Führungsebenen abschaffen
Flache Hierarchien: Wie viel Führung braucht der Mensch?

Keine Vorgesetzten, mehr Selbstorganisation: Eine Werkstatt und eine Designagentur verzichten auf klassische Führungsebenen. Was das den Unternehmen bringt – und wo die Grenzen liegen.

6. Juli 2026, 16:13 Uhr, von Maximilian Münster, Redakteur

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Von links: Steffen Scherff, Geschäftsführer Matthias Kemmer, Emelie Joos, Markus Krieg, Lea Weber und Christian Christ von der Firma Kemmer & Hein.
Die Oldtimer-Werkstatt Kemmer & Hein arbeitet im Alltag ohne Führungskraft. Erstes Hilfsmittel: die Magnettafel im Büro.
© Stefan Daub

Revolutionen in der Arbeitswelt erwartet man in den Start-ups der Metropolen, nicht in einem Hinterhof in Speyer und schon gar nicht in einer Werkstatt für Oldtimer. „Kemmer & Hein Fahrzeugrestaurierung“ steht auf einem Schild an der Einfahrt. Der Betrieb repariert und restauriert seit 1994 alte Autos. An einem Dienstag im April müssen sich die Beschäftigten um einen weißen VW Käfer, Baujahr 1966, kümmern und um einen blauen Mercedes 107er aus dem Jahr 1978. Beim Käfer müssen die Bremsen gemacht werden und einige Schweißarbeiten. Der 107er habe Wartungsstau. „Rost am Unterboden, Motorinspektion, Getriebeservice und ein paar Spritschläuche müssen erneuert werden“, sagt die kaufmännische Angestellte Lea Weber, die den Überblick über die Projekte hat.

Die Frage ist: Wer übernimmt welche Aufgabe? Vor allem: Wer entscheidet darüber?

Die Revolution ist: In diesem Unternehmen gibt es keinen Werkstattleiter mehr, der die Aufgaben verteilt, Entscheidungen trifft und Verantwortung trägt. Das Team von Kemmer & Hein organisiert seinen Arbeitsalltag eigenständig. Eine Auszubildende hat genauso viel zu sagen wie ein langjähriger Mechaniker oder der Chef Matthias Kemmer. Ein traditioneller Handwerksbetrieb ohne Hierarchien – das findet man selten.

Hierarchielose Strukturen – ist das die Lösung für das Führungsproblem, unter dem deutsche Unternehmen leiden? Das Meinungsforschungsinstitut Gallup befragt Beschäftigte jedes Jahr, ob sie mit ihrer Chefin oder ihrem Chef zufrieden sind. Im Jahr 2024 waren es 16 Prozent. Ein Tiefstwert.

Wer mit seiner direkten Führungskraft unzufrieden ist, erledigt laut Studie zwar seine Aufgaben, aber oft mehr auch nicht. Beschäftigte machen dann eher Dienst nach Vorschrift und kündigen innerlich, worunter die Produktivität von Unternehmen leidet.


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