Knackende Gelenke in der einen Ecke, zusammengekniffene Augen in der anderen, dann ein kollektiv erleichtertes Ausatmen, gefolgt von „Boah, das war echt nötig.“ Es ist Dienstag, 11.15 Uhr. In einem Konferenzraum der Firma Clausohm in Neverin bei Neubrandenburg haben sich sechs Mitarbeitende zur „Aktiven Pause“ versammelt. Wo sonst über den Stand von IT-Projekten diskutiert wird, dehnen und strecken sich jetzt alle.
Geschäftsführerin Katharina Clausohm, 64, balanciert auf einem Bein. Auch dabei, nicht ganz so souverän balancierend, ist ihr Sohn und Co-Geschäftsführer Heiner Clausohm, 41. Später am Tag wird man auf dem Flur noch Sätze hören wie: „Rückentraining geht gleich los, kommst du?“
Sonst geht es in dem IT-Familienunternehmen eigentlich um Software- und Automatisierungslösungen, die das Team etwa für die Automobilbranche zur Verwaltung von Fahrzeugdaten entwickelt. 2025 lag der Umsatz bei 9,5 Millionen Euro. Doch für Katharina Clausohm ist das nicht alles: „Sowohl physisch als auch psychisch verbindet es uns, gemeinsam Sport zu machen oder zu kochen. Leute sind füreinander da, wachsen zusammen. Warum sollte ich das als Chefin links liegen lassen?“
Aktive Pausen und wöchentliche Rückengymnastik sind nur zwei von vielen Gesundheitsmaßnahmen des Unternehmens: Für die 70 Mitarbeitenden am Standort ist Gesundheitsvorsorge fest im Alltag verankert. In der Woche davor etwa hatte sich die ganze Belegschaft getroffen, um ein gesundes Mittagessen zu kochen, passend zum firmeninternen Monatsmotto: „Du bist, was du isst“. Jeden Montag nehmen zehn Angestellte am Ganzkörpertraining teil. Und Schülerpraktikanten werden ebenso selbstverständlich zur aktiven Pause mitgenommen wie zum Teammeeting.
Prävention als Hebel
„Solch eine Routine ist eher die Ausnahme“, sagt Margit Urban, Beraterin für Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) und Trainerin für gesundes Führen aus Idstein. Viele Unternehmen kümmerten sich erst um die Gesundheit der Mitarbeitenden, wenn sie schon mitten in der Krise stecken, sprich: wenn der Krankenstand zu hoch ist. „Handlung kommt meist erst aus Schmerzempfinden“, sagt sie.
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