Selbstmanagement
Working Moms: 10 Dinge, die sie nicht hören wollen

Ein Twitter-Dialog brachte impulse-Bloggerin Béa Beste auf die Idee, alles zu sammeln, was "Working Moms" lieber nicht von Vorgesetzten, Mitarbeitern oder Kunden hören wollen. Diese Patzer sollten sie in der Zusammenarbeit mit arbeitenden Müttern vermeiden.

7. Juli 2014, 09:43 Uhr, von Béa Beste

© tollabox.de

Dieser Blogpost ist inspiriert von einem Twitter-Dialog, den ich abfing:
@werdenundsein: Meine Lieblingsfrage, wenn ich erzähle, dass ich arbeite: „Und die Kinder?!“ #Vereinbarkeit
@Mamatanzt: „Arbeiten im Bergbau.“ Hab ich tatsächlich mal gesagt. :)

Ich kam auf die Idee, in einigen Social Media Kanälen zu fragen, was berufstätige Mütter an Äußerungen zu diesem Thema auf die Nerven geht.  Auf meine Frage nach den Dingen, die Working Moms nicht hören wollen, bekam ich über 400 Antworten. Ich habe in ein Wespennest gestochen.

Was sich hier lustig anhört, zeugt von viel Frust. Den müssen erwerbstätige Mütter ständig herunter schlucken. Ich gehe übrigens davon aus, dass ich an dieser Stelle keine Vorurteile abbauen muss – sondern lediglich helfe, einige Unbeholfenheiten auszumerzen. Wer erst davon überzeugt werden muss, dass Mütter wertvolle Arbeitskräfte sind, sollte einen anderen Blogpost, der hier erschienen ist, lesen. Für alle anderen, die es gut meinen und richtig machen wollen, kommt hier die Top 10 Liste der Patzer, die eine Frau, die Beruf und Familie in Einklang bringen will, nur demoralisieren und unnötig ärgern – mit Erklärung und, wenn angebracht, einer respektvollen Ersatzfrage oder einem respektvollen Ersatzstatement:

1. Eigentlich schon der Begriff „Working Mom“ – oder „arbeitende Mutter“

Ich weiß. Steht im Titel. Schon mal was von SEO gehört? Richtig, diese Gedanken sollen mit Hilfe von Suchmaschinen gefunden werden können.

Eigentlich ist dieser Begriff unfair. Es ist auch Arbeit, wenn man Kinder großzieht und den Haushalt schmeisst … (Übrigens, beim Thema Hausfrau lauert eine andere Falle, und die nennt sich „Dem Mann den Rücken frei halten“. Ganz großer Patzer, aber das ist heute nicht das Thema.) Das Fazit hier bringt Isa Grüterin alias @hauptstadtmutti auf den Punkt: „Wir sind doch normale Frauen, die einfach Kinder haben.“ Schreiben Sie sich das hinter die Ohren.

2. „Wie bringen Sie Ihre Familie und den Job unter einem Hut?“
Abgesehen davon, dass die Redewendung ein alter Hut ist: Stellen Sie sich mal vor, das würde jeder Vater gefragt! Wenn eine Frau sich entschieden hat, zu arbeiten, hat sie sich alles zu Kinderbetreuung und Arbeitszeiten gut überlegt. Wenn Sie wirklich neugierig sind, fragen sie besser genau danach – ohne Unterton bitte: „Wie organisieren Sie sich mit Beruf und Familie?“ Sie erfahren auch ganz nebenbei, welches Logistik-Talent Sie gerade vor sich haben.

3. „Wie schaffst du das nur?“ oder „Wie machen Sie das?“
Ähnlich zu Punkt 2, hier steckt aber weniger Inquisition drin. Oben schwingt schon der Unterton mit, dass es eigentlich unmöglich ist. Hier ist mehr Bewunderung und Verblüffung drin – eigentlich ein Kompliment. Trotzdem: Besonders Andera Gadeib will das nicht mehr hören. 3 Kinder und 3 Firmen wuppt die Unternehmerin, die als @anderagadeib twittert und unter www.trudy-talks.de bloggt.  Das scheint außerhalb der Vorstellungskraft Vieler zu liegen. Gadeib: „Viel lieber würde ich ein <Herzlichen Glückwunsch> hören, wie man es in den USA meist als Erstes hört. Kein Unverständnis sondern Freude an der Selbstwirksamkeit. Meine Antwort inzwischen auf die Frage, die ständig kommt: „Ich versuche nicht ständig perfekt zu sein!“

4. „Wozu bekommt man eigentlich Kinder, wenn man keine Zeit mit ihnen verbringen möchte?“
Den bekommt Frau seltener direkt ins Gesicht geklatscht, der wird eher getuschelt. Vergessen Sie nicht, Mütter haben sensible Ohren und sind besoderes trainiert, Getuschel zu verstehen. Diese Frage ist eine pure Unverschämtheit, und eine gemeine dazu. Macht sich in der Ich-Formulierung auch nicht besser:

