Totschlagargumente 6 Killerphrasen, die jeden kreativen Mitarbeiter ausbremsen

Wer im Betrieb niedergemacht wird, weil er eine Idee hat, verliert die Motivation. Welche Phrasen sich Chefs verkneifen sollten und wie es besser geht, erklärt die Führungsexpertin Anne M. Schüller.

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Totschlagargumente

© knallgrün/photocase

Für fast jede Lebenslage kennen wir eine Phrase, eine abgegriffene, hohle Aussage. Ermunterungen wie „Kopf hoch“ drücken immerhin noch einen Hauch von Empathie aus. Doch im beruflichen Alltag gibt es Sätze, die gar zerstörend und demotivierend sind. „Killerphrasen“ werden diese genannt. „Zu hören bekommen diese oft Mitarbeiter, die noch nicht lange im Betrieb oder im Beruf sind“, sagt Anne M. Schüller, Business Coachin und Buchautorin.

Mit Phrasen würgen Vorgesetzte (gelegentlich auch Kollegen) Anregungen und Verbesserungsvorschläge ab, schützen ihre Privilegien oder Routinen – und diskreditieren schlimmstenfalls ihr Gegenüber. „Anstatt den Mitarbeiter wertzuschätzen, dass er sich Gedanken macht, wird er lächerlich gemacht“, beschreibt Anne M. Schüller den Alltag in vielen Unternehmen.

Doch ein Beschäftigter, der als dummer August gebrandmarkt wird, überlegt sich künftig zweimal, ob er eine Idee vorträgt. Er sagt sich: „Hier kann ich eh nichts bewegen.“ Und genau davor warnt Coachin Schüller. Denn wenn kreative Mitarbeiter ausgebremst werden, kündigen sie schnell innerlich oder verlassen das Unternehmen gleich ganz.

„Angesichts des Fachkräftemangels kann kein Unternehmer dieses Risiko eingehen“, so Schüller. Sie verweist darauf, dass junge Leute von heute oft exzellent ausgebildet sind und zwangsläufig mit guten Ideen aufwarten. „Darauf zu verzichten, wäre fahrlässig.“

In ihrem aktuellen Buch „Bahn frei für Übermorgengestalter“ hat Anne M. Schüller 18 gefürchtete Killerphrasen aufgelistet und bietet alternative Antworten. In impulse stellt sie sechs Sätze aus der Phrasenhölle vor und zeigt, wie man besser kommuniziert:

1. „Das haben wir hier schon immer so gemacht.“

Fast jeder dürfte diesen Satz in seiner beruflichen Laufbahn schon einmal gehört haben. Damit bügelt ein Vorgesetzter jede Diskussion ab – und frustriert Mitarbeiter, die sich Gedanken gemacht haben. Doch ein Prozess, der früher perfekt gewesen sein mag, kann schon morgen nicht mehr funktionieren. Wir können oft nicht einmal mehr mit Methoden aus den Nullerjahren die Aufgaben des Jahres 2023 meistern, dafür ist das Tempo der Veränderung zu hoch. Es braucht immer die beste Handlungsweise für die jeweilige Zeit.

Das ist die Alternative: „Für die Vergangenheit war das die goldrichtige Lösung. Lasst uns jetzt darauf aufbauen und gemeinsam schauen, wie wir uns in Zukunft weiterentwickeln können.“

Der Effekt: Ein Vorgesetzter demonstriert erst einmal, dass das Unternehmen mit einer Strategie erfolgreich geworden ist – zeigt sich gleichzeitig offen für Veränderungen.

Das Buch

In ihrem neuen Buch „Bahn Frei für Übermorgengestalter“ gibt die Anne M. Schüller „25 Quick Wins für Innovatoren und Zukunftsversteher“. Es geht um Herausforderungen wie Klimarettung, Change und Ideenmanagement. Die Managementexpertin will mit 100 Aktionsbeispielen Mut machen für kühnes Denken. Das Buch ist im Gabal Verlag erschienen und kostet 24,90 Euro.

2. „Das haben wir hier noch nie so gemacht.“

Das ist der schlimmere Bruder der vorherigen Phrase, weil ein geradezu toxischer Satz. Ging es zuvor noch darum, Bewährtes zu erhalten, soll mit diesem Satz jegliche Veränderung im Keim erstickt werden. Neuland zu betreten, ist vielerorts ein Problem, denn Neues bedeutet Veränderung – und davor haben viele Angst. Man verweist deshalb schnell auf die gesamte Branche, die so etwas noch nie gemacht habe.

Doch das ist fatal: Kunden interessieren sich nicht für den Branchendurchschnitt, sie wollen immer das aktuell Bestmögliche, ob Produkt oder Dienstleistung. Wer im Wettbewerb bestehen will, muss deswegen immer Neues kreieren und, jenseits der Standards, nach vorne denken– denn Kunden mögen Neues meist lieber als Altes. Entsprechend müssen Unternehmer auch ihre Strukturen anpassen und modern halten.

