Unternehmerinnen 2017: Katharina Staudacher „Ach, backt ihr die Müsliriegel dann zuhause?“

Katharina Staudacher kam die Idee für "foodloose" während ihres Studiums in Kalifornien. Inzwischen sind ihre Bio-Snacks in mehreren europäischen Ländern erhältlich.

Katharina Staudacher kam die Idee für "foodloose" während ihres Studiums in Kalifornien. Inzwischen sind ihre Bio-Snacks in mehreren europäischen Ländern erhältlich. © foodloose

Katharina Staudacher von "foodloose" wird häufig unterschätzt - findet das aber gar nicht schlimm. Sie glaubt: Gründerinnen sind effizienter als ihre männlichen Kollegen.

Unternehmerinnen im Jahr 2017: Kommen da noch dumme Kommentare? Werden Frauen von gewissen Zirkeln ausgeschlossen? Hat man bei der Bank schlechtere Chancen? Wie reagieren Kunden auf die Chefin? Unsere neue Serie zeigt die Erfahrungen von Frauen an der Unternehmensspitze. Folge 3: Katharina Staudacher, Geschäftsführerin von „foodloose“.

Männliche Gründer handeln oft nach dem Motto „höher, schneller, weiter“. Wir sind anders. Wir streben nicht die Weltherrschaft an, sondern freuen uns auch über kleine Schritte. Wir wollen gesund wachsen, wir wollen Spaß bei der Arbeit haben und ein gutes Team sein. Wir würden zum Beispiel nur jemanden einstellen, wenn wir wissen, dass wir den auch langfristig bezahlen können.

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Und ich glaube, wir sind effizienter als viele männliche Gründer. Wir haben weniger Zeit und sind vielleicht deswegen schneller in unseren Entscheidungen.

„Toll, wie du das verbinden kannst“

Ich habe „foodloose“ 2010 gegründet, 2011 ist meine Freundin Verena Ballhaus-Riegler dazu gestoßen. 2012 war ich zum ersten Mal schwanger, inzwischen habe ich drei Kinder, meine jüngste Tochter ist ein halbes Jahr alt. Verena hat auch zwei Kinder.

Ich war mit dickem Bauch auf allen möglichen Terminen und habe auch unsere Produktionsstätte mit Baby besucht. Die Produzenten fanden es toll, sie haben sich um die Kinder gekümmert und mich unterstützt. Eigentlich höre ich von allen Seiten immer nur: „Toll, wie du das verbinden kannst.“

Vielleicht wäre das als Angestellte anders, aber wenn ich zum Beispiel in unserer Kommunikationsagentur mit Baby auftauche, dann bin ich ja der Kunde und werde entsprechend behandelt. Auch ins Büro sind meine Kinder immer mal mitgekommen, als sie klein waren. Zu manchen Terminen gehe ich aber lieber allein, dann habe ich für mein Baby eine Tagesmutter.

„Ja, ich arbeite viel“

Ich gehe einen anderen Weg als viele Frauen, die fest angestellt sind, ein Jahr Elternzeit nehmen und dann in Teilzeit wieder einsteigen. Ich kann mir meine Arbeit freier einteilen. Ja, ich arbeite viel, meistens bis 15 Uhr und dann geht es abends weiter. Wir müssen uns schon sehr gut organisieren. Bis vor kurzem war mein Mann noch angestellt und hat wahnsinnig viel gearbeitet. Jetzt ist er dabei, sich auch selbstständig zu machen, dadurch ist er zeitlich ein bisschen flexibler.

Als Mompreneurs müssen wir viel mehr Bälle in der Luft halten als männliche Gründer. Wenn ich bei der Arbeit bin, muss ich trotzdem immer das Handy im Blick haben, falls die Kita sich meldet. Und andersrum kann es sein, dass nachmittags, wenn ich eigentlich nicht mehr arbeite, etwas Wichtiges ansteht und ich angerufen werde.

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Wir haben in unserem Headquarter in Hamburg acht Mitarbeiter plus Praktikanten und Werkstudenten. Dass die Chefinnen nachmittags nicht mehr da sind, ist in der Regel kein Problem. Das geht aber nur mit einem tollen Team.

„Teilweise werden wir unterschätzt“

In dieser Rolle merkt man schnell: Zeit ist das wichtigste Gut. Ich muss die wenige Zeit, die ich habe, sehr effektiv nutzen. Ich sehe das manchmal bei männlichen Kollegen: Bis die teilweise ihre Ideen umsetzen, dauert es schon mal eine Weile.

Ich glaube nicht, dass wir als Mutti-Business wahrgenommen werden. Aber teilweise werden wir unterschätzt. Vielleicht auch, weil wir nicht mit breiter Brust rausgehen und uns größer machen als wir sind. Wenn wir sagen, wir sind ein kleines Unternehmen, das Nussriegel verkauft, wurden wir auch schon mal gefragt: „Ach, backt ihr die dann zuhause?“ Dabei haben wir 2016 knapp zwei Millionen Euro Umsatz gemacht.

Ich finde das aber nicht schlimm. Im Gegenteil: Es kommt uns zugute. Ich glaube, es macht uns sympathisch, dass wir eher bescheiden auftreten. Die Lebensmittelbranche ist sehr männlich geprägt, die meisten Produzenten und Einkäufer sind Männer. Die sind oft andere Umgangsweisen gewohnt. Wir pflegen sehr enge Beziehungen zu unseren Lieferanten und Produzenten und arbeiten sehr partnerschaftlich zusammen. Das sind die oft gar nicht gewohnt. Das verschafft uns einen gewissen Bonus. Wenn es mal Probleme gibt, hilft man uns, vielleicht auch einfach, weil man uns mag.

Gleichzeitig sind viele dann erstaunt, dass wir so hart verhandeln. Das erwartet man nicht von uns – und das verschafft uns oft einen Vorteil.

Unternehmerinnen 2017

Lesen Sie hier Folge 1: Therese Köhler vom Startup heycater!: „Es ist revolutionär, wie Gründerinnen das wuppen“

Folge 2: Désirée Eser Freifrau zu Knyphausen, Geschäftsführerin des Weinguts August Eser: „Frauen verstehen davon doch nichts“

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