Tools zur Prozessautomation
Prozesse automatisieren: So klappt’s ohne Tool-Chaos und teure Fehler

Mit Programmen wie n8n oder Make lassen sich wiederkehrende Prozesse rasch digitalisieren. Welches Tool was kann und wie du typische Fehler beim Start vermeidest. Plus: Automatisierungs-Glossar.

25. Februar 2026, 16:44 Uhr, von Kathrin Halfwassen, Redakteurin

Ein Gewirr bunter Röhren auf gelbem Hintergrund.
© Andriy Onufriyenko / Getty Images

Automatisierung – das klingt nach Großprojekt. „Es gibt inzwischen aber mehrere Tools, mit denen auch kleine Unternehmen ohne tiefes IT-Wissen automatisieren können“, sagt Ines Schwarz, ­KI-Beraterin aus Köln. Bekannte Anwendungen heißen n8n, Make, Zapier und Power Automate. Es sind sogenannte „Low-Code“- oder „No-Code“-Programme: Wer sie nutzt, muss wenig bis gar nicht programmieren können.

So funktionieren die Tools

Alle Anwendungen folgen einem ähnlichen Prinzip: Auf einer grafischen Oberfläche lassen sich Prozesse abbilden, dazu Software wie E-Mail-Programme und CRM-Systeme mit dem Tool verknüpfen sowie KI-Anwendungen und -Agenten integrieren. „Jeder Arbeitsschritt, den ein Mensch machen würde, kann als Funktion hinterlegt werden“, erklärt Expertin Schwarz. In Sachen Sicherheit sei n8n im Vorteil: Es sei ein deutsches Unternehmen, das Tool lasse sich auf eigenen ­Servern nutzen, sensible Daten könnten so datenschutzkonform verarbeitet werden.

Beim Start in die Automatisierungspraxis machen Unternehmer und Unternehmerinnen laut Schwarz aber oft einige typische Fehler. So vermeidest du sie.

Häufige Fehler beim Start in die Automatisierungspraxis:

Fehler 1: Aus Scheu spät loslegen

Viele Menschen fürchten laut Schwarz, sich mit einem Automatisierungstool die eigene Technik zu zerschießen. „Dem ist aber nicht so. Schließlich geben Nutzer und Nutzerinnen, ­gerade zu Beginn, bei den allermeisten Automatisierungen nur einzelne Funktionen frei.“ Etwa, um dem Tool zu erlauben, die Mails im Posteingang zu lesen oder ein einzelnes Excel-Sheet zu verändern. „Klar ist: Die Entwicklungen in Sachen KI-gestützte Automatisierung sind rasant – und die Konkurrenz wird automatisieren. Wer am Markt bleiben will, muss die Scheu ablegen.“

Ihr Tipp: Schaffe dir zum Start eine Test­umgebung, etwa mit einem extra Mail­account sowie Testdokumenten und Datensammlungen ohne sensible Informationen.

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Fehler 2: Sich verzetteln

„Wer mal hier schaut, mal da testet, verschwendet schnell viel Zeit“, sagt Schwarz. Besser sei es, genau zu überlegen, welches Tool zu dem passe, was das eigene Unternehmen brauche. Und dann in dieses Tool Lernzeit zu investieren.

Wer die Programme durchdringen und ein Gespür dafür entwickeln wolle, was alles gehe, müsse dafür einige Stunden und bis Tage einplanen. „Make funktioniert so simpel wie Lego. Verglichen damit ist n8n technisch komplexer, dafür lassen sich Prozesse umfassender individualisieren und skalieren“, so Schwarz.

Auch über das neue Angebot „Workflows“ der deutschen Plattform Langdock lassen sich mehrstufige Prozessketten abbilden – allerdings bietet es aktuell weniger Anbindungsoptionen und Funktionen als andere Tools. „Die Stärke von Langdock liegt vor allem in der Orchestrierung mehrerer KI-Agenten. Für den Einstieg eignen sich n8n und Make besser“, sagt Schwarz.

