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Neben Sprachmodellen wie ChatGPT, Claude oder Gemini, haben sich KI-Erweiterungen für Browser etabliert. Das sind kleine Zusatzprogramme, die direkt im Browser laufen, und bei der täglichen Arbeit unterstützen. Sie fassen zum Beispiel Websites zusammen, damit man den Inhalt schneller begreift, oder helfen dabei, eine E-Mail zu formulieren. Der Vorteil: Man muss nicht mehr zwischen ChatGPT, Outlook und verschiedenen Browser-Fenstern hin und her wechseln.
Risiken von Browser-Erweiterungen
Gleichzeitig bergen Browser-Erweiterungen Risiken. Sie greifen technisch tief in den Browser ein, können besuchte Webseiten auslesen, Inhalte auf der Seite verändern und Daten an externe Server übertragen. Sichere Erweiterungen gibt es in offiziellen Stores wie dem Chrome Web Store von Google. „Offizielle Stores reduzieren zwar das Risiko, eine vollständige Sicherheit können sie jedoch nicht garantieren“, warnt ein Sprecher vom Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Auch Google selbst räumt ein, dass trotz Prüfungen weiterhin schädliche Erweiterungen „durchkommen“ können.
Besonders kritisch sind Erweiterungen mit umfangreichen Berechtigungen. Eine weit verbreitete Berechtigung lautet „Auf Ihre Daten für alle Websites zugreifen“. Das BSI warnt: „Mit dieser Berechtigung kann eine Erweiterung den Inhalt jeder besuchten Webseite sowie eingegebene Daten wie Benutzernamen und Passwörter lesen.“ Ein Zugriff, der für viele KI-Funktionen technisch notwendig ist.
Wie real dieses Risiko ist, zeigt ein aktueller Bericht des Sicherheits-Unternehmens Koi Security. Die Forschenden deckten 2025 eine Angriffserie auf, bei der mindestens 18 zunächst harmlose Chrome- und Edge-Erweiterungen nachträglich per Update zu Schadsoftware wurden. Betroffen waren Millionen Nutzerinnen und Nutzer. Besonders problematisch: Viele dieser Extensions galten zuvor als verifiziert, hatten hohe Installationszahlen und gute Bewertungen.
Das zeigt: Weder ein offizieller Store noch viele Nutzerinnen und Nutzer oder ein Verifizierungs-Badge garantieren dauerhafte Sicherheit.
Für Unternehmen bedeutet das, den Einsatz von Browser-Erweiterungen klar zu regeln. Sinnvoll ist es, sich mit dem Team abzustimmen, welche Add-ons erlaubt sind, welche regelmäßig überprüft werden müssen und welche gar nicht eingesetzt werden dürfen. Weniger aber dafür gezielt ausgewählte Tools reduzieren die Angriffsfläche erheblich.
10 KI-basierte Browser-Erweiterungen
Die folgenden Empfehlungen gelten zum Zeitpunkt der Recherche (Ende Januar 2026) als seriös. Trotzdem solltest du die Erweiterungen laufend auf ihre Sicherheit prüfen und Risken bedenken.
Recherchen und Wissensmanagement
Glasp ermöglicht das Markieren, Kommentieren und Sammeln von Inhalten auf Webseiten und in PDFs, ergänzt durch KI-Zusammenfassungen. Das Tool eignet sich für Recherche, Studium und Wissensarbeit. Da Inhalte cloudbasiert gespeichert werden, sollten interne oder vertrauliche Dokumente außen vor bleiben. Chrome Edge Safari
Perplexity dient als KI-gestütztes Recherchetool und liefert Antworten inklusive Quellenangaben. Es eignet sich für Journalistinnen, Analysten und alle, die sich schnell in neue Themen einarbeiten wollen. Die KI ersetzt keine eigene Prüfung, und vertrauliche Informationen sollten nicht eingegeben werden. Chrome
Merlin bündelt viele KI-Funktionen in einer Extension, von Recherche über Schreiben bis zu Zusammenfassungen. Es eignet sich für Power-User, die viele KI-Aufgaben an einem Ort erledigen wollen. Der große Funktionsumfang bedeutet jedoch auch weitreichende Zugriffsrechte, weshalb eine bewusste Nutzung besonders wichtig ist. Chrome
Prozesse automatisieren und beschleunigen
