Autobiografie des Rossmann-Chefs 9 verblüffende Fakten über Dirk Roßmann

Dirk Roßmann Autobiographie-Cover

Spricht gern – und schreibt noch besser: Dirk Roßmann hat gerade seine Autobiographie veröffentlicht.© © NOVUM/Walter Schmidt/Rossmann

In seinem Buch erzählt Vorzeige-Unternehmer Dirk Roßmann von Roulette-Verlusten, Beinahe-Bankrott und Psychotherapie. 9 überraschende Fakten aus seiner Autobiografie.

1. Mit 12 betätigt sich Roßmann bereits als Unternehmer

Als Dirk Roßmann 12 Jahre alt ist, kauft er der Mutter, die eine Drogerie besitzt, Waren ab – mit zehn Prozent Nachlass. In der Speisekammer richtet er ein kleines Lager ein und besucht Nachbarn, um ihnen sein Geschäftsmodell zu erklären: Immer donnerstags würde er Bestellungen aufnehmen, freitags die Drogerieartikel mit dem Fahrrad ausliefern. Gesagt, getan. Bald macht das Ein-Mann-Unternehmen 500 Mark Gewinn im Monat. Roßmann macht Bruder Axel zum ersten Mitarbeiter – heute beschäftigt er mehr als 50.000 Menschen.

2. Aus Protest gegen seine Einberufung klettert Roßmann auf eine Eiche

Mit 18 ist Roßmann bereits der Ernährer der Familie, führt zusammen mit seiner rheumakranken Mutter Hilde die familieneigene Drogerie – an dem, was diese abwirft, hängt das Leben von fünf Menschen. Als der Einberufungsbescheid kommt, legt Roßmann Widerspruch ein. Nachdem dieser abgelehnt wurde, zieht Roßmann vor Gericht, verliert – und geht mit seinem Anwalt in Revision. Zur Bundeswehr muss er trotzdem. Wegen seiner Widerspenstigkeit landet er für vier Wochen in der Psychiatrie, wo Ärzte seine Zurechnungsfähigkeit testen sollen. Als er für gesund befunden und entlassen wird, klettert Roßmann aus Protest in Ausgehuniform auf den höchsten Baum der Umgebung. Nach sechs Stunden holt ihn ein Feuerwehrmann aus 20 Metern Höhe, Roßmann wird aus dem Militär entlassen – und kann zurück in die heimische Drogerie.

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3. Am Eröffnungstag macht Roßmann einen halben Monatsumsatz

Am 17. März 1972 eröffnet Roßmann seinen ersten Drogeriemarkt in Hannover – damals der erste mit Selbstbedienung deutschlandweit. Der Unternehmer ist 25 Jahre alt, hat vor der Eröffnung 20.000 Prospekte verteilen lassen und will einen Monatsumsatz von 40.000 Mark erreichen. Tatsächlich aber drängen sich schon vor Ladenöffnung etwa 1000 Menschen auf dem Platz vor dem Geschäft, das den ganzen Tag über gefüllt sein wird. Der Kassensturz? Ergibt 20.000 Mark – das halbe Monatsziel ist erreicht.

4. Nach dem Mauerfall verteilt Roßmann Zeitschriften in Leipzig

Im Winter 1989 erfährt Roßmann, dass NPD-Leute aus dem Westen in Dresden und Leipzig Flugblätter mit rechter Propaganda verteilen. Zeitschriften aus dem Westen gibt es noch nicht zu kaufen. Um demokratische Gegenpropaganda zu betreiben, besorgt sich Roßmann im Januar 1990 vom „Spiegel“-Verlag 20.000 Remittenden, also aktuelle Exemplare, die nicht verkauft worden sind. Mit ihnen füllt er 16 Pkw von Freunden und Mitarbeitern, fährt nach Leipzig und verteilt die „Spiegel“-Hefte auf der immer noch stattfindenden Montagsdemo.

