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Früher war Bettina Lettmairs Arbeit teilweise geradezu stupide. Aus allen Bestellungen, die per E-Mail eingingen, musste sie manuell diverse Details heraussuchen und in ein Ordersystem übertragen: Kunden-, Artikelnummern, Bestellmengen und so weiter.
„Eigentlich habe ich Daten von links nach rechts kopiert. Spaß hat das nicht gemacht“, sagt sie. Die 36-Jährige arbeitet im Vertrieb der Firma Ludwig Meister in Dachau, einem technischen Händler mit knapp 300 Angestellten, der vor allem Maschinenbauer mit Teilen etwa für Kugellager oder Zerspanungstechnik beliefert.
Heute öffnet sie an ihrem Arbeitsplatz Outlook, das E-Mail-Programm, und sieht dort eine zusätzliche Randspalte. Die gehört zu LM Magic Orders, ein KI-gestütztes System. Auf ihrem Bildschirm kann Lettmair darin live verfolgen, wie das Programm automatisch aus allen per Mail eingehenden Bestellungen die Daten extrahiert und zusammenfasst.
LM Magic Orders hat das Unternehmen selbst entwickelt. LM steht für Ludwig Meister. Und „Magic“, weil Lettmairs Arbeit scheinbar wie von selbst erledigt wird.
Die Vertrieblerin ist nur noch die letzte Kontrollinstanz. Hat das Programm einen Auftrag fertig bearbeitet, checkt sie das Ergebnis, bevor sie es freigibt. Lettmair sagt, für sie sei das Tool „wie der Wechsel vom Fahrrad in ein Auto“. Sie spare enorm viel Zeit, die sie nun für persönliche Kundenkontakte nutzen kann, echten Service.
Zwei Jahre, mehr als 40 Projekte
Ludwig Meister zeigt beispielhaft, welche Effizienzgewinne möglich sind, wenn Firmen konsequent ihre Prozesse automatisieren. Die Geschwister Elisabeth (46) und Max Meister (43), die das Unternehmen in dritter Generation führen, treiben seit mehr als zehn Jahren die Digitalisierung voran.
Der Einsatz von KI spielt dabei eine immer größere Rolle. Allein seit Mitte 2024 haben die Meisters mehr als 40 KI-Projekte angestoßen, mit dem Ziel, Prozesse zu automatisieren.
LM Magic Orders ist nur ein Beispiel unter vielen. In den Lagerhallen von Ludwig Meister etwa legen 37 fahrende Roboter eingegangene Ware in Regalen ab, und sobald ein Kunde sie bestellt, entnehmen sie die Teile wieder aus den Tiefen gestapelter Kunststoffbehälter. Menschen sind hier nur noch wenige zu sehen.
Das sind große Projekte, die Ludwig Meister nur umsetzen kann, weil das Unternehmen eine 14-köpfige IT-Abteilung hat. Und teils geht es nicht ohne externe Partner, wie bei den Lager-Robotern.
Doch das Gros der Vorhaben ist weniger aufwendig, wird von den Teams in den Abteilungen mit nur wenig Unterstützung der IT-Leute umgesetzt. Zum Beispiel das automatische Erstellen von Blogbeiträgen im Marketing oder die Erfassung von Belegen in der Finanzbuchhaltung. Mehr als 90 Prozent aller Automatisierungslösungen im Unternehmen seien selbst entwickelt, sagt Max Meister.
Erfolgreich automatisieren: die Grundregeln
Das hilft dem Unternehmen, im Wettbewerb zu bestehen. Der Umsatz stieg von 2019 bis 2025 um gut 20 Prozent auf 121 Millionen Euro, bei 2,4 Millionen Euro Gewinn. Bis 2034, sagt Max Meister, wollen sie den Umsatz verdoppeln – ohne Neueinstellungen, aber mit noch mehr automatisierten Prozessen.
Was einem Mittelständler wie Ludwig Meister mit seinen knapp 300 Angestellten gelingt, ist auch Kleinunternehmen möglich. Notwendig sind Know-how und gut strukturierte Daten.
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