An meine erste Firma denke ich mit Wehmut zurück. Auch Freunde sagen, sie aufzugeben, war mein größter Fehler. Ich bin Halb-Iranerin, mein Vater besaß im Iran eine Porzellanfabrik. Es inspirierte mich dazu, die Firma Kunst & Kaviar 1985, mit Anfang 20, zu gründen, um als Zwischenhändlerin iranische Handwerkskunst und Kaviar aus dem Kaspischen Meer in Deutschland zu vertreiben.
Der Import war sehr schwierig, doch ich hatte Erfolg: So gelang es mir etwa, für einen Unterhändler einer Schuhkette Häkelschuhe in großen Mengen zu beschaffen. Nebenbei arbeitete ich in der Werbeabteilung der Marke Montblanc.
Freiheit aufgegeben
Zwei Jahre später bot mir deren Werbeagentur eine Führungsposition an. Ich fühlte mich geehrt und gab meine Firma, die ich mit Leidenschaft geführt hatte, für etwas auf, das mir damals wichtiger erschien: Sicherheit und Ansehen.
Ich stieg bis zur Geschäftsführerin auf. Doch glücklich machte mich der Job nicht. 2006 kündigte ich völlig erschöpft und gründete später mit meiner Partnerin eine Branding Agentur – meine beste Entscheidung, die mich wieder zu dem geführt hat, was ich will: Freiheit und Gestalten.
Trotzdem bedaure ich, dass ich der großartigen Idee hinter Kunst & Kaviar nicht weiter nachgegangen bin. Ich hätte Business mit meinen kulturellen Wurzeln verbinden können. Diese Möglichkeit ist nun verloren. Dennoch bin ich auch dankbar, durch den Fehler sehe ich heute klarer.
Ich habe das Glück gesucht und nicht erkannt, was ich bereits hatte. Deshalb empfehle ich auch anderen, die vor Entscheidungen stehen: Geh in die Stille. Schau, was du hast. Konzentriere dich auf deinen Wunsch und lass dich nicht ablenken.
