Mein Großhandel mit Kräutern und Gewürzen lief gut. Trotzdem wollte ich unabhängiger von Supermärkten werden. So kam ich auf die Idee, selbst Läden zu betreiben, in denen wir neben Obst, Gemüse und Wurst unsere eigenen Produkte verkaufen würden. Allerdings zahlte ich dabei viel Lehrgeld.
2000 eröffnete ich das erste Geschäft am Firmensitz, ein Jahr später folgte ein weiteres in einer nahe gelegenen Kleinstadt. Beide liefen nicht gut. Doch ich redete mir ein, das läge am Standort – nicht am Konzept. Also ließ ich mich auf ein drittes Geschäft ein, diesmal im Wiener Museumsquartier. Der Vermieter kam auf mich zu und pries die Lage an: Viele Künstler, genau das richtige Publikum für meinen Laden, sagte er. Ich freute mich und dachte: Das muss laufen.
Steuerberater warnte vor weiteren Verlusten
So viele Semmeln, Wurst und Mineralwasser hatte ich noch nie verkauft. Aber kaum Gewürze. Auch dieses Geschäft schrieb Verluste. Mein Steuerberater sagte trocken: „Eröffne noch zwei weitere Läden, dann musst du bald keine Ertragsteuer mehr zahlen.“ Das war als Warnung gemeint.
Nach vier Jahren und rund 400.000 Euro Verlust musste ich einsehen: Es lag nicht am Standort, sondern am falschen Konzept. Ich wollte in den Läden alles anbieten. Doch meine Kernkompetenz sind Kräuter und Gewürze. Ich schloss die Läden und änderte das Konzept.
Unsere heutigen Geschäfte konzentrieren sich auf unser eigenes Sortiment – mit Erfolg. Diese Erkenntnis hätte ich aber schon nach dem ersten Rückschlag haben können. Wer einen Fehler macht, sollte sich diesen schnell eingestehen – und nicht aus Stolz oder Eitelkeit weitermachen, nur weil man durchhalten will.
