Gescheiterte Deals Die größten Flops bei „Die Höhle der Löwen“

Es war der spektakulärste Deal der dritten Staffel: Alle fünf Löwen wollten in den eBall investieren, eine fahrende Balance-Kugel. Doch daraus wurde nichts - die Investoren sprangen wieder ab.

Es war der spektakulärste Deal der dritten Staffel: Alle fünf Löwen wollten in den eBall investieren, eine fahrende Balance-Kugel. Doch daraus wurde nichts - die Investoren sprangen wieder ab.© VOX / Bernd-Michael Maurer

Eine Toilette im Handtaschenformat, wachmachender Kakao, eine motorisierte Skate-Kugel: Bei diesen Geschäftsideen schlugen die Löwen zu - später platzten die Deals. Die größten Flops bei "Die Höhle der Löwen".

Eine bescheidene Bilanz: 71-mal wollten die Löwen in den ersten drei Staffeln „Die Höhle der Löwen“ in Geschäftsideen investierten – doch nach der Sendung scheiterte fast die Hälfte aller Deals. Dabei zeigten die Löwen sich vor der Kamera begeistert von den Produkten der Gründer. Warum platzen so viele Deals im Nachhinein?

Ex-Löwe Jochen Schweizer verweist im „stern“ auf die Due Diligence, eine mehrmonatige Risikoprüfung, an der viele Deals scheitern: „Das Start-up der Gründer wird im Hinblick auf wirtschaftliche, rechtliche, steuerliche und finanzielle Stärken und Schwächen geprüft“, sagt Schweizer. „Nach meiner Erfahrung stoßen wir leider relativ häufig auf verschiedene Formen von Unwahrheit.“ Zum Beispiel würden Gründer unbewusst gegen Patente verstoßen, den Investoren Schulden verschweigen oder schlichtweg lügen.

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Seit Ralf Dümmel dabei ist, läuft es etwas besser für die Gründer. Der Unternehmer stieß in der dritten Staffel zu den Löwen und sackte 22 Deals ein – nur drei davon kamen nicht zustande.

Das waren die größten Flops der letzten Staffeln.

eBall: die fahrende Balance-Kugel

Es war der brisanteste Deal der dritten Staffel: Alle fünf Löwen wollten je 100.000 Euro in die elektrische Balance-Kugel investieren – einer Beteiligung aller Löwen gab es zuvor noch nie. Erfinder Uli Sambeth hatte den eBall allein in seiner Garage entwickelt und wollte das Produkt gemeinsam mit den Investoren im Juni 2017 auf den Markt bringen.

Warum ist der Deal geplatzt?

Alle fünf Juroren hatten den Vertrag zunächst unterschieben, sind aber nach und nach abgesprungen. Der Grund: Die Patent-Situation war den Löwen zu heikel. Weil die Firma Segway umfangreiche Patente halte, sei es nicht sicher, ob der eBall den US-amerikanischen und asiatischen Markt erschließen könne. Der eBall könnte diese Patente verletzen, erklärte eine Sprecherin von Dümmel dem Onlineportal „Gründerszene“. Ein Streit wäre wahrscheinlich – und ein Sieg für den eBall aussichtlos.

Wie steht es heute um die Erfindung?

Der eBall ist noch in Entwicklung. Sambeth will nicht aufgeben und sucht wieder nach Investoren: „Ich mache weiter. Mein Ziel bleibt es, den eBall auf den Markt zu bringen.“

SugarShape: BHs in individuellen Größen

Das Unterwäsche-Start-up begeisterte Frank Thelen und Judith Williams – die Löwen wollten 500.000 Euro in das Unternehmen der Schwestern Laura Gollers und Sabrina Schönborn investieren.

Die Idee hinter SugarShape: Die Schwestern bieten BHs in 50 Größen an. Kundinnen können zu Hause ihre Maße nehmen und individuelle Größen bestellen, die viele Frauen in Geschäften vergeblich suchen, so die Gründerinnen.

Warum kam der Deal nicht zustande?

