Mein teuerster Fehler passierte, als mich der Erfolg überrollte. Ich gründete Denttabs 2009. Mit 1,5 Mitarbeitenden lag der Jahresumsatz bei 250 000 Euro – zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben. 2017 kam die Wende: Die Drogeriekette dm und viele Unverpackt-Läden nahmen unsere Zahnputztabletten ins Sortiment.
Innerhalb von neun Monaten stiegen die Einnahmen auf 3 Millionen Euro. Ich wollte den Schwung nutzen und stellte schnell viele Leute ein, die ich aus meinem Umfeld kannte: etwa einen Geschäftsführer, Vertriebs- und Marketingleute. Das Team wuchs auf 20 Köpfe. Und ich zahlte hohe Gehälter, etwa 8000 Euro für eine Marketingfachkraft. Überzeugt davon, dass eine gute Bezahlung zu Leistung führt. Das Geld hatte ich, weil ich über ein Crowdinvesting über eine Million Euro einsammelte.
Herausforderungen des Wachstum unterschätzt
Doch 2022 brach das Geschäft infolge der Corona-Krise ein, wir machten Verlust, das Kapital war verbraucht – und ich musste einen Großteil des Teams entlassen. Mein Fehler war: Ich wusste nicht, welche Herausforderungen auf mich zukommen, wie ein größeres Unternehmen zu führen ist, und stellte die falschen Leute ein. Im Betrieb fehlten ein Controlling, Strukturen und eine Vertriebsstrategie.
Ich hätte vorher einen Coach oder Personalvermittler beauftragen sollen, die das beurteilen können. Ja, das kostet Geld. Doch wenn man jemanden für 100 000 Euro einstellt, der weiß, wie es geht, dann ist das verglichen mit dem, was jemand ohne Erfahrung anrichten kann, nichts. Heute ist die Firma auf ein gesundes Maß geschrumpft, die Folgen spüre ich aber noch immer.
100 Unternehmerinnen und Unternehmer sprechen über ihre größten Fehler: impulse.de/fehlerbuch
