Introvertiertheit Die 6 größten Stärken introvertierter Mitarbeiter
Bloß nicht im Rampenlicht stehen: Wer sich durch Introvertiertheit auszeichnet, bleibt lieber im Hintergrund.

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Bei Neueinstellungen suchen Chefs häufig die eierlegende Wollmilchsau. Studien zeigen: Introvertierte Mitarbeiter kommen dem Ideal oft ziemlich nahe. Diese 6 Stärken bringen sie mit.

Kreativ, loyal, empfänglich für Kritik, zuverlässig, teamfähig, und, und, und: Bei der Frage nach den idealen Mitarbeitern fallen Chefs auf Anhieb Dutzende Attribute ein. Und zugleich zehn Lamentos, weshalb diese Mitarbeiter so schwer zu finden sind.

Dabei kann es ganz leicht gehen, zumindest nach Ansicht vieler Wissenschaftler. Ihre Forschung zeigt: Es kann sich lohnen, in Vorstellungsgesprächen nicht unbedingt jenen Bewerbern die meiste Aufmerksamkeit zu schenken, die sich selbstbewusst und forsch präsentieren. Sondern ganz bewusst den eher Introvertierten zuzuhören. Denn Dutzende Einzelstudien haben ergeben: Introvertierte Mitarbeiter erfüllen von dem, was sich Unternehmen von Angestellten so alles wünschen, oft mehr als extrovertierte – zumindest dann, wenn Chefs wissen, wie Sie aus stillen Typen das Beste herausholen.

Die sechs wichtigsten Gründe, warum Chefs mehr Introvertierte einstellen sollten, nennt Geoffrey James, Autor des Buchs „Business Without the Bullsh*t“, in einem Artikel im US-Wirtschaftsmagazin Inc.com.

1. Introvertierte sind kritikfähiger

Ob Mitarbeitergespräch oder direktes Feedback auf der Baustelle: Introvertierte Mitarbeiter leisten im Anschluss an ein Feedback mehr als ihre extrovertierten Kollegen. Und zwar unabhängig davon, ob die Kritik positiv, negativ oder neutral ausfällt. Zu diesem Schluss kamen beispielsweise Wissenschaftler, die Versuchsteilnehmern eine Gedächtnisaufgabe stellten, ihnen dann eine Rückmeldung gaben, wie der Test ausgefallen war – und danach weitere Aufgaben stellten. Verglichen mit den Extrovertierten schnitten die Introvertierten dabei deutlich besser ab.

2. Introvertierte halten Deadlines besser ein

„Das muss morgen fertig sein. Besser wäre heute!“ Wenn Sie als Unternehmer gezwungen sind, Mitarbeiter immer mal wieder mit kurzfristigen Deadlines zu konfrontieren, ist es gut, einige Introvertierte im Team haben. Denn Wissenschaftler fanden heraus: Während Extrovertierte bei hohem Zeitdruck häufig in eine Art Schockstarre verfallen, bleiben Introvertierte eher handlungs- und entscheidungsfähig. Unter nur geringem Zeitdruck dagegen arbeiten beide Gruppen gleich gut.

3. Introvertierte sind teamfähiger

Menschen, die sich gern nach außen hin präsentierten, sind oft schnell dabei, wenn es darum geht, Ideen zu entwickeln und diese zu verkaufen. Aber: Langfristig sollten sich Unternehmer nicht auf die vermeintlich hohe Energie Extrovertierter verlassen. Besonders dann nicht, wenn sie darauf angewiesen sind, dass Mitarbeiter ein Team bilden. Denn in der Gruppe, so konnten Wissenschaftler anhand verschiedener Versuche zeigen, leisten Introvertierte bessere Arbeit. Beispielsweise stellte sich heraus, dass sie im Team seltener Streits beginnen als Extrovertierte – und eher in der Lage sind, gemeinsam mit anderen kreative Lösungen für Probleme zu entwickeln.