5. Einmal steht Roßmanns Unternehmen kurz vorm Konkurs

Ende 1996 hat Roßmann mit seinem Unternehmen zwölf Millionen Mark Verluste gemacht, die Kredite sind ausgeschöpft, das Eigenkapital beträgt nur noch acht Prozent – der normale Wert im Einzelhandel liegt damals bei 20 bis 25. Statt weiter die Lage nach außen hin zu beschönigen, geht Roßmann in die Offensive. Er schreibt einen 20-seitigen Brief an die Banken: Auf den ersten zehn Seiten erklärt er, welche Fehler er gemacht hat, auf den restlichen zehn, wie er sie ausbügeln will. Offenbar überzeugend: Von 20 Banken kündigen nur drei die Kredite, andere gewähren Aufschub. Roßmann erweitert das Sortiment anschließend um drogerieferne Produkte und Eigenmarken und macht so im folgenden Jahr eine Million Gewinn. Nicht viel, aber genug, um das Vertrauen der Banken zu stärken.

6. Mit 16 erfährt Roßmann, dass sein Vater nicht sein leiblicher Vater ist

„Onkel T.“, den Patenonkel seines Bruders Alex, findet Roßmann stets ein wenig seltsam. Er wundert sich etwa über die vielen Geschenke, die Onkel T. ihm selbst zu kleinen Anlässen macht. Und über den durchdringenden Blick, mit dem er ihn anschaut. Als er 16 ist – sein „Vater“ Bernhard ist da bereits tot – fragt Roßmann seine Mutter, ob Onkel T. sein Vater sei. Da erfährt Roßmann, dass er das Ergebnis eines silvesterlichen Seitensprungs mit dem damaligen Nachbarn ist. Fortan trifft er sich alle paar Monate mit seinem Vater, erhält finanzielle Unterstützung von ihm und kann sich und der Mutter davon bald die erste Eigentumswohnung kaufen.

7. Roßmann ist nie Mitglied einer Partei gewesen

Roßmann beschreibt sich als politischen Menschen, spielt mit Gerhard Schröder Tennis, ist mit Christian Wulff befreundet – doch ein Parteibuch hat er nicht. Auch aus unternehmenstaktischen Gründen. Im „Spiegel“ erklärt er dazu etwa: „Mir ist es wichtig, dass ich mich nicht so positioniere, dass alle Linken-Wähler oder alle AfD-Wähler nicht mehr bei mir kaufen, weil sie glauben, dass dieser Roßmann aus ihrer Sicht ein schlimmer Typ ist.“

8. Jahrelang macht Roßmann Psychotherapie

Als seine erste Frau ihn 1978 verlässt, beginnt Dirk Roßmann eine Therapie, die zehn Jahre dauern wird – manchmal hat er drei Sitzungen pro Woche. Roßmann lernt unter anderem, sich mit seinen Schwächen auseinanderzusetzen und über Fehler zu sprechen. Wie etwa seine Geltungssucht: Da er ein eher kleiner Mann ist, dem schon mit 14 die ersten Haare ausgefallen waren und der nur einen Volksschulabschluss hat, sei es ihm immer wichtig gewesen, bekannt zu sein und in den Medien vorzukommen. Die Therapie habe ihm zudem geholfen, ein besserer Chef zu werden – einer, der Rückgrat zeigt, berechenbar, offen, ehrlich und authentisch ist. Bis heute fördert Roßmann Mitarbeiter auch in psychologischer Hinsicht – über gruppendynamische Kurse.

9. Beim Roulette verliert Roßmann 20.000 Mark

Mit Mitte 30 liest Roßmann das Buch eines russischen Fürsten aus Sankt Petersburg, der ein todsicheres System entwickelt haben will, um im Roulette zu gewinnen. Roßmann erzählt einem Freund davon: Dieser spielt das System über sechs Monate hinweg theoretisch nach, anhand von dokumentierten Zahlenreihen aus Kasinos. Dabei ergibt sich eine Trefferquote von 99 Prozent. Roßmann und sein Freund testen die Theorie schließlich in der Praxis – und verspielen innerhalb von Stunden 20.000 Mark.

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