Thunderbit kann Webseiteninhalte automatisch analysieren und daraus strukturierte Daten extrahieren. Die KI erkennt wiederkehrende Informationstypen wie Tabellen, Listen, Preise oder Produktdetails, zieht diese automatisch heraus und strukturiert sie beispielsweise als CSV oder Tabelle. Das spart manuelle Copy-&-Paste-Arbeit bei Datenrecherchen. Chrome Edge
Scribe erstellt Schritt-für-Schritt-Anleitungen direkt aus der Praxis. Die Extension dokumentiert automatisch Klicks, Eingaben und Arbeitsschritte im Browser, zum Beispiel beim Anlegen eines Kunden oder Erstellen eines Reports. Es eignet sich für Onboarding, Support und interne Dokumentation. Aufpassen sollte man, wenn Prozesse sensible Kundendaten oder interne Systeme zeigen, die nicht weitergegeben werden dürfen. Chrome Edge
Bardeen automatisiert wiederkehrende Aufgaben im Browser, etwa Datensammlungen oder einfache Workflows. Das Tool eignet sich für Vertrieb, Operations und Analyse. Aufgrund der weitreichenden Browser-Berechtigungen sollte es nur für klar definierte Zwecke eingesetzt werden. Chrome
Schreiben, Stil und Sprach
DeepL übersetzt Texte direkt im Browser und unterstützt beim Schreiben und Umformulieren in anderen Sprachen. Das Tool eignet sich für alle, die regelmäßig international kommunizieren oder fremdsprachige Inhalte lesen und verfassen. Wer den Korrekturmodus von der DeepL-Website schätzt, sollte wissen: In der Browser-Extension ist er nur eingeschränkt verfügbar. Für Feinschliff und Stilfragen lohnt weiterhin der Blick ins Web-Tool. Vorsicht ist geboten bei sensiblen Texten, da Inhalte zur Verarbeitung an externe Server übertragen werden können. Der klare Funktionsumfang, transparente Datenschutzoptionen und die lange Marktpräsenz machen DeepL zu einem vergleichsweise risikoarmen Standardtool für internationale Teams. Chrome Edge Firexox
Grammarly unterstützt vor allem bei englischsprachigen Texten, indem es Stil, Ton und Verständlichkeit analysiert. Das Tool eignet sich für Berufstätige und internationale Teams. Da Texte cloudbasiert verarbeitet werden, ist Zurückhaltung bei sensiblen Inhalten ratsam. Chrome Edge Firefox Safari
Texte vorlesen lassen
NaturalReader wandelt Texte auf Webseiten, in PDFs oder Dokumenten mithilfe von KI in gesprochene Sprache um. Die Extension eignet sich für alle, die viel lesen müssen und deshalb zur Abwechslung Inhalte hören wollen. Besonders hilfreich ist das Tool auch zum Gegenlesen eigener Texte, da sich Stilbrüche und Unklarheiten beim Hören schneller erkennen lassen. Zu beachten ist, dass gelesene Inhalte je nach Einstellung zur Verarbeitung an externe Server übertragen werden können. Sensible oder interne Texte sollten daher nur mit Bedacht von der Extension vorgelesen werden. Chrome
Meetings
Tactiq transkribiert Online-Meetings in Google Meet, Zoom und MS-Teams in Echtzeit und erstellt Zusammenfassungen und Aufgabenlisten. Es eignet sich für Einzelpersonen und kleine Teams, die Meetings effizient dokumentieren wollen. Gespräche enthalten oft sensible Informationen, daher ist die Zustimmung aller Beteiligten wichtig. Chrome Edge
Alternative ohne Add-ons: Bereits im Browser integrierte KI
Wer KI nutzen möchte, ohne zusätzliche Browser-Erweiterungen zu installieren, kann auf Browser mit integrierter KI setzen. Beispiele sind Microsoft Edge mit dem fest eingebauten Copilot, Opera mit seiner KI Aria oder Brave mit dem Assistenten Leo.
Die KI ist dann Teil des Browsers und kein nachträglich installiertes Add-on. Das reduziert die Anzahl externer Erweiterungen, ändert aber nichts daran, dass Inhalte in der Regel cloudbasiert verarbeitet werden und man Datenschutz sowie Unternehmensrichtlinien weiterhin prüfen muss. „Auch bei integrierten KI-Funktionen gilt: Es sollten keine vertraulichen Daten in KI-Tools eingegeben werden, da diese Informationen zur Weiterverarbeitung auf den Servern des jeweiligen Anbieters landen“, warnt das BSI.