Fehler 3: Zu ambitioniert starten

„In der Praxis sehe ich: Viele sind so begeistert von den Möglichkeiten, dass sie mit dem komplexesten Prozess anfangen“, sagt Schwarz. Es sei aber wie beim Tanzen: Schon wenn die grundlegenden Schritte klappen, bringe es Spaß; ausgefeilte Choreografien seien die Kür. „Das allermeiste lässt sich mit ein­fachen Automatisierungen nach dem ‚Wenn-­dann-Prinzip‘ erledigen“, sagt Schwarz.

Zwischengeschaltete KI brauche es erst, wenn ein Prozess Schritte enthalte, die Spielräume ließen – etwa Recherche- und Textarbeiten. „Die so gehypten Agenten sind meiner Ansicht nach aktuell eher ­etwas für technisch versierte Leute. Wer damit komplexe Prozesse automatisieren will, muss sie präzise instruieren und konfigurieren – und braucht für einen Prozess oft mehrere Agenten, damit die Ergebnisse gut werden.“

Fehler 4: Zu streng mit sich sein

„Viele sitzen dem Irrglauben auf, mit KI müsse alles ganz fix klappen. Tatsächlich aber ist die erste Version eines digitalisierten Prozesses immer ein bisschen mies“, so die Beraterin. Es sei normal, Fehler suchen zu müssen, nachzubessern – oder alles noch einmal von vorn aufzusetzen. „Aber wie bei allem Neuen gibt es eine Lernkurve. Und bei der Prozessautomatisierung ist die bei den allermeisten sehr steil“, so Schwarz.

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Ihr Tipp: Den gewünschten Prozess zunächst auf Papier oder mit digitalen Notizen im Tool vorplanen. „So merkst du, wo es unklar wird, wo Daten fehlen oder ein Schritt genauer definiert werden muss. Dann kannst du vorab nachbessern. Und das macht die tatsächliche Automatisierung unendlich viel einfacher.“

Die 4 bekanntesten Tools im Schnell-Check

Die Profi-Plattform: n8n

Für wen: Unternehmen, die umfassend automatisieren wollen.

Vorteile: Neben dem visuellen Workflow-Editor gibt es umfangreiche Optionen, Funktionen und Schnittstellen zu programmieren. Das ­erlaubt eine sehr individualisier- und skalierbare Automation.

Datenschutz-Optionen: Stark. Die Cloud-Version speichert Daten in einem Rechenzentrum in Frankfurt a. M. Daneben kannst du n8n auf selbst gewählten Servern betreiben – oder, als einziges der vier Tools, komplett in deiner eigenen IT-Umgebung („self-hosted“).

Kosten: Abgerechnet werden komplette Durchläufe von Prozessen („Executions“). „Starter“ (n8n-Cloud, 2500 Executions) ab 20 Euro/Monat, „Business“ (self-hosted, 40.000 Executions) ab 667 Euro/­Monat (jeweils bei jährlicher Abrechnung). Dazu die kostenlose ­Community Edition (self-hosted, aufwendiger bei Betrieb/Updates).

Die bequeme Variante: Make

Für wen: Unternehmen, die sehr schnell automatisieren wollen.

Vorteile: Mit Make lassen sich Automationen auch mit sehr geringem Know-how erstellen. Das Tool bietet vorkonfigurierte Verbindungen zu mehr als 3000 weiteren Apps und Diensten.

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Datenschutz: Mittel. Daten liegen auf Servern von Amazon Web ­Services (AWS) in den USA, es sind aber Server in der EU auswählbar.

Kosten: Abo-Modell mit Kontingent an „Credits“ und Datenvolumen. Ein Credit ist meist ein Schritt im automatisierten Prozess. 1000 Credits und 512 MB Datentransfer/Monat kostenlos; ab 9 Euro 10.000 Credits und 5 GB/Monat (jeweils jährliche Abrechnung).

Der Microsoft-Fanartikel: Power Automate

Für wen: Unternehmen, die stark auf Microsoft-365-Dienste setzen.

