Stellenanzeigen für Frauen So bekommen Sie mehr Bewerbungen

Wer mit seinen Stellenanzeigen Frauen und Männer gleichermaßen ansprechen will, sollte auf die richtigen Formulierungen setzen.

Wer mit seinen Stellenanzeigen Frauen und Männer gleichermaßen ansprechen will, sollte auf die richtigen Formulierungen setzen.© b-fruchten / photocase.de

Auf Ihre Stellenanzeige meldet sich niemand? Womöglich liegt's daran, dass sie viele potenzielle Kandidaten abschreckt: Frauen. Welche Jobanzeigen Bewerberinnen überzeugen.

Schon bei der Stellenanzeige verspielen viele Arbeitgeber die Chance, weibliche Fachkräfte für sich zu gewinnen. „Frauen fühlen sich von Jobausschreibungen häufig abgeschreckt“, erklärt Sibylle Stippler vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA). Wie muss also eine Jobanzeige aufgebaut sein, damit sich Frauen angesprochen fühlen?

Dieser Frage sind das KOFA und das Kompetenzzentrum Frau und Beruf nachgegangen: Die Forscher trugen aktuelle Studien und wissenschaftliche Erkenntnisse zum Thema zusammen. Zusätzlich befragten sie exemplarisch drei Frauen unterschiedlichen Alters und Berufs, was sie sich von einem potenziellen Arbeitgeber wünschen, wie sie sich über Unternehmen informieren und worauf sie konkret bei Jobangeboten achten. Das Ergebnis: ein Prototyp für eine Stellenanzeige, die Frauen besonders anspricht. Das sind die Ergebnisse.

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1. Die Berufsbezeichnung: möglichst geschlechtsneutral

Wählen Sie eine neutrale Jobbezeichnung; besonders, wenn Sie in einer männlich dominierten Branche tätig sind.

Beispiel: Schreiben Sie „Abteilungsleitung“ statt „Abteilungsleiter“, „Verwaltungskraft“ statt „Sachbearbeiter“  oder „Fachkraft“ statt „Fachmann“.

Sie können auch ganz klassisch (m/w) hinter die Berufsbezeichnung schreiben, das ist rechtlich okay. Aber, warnen die Studienautoren, schon dadurch transportiere der Arbeitgeber eine geschlechtliche Vorstellung. Ein typischer Fall: „Sekretärinnen (w/m)“ oder „Techniker (m/w)“  –  besser wäre „Assistenz“ oder „technische Hilfskraft“.

Aber Vorsicht bei der Formulierung: Männer dürfen sich nicht ausgegrenzt fühlen, denn sonst können sie wegen Diskriminierung in Stellenanzeigen klagen: Potenzielle Bewerber dürfen nicht aufgrund des Geschlechts, Alters, ethnischer Herkunft, Religion oder einer Behinderung ausgeschlossen werden.

2. Das Anforderungsprofil: Macht und Status wirken abschreckend

Den Anforderungskatalog in einer Stellenausschreibung nehmen Frauen und Männer besonders unterschiedlich wahr: Männer überlesen diesen Punkt oft; für Frauen hingegen ist die Auflistung der Qualifikationen der entscheidende Punkt. Werden hier zu viele männlich assoziierte Begriffe benutzt, bewerben sich die meisten Frauen gar nicht erst.

Beispiel: Vermeiden Sie Begriffe wie „ehrgeizig“, „hartnäckig“ oder „durchsetzungsstark“. Schreiben Sie stattdessen „Ziele klar im Blick haben“, „Ziele mit Ausdauer verfolgen“ oder „die Fähigkeit, Ziele erfolgreich zu erreichen“.

Stippler erklärt außerdem: „Die meisten Frauen bewerben sich nur dann, wenn der Anforderungskatalog der Stellenanzeige und ihr persönliches Profil deckungsgleich sind.“ Formulieren Sie das Anforderungsprofil also eher aufgaben- und qualifikationsorientiert. Mit Eigenschaften, die sich auf Macht und Status beziehen, können sich Frauen oft nicht identifizieren.

3. Das Gehalt: ein heikles Thema

Viele Frauen finden es schwierig, Gehaltsvorstellungen zu definieren: Sie wollen nicht unverschämt wirken und sind unsicher, wie viel Geld sie fordern können. Geben Sie deswegen einen Gehaltsrahmen für die Stelle vor. So bleiben Sie flexibel, das Gehalt im Nachhinein an die Qualifikation der Bewerberin anzupassen.

Beispiel: „Je nach Erfahrung und Qualifikation ist für diese Position ein Bruttojahresgehalt von bis zu 40.000 Euro möglich.“ Oder: „Wir bieten Ihnen ein attraktives Gehalt, angelehnt an den Tarifvertrag des öffentlichen Dienst, Entgeltgruppe XY.“

4. Die Bilder: Wer Frauen will, muss Frauen zeigen

Wer Frauen ansprechen will, sollte sie möglichst sichtbar machen. Achten Sie also bei der Bildauswahl für Ihre Stellenanzeige darauf, dass möglichst Frauen zu sehen sind.