Das ist die Alternative: „Gerade, WEIL wir es so noch nie gemacht haben, sollten wir es einmal ausprobieren. Was geht denn schon mal?“

Der Effekt: Im Unternehmen entsteht eine Kultur des Ausprobierens. Selbstverständlich schlummert hier immer auch die Gefahr des Scheiterns, aber vielleicht funktioniert immerhin ein Teil des Plans, und man hat die Chance, am Rest zu arbeiten. Aber nur durch solche mutigen Versuche kommen Unternehmen weiter. Früher wurden Vorgesetzte daran gemessen, wie genau sie einmal getroffene Beschlüsse umgesetzt haben – egal, ob sich unterdessen die Bedingungen geändert hatten. Davon müssen sich Unternehmer verabschieden. Sie müssen ihren Leuten die Gestaltungsfreiheit geben.

3. „Das ist hier historisch so gewachsen.“

Der Satz geht in Richtung der Nummer eins. Auch hier gilt: Eine Strategie, mit der man früher auf dem Markt erfolgreich war, muss doch nicht für die Ewigkeit gelten. Produkte, die einst stark nachgefragt wurden, können auf Dauer ihre Begehrlichkeit verlieren.

Das ist die Alternative: „Wir waren auf unserem Gebiet einst Pioniere. Gerade deshalb müssen wir jetzt versuchen, wieder etwas Neues, Frisches zu wagen.“

Der Effekt: Man verrät seine Historie nicht, passt sie stattdessen der neuen Zeit an. Der VW Golf ist seit Erstvorstellung 1974 von seinem Charakter ein zuverlässiges Kompaktauto geblieben – auch, wenn die mittlerweile achte Generation des Modells selbstverständlich den Erfordernissen der Zeit angepasst worden ist. Hier wird eine traditionelle Marke mit der modernen Zeit verbunden. Anders wäre der Golf nie so ein Erfolgsprodukt geworden.

4. „Das wird so nie funktionieren.“

Damit drücken Vorgesetzte letztlich nur Angst vor Neuem aus, denn das Alte bietet Sicherheit. Benutzt wird der Satz von denjenigen, die das Immergleiche als Komfortzone ansehen. Da geht man auf Nummer sicher, hat keinen Anpassungsdruck oder den Zwang, sich über etwas Gedanken zu machen.

Das ist die Alternative: „Wie könnte es denn funktionieren? Was braucht es, damit die Idee auch tatsächlich in der Praxis umgesetzt werden kann? Könnte vielleicht eine andere Abteilung von dem Ansatz profitieren? Wer möchte das einmal testen?“

Der Effekt: Der Satz ist wertvoll, weil er viele Gestaltungsmöglichkeiten bietet. Man muss nicht sofort an das große Ganze denken, sondern kann im Kleinen ausprobieren, ob eine Idee möglicherweise zunächst für Teilbereiche des Unternehmens tauglich ist.

5. „Es steht uns nicht zu, das zu ändern.“

Damit macht man sich selbst klein und schiebt die Verantwortung an eine „höhere Instanz“. Das können Vorgesetzte sein, aber auch Betriebsräte oder Arbeitsgesetze, die angeblich irgendetwas nicht gestatten, ohne dass diese dem Vorgesetzen en Detail bekannt sind. Gerade vor den Gesetzen hat jeder Respekt – zack, ist das Thema deswegen schnell vom Tisch, der Ideengeber ist mundtot gemacht.

Das ist die Alternative: „Wer sagt denn, dass wir das nicht ändern dürfen? Nennen wir doch mal Ross und Reiter! Sind es Betriebsrat? Die Compliance Abteilung? Irgendein Gesetz? Unser Chef? Gehen wir dorthin und fragen genau nach!“

Der Effekt: Das Team untersucht die vermeintlichen Spielregeln. Und bestenfalls stellen die Mitarbeiter dabei fest, dass es gar keine so strengen Vorgaben gibt wie angenommen, dass man erstaunlich viel Spielraum hat. Oder sollte man herausfinden, dass irgendwer im Betrieb bestimmte Regeln aufgestellt hat, gibt es nun die Möglichkeit, mit ihm darüber zu reden.

6. „Was du vorschlägst, ist naiv.“

Derart eine Idee abzubügeln, ist beleidigend. Selbst wenn es naiv ist, was der Praktikant oder Auszubildende äußert, weil er es nicht besser wissen kann, sollten Vorgesetzte ihre Mitarbeiter nicht auf eine so übergriffige Art und Weise abblocken. Die Führungskraft wechselt so von der sachlichen auf die emotionale Ebene – und blamiert sich deswegen. Es müssen immer die Sachargumente im Vordergrund stehen.

Das ist die Alternative: „Danke für dein Engagement. Das klingt auf den ersten Blick überraschend. Lass uns gemeinsam mit den Kollegen mal schauen, ob im Kern da etwas drinsteckt, was uns weiterbringt.“

Der Effekt: Die Mitarbeiterin oder der Mitarbeiter wird respektvoll behandelt. Und wenn sich Führungskräfte die Offenheit bewahren, mit einem unverstellten Blick aufs Unternehmen zu schauen, vermeiden sie Betriebsblindheit.

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