Vorteile: Automationen zwischen Microsoft-Diensten sind leicht zu bauen. Zudem ist „Robotic Process Automation“ möglich: Bots können Klicks und Eingaben von Menschen nachahmen – so lassen sich auch ältere Programme einbinden, die keine Schnittstellen haben.

Datenschutz: Mittel. Datenverarbeitung in der Region der Power-Platform-Umgebung („Environment“), etwa der EU. Es gibt Datenschutz- und Compliance-Unterlagen und EU-Standardvertragsklauseln für Datentransfers – DSGVO-konforme Nutzung ist möglich.

Kosten: ab 13 Euro pro User im Monat (jährliche Abrechnung).

Der Schnittstellen-Riese: Zapier

Für wen: Unternehmen, die sich viele vorkonfigurierte, integrierte Schnittstellen zu anderen Apps und Diensten wünschen.

Vorteile: Auch hier lassen sich Automationen („Zaps“) über einen visuellen Editor ohne Programmiercode zusammenfügen. Es gibt mehr als 8000 fertige Anbindungen zu anderen Diensten.

Datenschutz: Zweifelhaft. Zapier speichert Daten auf AWS-Servern in den USA. 2025 wurde ein Sicherheitsvorfall öffentlich.

Kosten: Abhängig von der Zahl der „Tasks“: Ein Task entspricht einem ausgeführten Prozessschritt. 100 Tasks/Monat gratis, 750 Tasks ab ca. 17 Euro, 5000 ab 77 Euro.

Automatisierungs-Glossar

Node-was? Wenn du die folgenden Begriffe kennst, führst du souveränere Gespräche mit Entwicklern und automatisierst leichter.

Node

Der zentrale Prozessbaustein in n8n. Mit jedem Node wählst du eine „Operation“, also den konkreten Schritt, der ausgeführt werden soll.

Workflow

Der digital abgebildete Prozess, der sich durch mehrere miteinander verbundene Nodes ergibt.

Trigger

Der Auslöser, der einen Prozess startet. Der Trigger kann ein definierter Zeitpunkt sein („8 Uhr morgens, täglich), ein Ereignis sein („neue Anfrage im Formular“) oder auch ein manueller Klick (etwa in der Testphase).

Item

Einzelne Datenpakete, die von Node zu Node weitergereicht werden – etwa eine E-Mail mit Absender, Betreff, Text und Anhang-Links.

API/Connector

Technische Schnittstelle, über die Systeme ­Daten tauschen. Brauchst du, um in Workflows zum Beispiel ERP, CRM oder Mail-Tools anzubinden (oft über vorkonfigurierte Integration-Nodes oder HTTP-Request Nodes).

Condition

Regel, die darüber entscheidet, ob oder wie der Workflow weiterläuft. Typisch etwa im ­„If“-Node nach der Wenn-dann-Logik.

Loop over Items/Iteration

Wiederholungsschleife, um mehrere Daten­sätze nacheinander zu verarbeiten, also beispielsweise jede Position auf einer Rechnung.

Webhook

Technische Schnittstelle, über die externe ­Systeme Daten an n8n senden und Workflows auslösen können. n8n erzeugt dafür zum ­Beispiel Test- und Production-URLs.

Error Handling

Regeln, die festlegen, was passiert, wenn Fehler auftreten – der Plan B. Etwa: „Bei Fehler E-Mail an XY senden“.

Templates

Vorlagen für Workflows, die n8n und die n8n-Community bereitstellen und die du abspeichern und individuell anpassen kannst. Die ­Bibliothek umfasst mehrere Tausend Templates.

JSON

JSON ist ein Textformat für Daten. Du kannst Workflows in Form einer JSON-Datei expor­tieren, etwa als Backup oder um sie weiterzugeben. Umgekehrt kannst du Workflows ­damit auch importieren.

Execution-Log

Der komplette Durchlauf eines Workflows heißt Execution. Im Execution-Log wird jeder Schritt dokumentiert, und du kannst sehen, ob ­alles geklappt hat oder an welcher Stelle ein Fehler passiert ist.

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