4. Introvertierte lassen sich leichter motivieren

Ein Wort des Dankes hier, ein Lob dort: Äußern sich Chefs wertschätzend, steigert das die Motivation und damit die Produktivität aller Mitarbeiter. Indes: Introvertierte Menschen fühlen sich durch nette Kommentare besonders angespornt, wie Studien belegen. Beispielsweise ließen Psychologen 124 Versuchsteilnehmer Durchstreich-Tests absolvieren und markierten diese mit „gut“ oder „schlecht“. Introvertierte reagierten auf wiederholtes Lob mit einer signifikant höheren Arbeitsleistung als ihre extrovertierten Kollegen.

5. Introvertierte sprechen öfter Klartext

„Jetzt kommen Sie doch mal auf den Punkt“ oder „Was meinen Sie damit denn genau?“ Stellen Sie diese Fragen einem Mitarbeiter öfter, haben Sie vermutlich einen extrovertierten Menschen vor sich. Denn diese, so Forscher, nutzen öfter so genanntes „Biz blab“, also Business-Geschwätz, sowie vage, abstrakte Begriffe – und neigen dazu, eigene Meinungen und Interpretationen kundzutun. Introvertierte Menschen dagegen sprechen prägnanter, nutzen häufig konkrete Beispiele, um das Gesagte zu illustrieren – und benennen eher Fakten, als diese offen zu deuten. Außerdem, so eine weitere Erkenntnis der Forscher, sprechen introvertierte Menschen langsamer – und damit überlegter.

6. Introvertierte richten seltener Schaden an

Aufträge mit Absicht schlecht erledigen, Betriebsgeheimnisse an Konkurrenten verraten, kündigen und Kundenkontakte mitnehmen: Wollen Mitarbeiter ihrem Arbeitgeber absichtlich schaden, haben sie dazu viele, gleichermaßen üble Möglichkeiten. Wer introvertierte Menschen beschäftigt, kann das Risiko verringern, dass so etwas passiert. Denn eine Studie mit Probanden aus der ganzen Welt hat gezeigt: Es sind eher die sehr extrovertiert und selbstbewusst auftretenden Menschen, die ihrem Arbeitgeber Böses wollen.

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7 Kommentare
  • Lavinia 3. November 2021 20:31

    Wunderbarer Artikel!! Vielen Dank dafür.

  • Dr. Spock (aus dem 'N'irgendwo) 2. November 2021 08:02

    Tach!

    Ich fand ihren Artkel interessant!

    MfG

    2.11.21

  • Hans Bohl 2. November 2021 03:42

    100% Zustimmung – den Nagel auf den Kopf getroffen!

  • Doris Schumacher 1. November 2021 10:13

    Schließe mich dem Kommentar an. Wer introvertiert ist, muss nicht gleichzeitig schüchtern sein. Auch „Intros“ können selbstbewusst und kommunikativ sein. Nur funktionieren die Regeneration (Energie-Haushalt) und die Verarbeitung von Reizen anders als bei extravertierten Menschen. Siehe z.B. die diversen Bücher von Sylvia Löhken zu dem Thema. Schüchternheit und Introversion gleichzusetzen, ist schlichtweg falsch.

  • Emil Annen 1. November 2021 08:19

    Ich frage mich immer wieder, ob die sogenannten Extravertierten überhaupt nach aussen gerichtet sind. Sie sind doch nur auf sich selbst gerichtet, immer auf der Suche nach Aufmerksamkeit, Anerkennung und Zugehörigkeit. Die Introvertierten sind mehr auf ihre Umwelt gerichtet und nehmen mehr von aussen auf. Kommt auf die Sicht an, ob man die Menschen von aussen betrachtet oder ob man sich in die Menschen versetzt. Von aussen betrachtet wirken sie dann schüchtern und auf sich selbst bezogen. Von innen betrachtet nehmen sie viel mehr von den Menschen und der Umwelt auf und entwickeln darum die im Text beschriebenen Eigenschaften.

  • Introvertiert 27. Oktober 2021 23:54

    Ein netter Text. Aber Introversion ist auf keinen Fall mit Schüchternheit gleichzusetzen! Bitte beim nächsten Mala zum Wohle der Sinnhaftigkeit des Texts auf Synonyme verzichten. Diese ergeben hier leider überhaupt keinen Sinn!!!

    • Gesche Peters 3. November 2021 09:11

      Vielen Dank für Ihren Hinweis, wir haben das im Text geändert.

      Viele Grüße aus der Redaktion

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