Nach Aufzeichnung der Sendung arbeiteten die Gründerinnen mit Thelen und Williams an weiteren Produktideen und ihrer Online-Strategie, wie sie der „Wirtschaftswoche Gründer“ erzählten. „Am Ende des Due-Diligence-Prozesses haben aber beide Parteien entschieden, das ein anderer Investor besser zur aktuellen Situation bei SugarShape passt“, sagte Frank Thelen dem Onlineportal „deutsche-startups.de“.

Wie geht es dem Unternehmen heute?

Der Auftritt in der Sendung hat sich für SugarShape auch ohne Investment gelohnt: „In der Hoch-Zeit tummelten sich gleichzeitig 125.000 Besucher auf der Seite“, erzählten die Gründerinnen bei „deutsche-startups.de“. Allein am ersten Tag nach der Ausstrahlung verkauften sie eigenen Angaben zufolge 16.000 Unterwäsche-Boxen. „Wir haben jetzt schon unser Jahresumsatzziel übererfüllt“, sagt Sabrina Schönborn.

Einen anderen Investor haben die Schwestern auch gefunden. Wer das ist, verraten sie noch nicht.

koawach: Trinkschokolade mit wachmachendem Guarana

Kakao, der wach macht – eine Idee, um die gleich vier Investoren in der zweiten DHDL-Staffel wetteiferten. Jochen Schweizer machte den Deal: 120.000 Euro gegen zehn Prozent der Firmenanteile.

Warum platzte der Deal?

Nach intensiven Gesprächen beschlossen die Gründer und Schweizer, getrennte Wege zu gehen. Gestritten hätten sie sich nicht, sagte koawach-Erfinder Daniel Duarte dem Onlineportal „Gründerfreunde“: „Beide Seiten haben lediglich übereinstimmend festgestellt, dass es am Ende doch nicht passt und wir den Deal nicht umsetzen können.“

Wie geht es koawach heute?

Nach Ausstrahlung der Sendung gingen innerhalb von 48 Stunden 10.000 Bestellungen ein. „Das hat all unsere Erwartungen übertroffen. Auf 1500 waren wir vorbereitet, auf diesen Ansturm nicht“, so Duarte. Zudem hätten neue Einzelhändler koawach in ihr Sortiment aufgenommen, der Jahresumsatz stieg auf über eine Million Euro.

Das Kaugummi: Kaugummis mit natürlichem Geschmack

Seine Geschäftsidee kam Ingo Hofmann an der Supermarktkasse: Das Kaugummi-Sortiment war ihm zu einheitlich. Deshalb erfand er ein zuckerfreies Kaugummi mit natürlichem Geschmack. Bei Vox bewies der Gründer, dass er damit einen Nerv trifft: Gleich drei Löwen buhlten um „Das Kaugummi“. Für 250.000 Euro gegen 20 Prozent Firmenanteile bekam Ralf Dümmel den Zuschlag.

Warum scheiterte der Deal?

„Wir konnten uns nicht auf eine gemeinsame Strategie einigen“, sagte Dümmel „Focus Online“. Man sei freundschaftlich auseinander gegangen und habe eine Kooperations- und Vertriebsvereinbarung geschlossen.

Wie geht es den Gründern heute?

„Das Kaugummi“ findet sich mittlerweile in den Regalen der Drogeriekette Budnikowsky und in rund 280 Filialen der Tegut-Gruppe.

Adamus: die mobile Toilette

Eine unappetitliche Erfindung begeisterte die Investoren 2014: Marc Collinets mobile Toilette im Handtaschenformat. Reisende können unterwegs in einen geruchshemmenden Beutel pinkeln, der 750 Milliliter fasst. Die ehemaligen Löwen Vural Öger und Jochen Schweizer wollten gemeinsam mit Judith Williams 150.00 Euro investieren.

Warum platzte der Deal?

Der „Gründerszene“ sagte Collinet, dass er und die Investoren sehr unterschiedliche Interessen, Erwartungen und Ansichten hatten. Kontakt zu den Löwen hat er nicht mehr.

Wie steht es heute um das Unternehmen?

Vor laufender Kamera prognostizierte der Adamus-Gründer für das Jahr 2014 einen Umsatz von 930.000 Euro. Daraus wurde nichts: Collinet konnte nur 230.000 Euro erwirtschaften. Aktuelle Zahlen sind nicht bekannt.

 


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