaß an der Arbeit haben und sich das auf Umsatz und Gewinn auswirkt.“ Fachkräftemangel ist für den Mittelständler kein Thema. „In den vergangenen 14 Jahren haben lediglich zwei Mitarbeiter die Firma verlassen“, sagt er.

Diese 6 Vorteile haben familienfreundliche Unternehmen

Wenn Unternehmen von ihren Beschäftigten als familienfreundlich wahrgenommen werden, dann bringt ihnen das viele Vorteile.

1. Einfachere Rekrutierung von Fachkräften

Für 67 Prozent der 35- bis 39-Jährigen ist die Familienfreundlichkeit des Arbeitgebers bei der Stellensuche wichtig. Familienfreundliche Unternehmen werden außerdem von ihren Mitarbeitern häufiger weiterempfohlen: 92 Prozent der dort Beschäftigten würden ihren Arbeitgeber uneingeschränkt weiterempfehlen. Für Unternehmen, in denen die Vereinbarkeit nicht gelebt wird, liegt die Weiterempfehlungsquote bei nur 22 Prozent. Familienfreundlichkeit ist also gut fürs Image als Arbeitgeber und führt dazu, dass sich mehr und besser qualifizierte Mitarbeiter bewerben.

2. Geringere Fluktuation und höhere Bindung an das Unternehmen

Mehr als ein Viertel der Mütter und Väter hat bereits einmal den Arbeitgeber gewechselt, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können – und 78 Prozent können sich vorstellen, dies in Zukunft zu tun. Wenn Mitarbeiter Beruf und Familie gut miteinander vereinbaren können, dann sinkt die Fluktuation und für Unternehmen ist es einfacher, gute Mitarbeiter zu halten.

3. Geringere Fehlzeiten

Ist ein Unternehmen familienfreundlich, sind Eltern weniger gestresst und werden seltener krank. Und wenn sie bei kranken Kindern auch mal von zu Hause aus arbeiten können oder in den Abendstunden, sinken Fehlzeiten.

4. Kürzere Elternzeiten

In familienfreundlichen Unternehmen steigen Mütter nach der Geburt früher wieder in den Beruf ein – das macht den Wiedereinstieg nach der Babypause einfacher. Und es rechnet sich für Unternehmen, die Potenziale erfahrener Beschäftigter mit Kindern zu nutzen. Denn für jede längere Auszeit und jedes Ausscheiden fallen Anwerbe-, Auswahl-, Einstellungs-, Weiterbildungs-, Einarbeitungs- und Minderleistungskosten an. Wird die Arbeit innerbetrieblich umverteilt, entstehen Kosten durch den Mehraufwand von Kollegen, die die Arbeit des Beschäftigten in Elternzeit übernehmen.

5. Zufriedenere und motiviertere Mitarbeiter

Mitarbeiter, die Familie und Beruf miteinander vereinbaren können, sind zufriedener und motivierter – sie bringen bessere Leistungen, sind loyaler dem Arbeitgeber gegenüber und melden sich seltener krank.

6. Weniger Kosten

Eine hohe Fluktuation, der Verlust gut eingearbeiteter, qualifizierter Mitarbeiter, viele Fehlzeiten und Fachkräftemangel – all das kostet Unternehmen viel Geld. Die Prognos AG hat in einer Studie festgestellt, dass ein Durchschnittsunternehmen jährlich 375.000 Euro spart, wenn es 300.000 Euro für familienfreundliche Maßnahmen ausgibt. Dieser Vorteil entspricht einer Rendite von 25 Prozent. Und eine vom Bundesfamilienministerium bei Roland Berger in Auftrag gegebene Studie kommt sogar zu dem Ergebnis, dass Investitionen in Maßnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf bis zu 40 Prozent Rendite für das Unternehmen bringen – wenn die Angebote auch Väter und Pflegende erreichen.

Familienfreundlichkeit zahlt sich also aus. Doch wie wird man als Unternehmen familienfreundlich? Lesen Sie dazu unseren Artikel: „13 Ideen, wie Ihr Betrieb familienfreundlicher wird“.

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