5. „Für mich wäre das nichts, so wenig bei meinem Kind zu sein.“
Dies kommt eigentlich gehäuft von Menschen, die gar keine Kinder – also auch keine Ahnung haben. Gern auch als Zukunftsvision geäußert: „Wenn ich mal Kinder kriege, dann will ich mich auch selbst um sie kümmern!“ – „Als kümmere ich mich nicht“, meint Twitterin @alasKAgirl26. Von Menschen mit Kindern, insbesondere älteren Jahrgängen, kommt eher „Hast du manchmal ein schlechtes Gewissen? Die Kinder brauchen dich doch!“ Das stellt Christine Finke fest, deren Blog sehr eingängig heißt: Mama arbeitet. Auch Äußerungen wie „Tagesmutter kam für mich nicht in Frage“ sind fehl am Platz. Und „Also mir war Karriere noch nie so wichtig!“ findet die Bloggerin „Muttis Nähkästchen“ ziemlich provozierend.

6. „Und wie kommen deine Kinder mit der Fremdbetreuung klar?“
Das kann wirklich Interesse ausdrücken, nicht? Was befremdet ist die kleine Präposition vor der Betreuung: Fremd. „Als wenn im Kindergarten oder Hort lauter Fremde arbeiten würden … “ stellt die dreifache Mutter Sophie Lüttich fest, die als @NetWorkingMom tweetet und bloggt (www.networkingmom.de)

7. „Schaffen Sie das denn auch, mit den Kindern und so?“
Vorzugsweise wird das im Zusammenhang mit Projekten oder neuen Jobs gefragt. Hier schwingt auch ganz viel Unterstellung mit, finden Sabrina vom vereinbarkeitsblog.de und Ulrike Sosalla, die als @DenkenistLuxus tweetet. Auch hier gebe ich Ihnen die Empfehlung, neutraler zu fragen und echtes Interesse zu zeigen, wie bei Punkt 1.

8. „Wir haben das Meeting auf 17:00 verschoben, das ist doch kein Problem, oder?“
Doch, das ist ein Problem. Achten Sie einfach bei allen Kollegen und Mitarbeiter auf die vereinbarten Arbeitszeiten. Egal ob sie Teilzeit arbeiten, weil sie Kinder haben, kranke Angehörige oder einem Künstlerjob nachgehen. Praktische Einmischungen wie: „Warum melden Sie Ihre Tochter nicht im Hort XY an? Da kann sie bis 18 Uhr bleiben!“ sind da bei Anette Göttlicher von http://goefot.wordpress.com NICHT willkommen.
Noch eine Spur unfairer sind solche Aussagen:

9. „Du bist ja nie da.“
Was sich hier wie ein eifersüchtiger Ehemann oder nöliges Kind anhört, gibt es tatsächlich auch von einfühlungsarmen Kollegen. „Als ich offiziell 30 h / Woche arbeitete, de facto 40“ ergänzt eine Mutter fast mit Resignation. Und auch die Twitterin @schrumberger findet Sprüche der Sorte: „Sie, mit Ihrer VERKÜRZTEN Arbeitszeit…!“ ziemlich unmöglich.

10. „Meinst Du nicht, dass Du mit 3 Kindern schon genug zu tun hast? Dein Mann verdient doch genug Geld!“
Schon mal davon gehört, dass Arbeit auch eine Zufriedenheitsquelle sein kann? Simone von www.kiko-slevents.de gehen solche Fragen extrem auf den Keks. Mutmaßungen zu Familieninterna und Motivation zu Arbeiten gehen gar nicht. Eine andere Mutter gibt eine ähnliche Genervtheit wieder: „Als geschiedene Alleinerziehende mit mehreren kleinen Kindern zu hören <Wieso arbeitest du denn, dein Ex zahlt doch?!> …  NEIN, der zahlt(e) noch nie und tut auch sonst nichts für die Kinder, ich arbeite also für den Lebensunterhalt. Und Spaß macht es auch noch!“

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Liebe Chefs, Kollegen, Mitarbeiter, Kunden und andere Menschen, die mit Müttern zu tun haben, jetzt sind Sie hoffentlich sensibilisiert genug. Wenn Sie sonst noch wissen wollen, was für ein Mega-Job berufstätige und nicht berufstätige Mütter zu Hause leisten, schauen Sie sich diese Jobbeschreibung „Mutter“ an. Dann wissen Sie Bescheid.

Den lustigsten Tweet zum Thema habe ich von @werdenundsein abgefangen:
Okay, wer von euch war das? Suchbegriff im Blog: „Mama geht arbeiten und alle heulen rum“

In diesem Sinne: Lasst uns alle weniger heulen und mehr Respekt zeigen!

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