Achtung: Verwenden Sie keine eingekauften Fotos von Fremden, so genannte Stock-Fotos, sondern Bilder von Menschen, die tatsächlich im Unternehmen arbeiten. Verzichten Sie auf gestellte Fotos.

5. Die Vorstellung: Zeit, Ihr Unternehmen zu beschreiben

Studien zeigen: Frauen nehmen sich viel mehr Zeit zum Lesen von Stellenausschreibungen. Sie bevorzugen einen Fließtext, den sie strukturiert durchlesen. Besonders interessant sind für sie Informationen zur Unternehmenskultur, Arbeitszeiten und Qualifikationsmöglichkeiten. Männer hingegen lesen häufig quer und interessieren sich vor allem für das Unternehmensprofil.

Wenn Sie also Frauen ansprechen wollen, nehmen Sie sich Zeit und beschreiben Sie Ihre Unternehmenskultur: Eigenschaften wie Vielfalt und Chancengleichheit im Betrieb sind nicht nur für Frauen, sondern für alle Bewerber wichtige Faktoren.

Tipp: Nutzen Sie soziale Medien und Ihre Firmenwebseite, um potenziellen Bewerberinnen und Bewerbern das Miteinander im Unternehmen zu zeigen. Denn wer sich für die Arbeit in einem Betrieb interessiert, sucht meist online nach Zusatzinformationen.

6. Versprechen Sie nichts, was Sie nicht halten können

Weisen Sie, wenn vorhanden, auf konkrete Angebote zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie hin. Werben Sie aber nicht mit Versprechen, die Sie später nicht halten können. Über soziale Netzwerke machen solche Irreführungen schnell die Runde – und das sorgt für Unmut bei potenziellen Bewerbern.

Wer die Tipps beachtet, bekommt mehr Bewerbungen

Die Forscher haben den Prototyp der Stellenanzeige für Frauen auch an Männern getestet. Das Ergebnis: Unternehmen können nicht verlieren, wenn sie Jobanzeigen eher weiblich formulieren. „Männer fühlen sich überhaupt nicht abgeschreckt, wenn sie eher weibliche Attribute lesen“, sagt Stippler. Man könne also sagen: „Wer diesen Tipps folgt, spricht einen größeren Pool Menschen an und kann grundsätzlich mit mehr Bewerbungen rechnen.“

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1 Kommentar
  • Axel Haitzer 8. März 2018 09:54

    Oft hilft gesunder Menschenverstand, die Qualität und Praxistauglichkeit von „Studien“ zu überprüfen. Wir erfahren in Ihrem Artikel, dass die Forschergruppe des KOFA (Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung) und Competentia exemplarisch die unglaubliche Menge von 3 (in Worten DREI) Frauen unterschiedlichen Alters und Berufs befragt hat, um die zusammengetragenen Studien und wissenschaftlichen Erkenntnisse zu validieren. Das Ergebnis ist ein Prototyp für eine Stellenanzeige, die Frauen (angeblich)

    besonders anspricht. Lassen Sie uns kurz gemeinsam überlegen. Reichen 3 Altersgruppen, um das Spektrum der Altersgruppen auch nur annähernd abzubilden? Reichen 3 Berufe, um das Spektrum der verschiedenen Berufe auch nur annähernd abzubilden? Zur Erinnerung: Es gibt in Deutschland um die 350 verschiedene Ausbildungsberufe. Zusätzlich haben Studenten und Studentinnen – je nachdem, wie gerechnet wird – die Wahl zwischen etwa 4.000 bis 6.500 verschiedenen Studiengängen. Was in der aber viel entscheidender ist als Alters- und Berufsgruppen ist das Geschlecht. Vom Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) wird verkündet, dass es Stellenanzeigen für die Rekrutierung von Frauen gäbe. Denklogisch muss es dann ja auch Stellenanzeigen für die Rekrutierung von Männern geben. Die Theorie würde stimmen, wenn alle Frauen gleich „ticken“ würden. Für die Männer gilt das natürlich anlog. Ist das Verhaltensprofil von ALLEN Frauen tatsächlich gleich? Ist das Verhaltensprofil von ALLEN Männern tatsächlich gleich? Natürlich nicht!

    Jedes (potenzielle) Teammitglied [m/w] hat andere Dinge, die es motiviert. Jedes (potenzielle) Teammitglied hat andere Stärken und Begrenzungen. Es ist nicht das Geschlecht relevant, sondern das gewünschte Verhalten und die Potenziale. Wenn eine „ehrgeizige“, „hartnäckige“ oder „durchsetzungsstarke“ Führungspersönlichkeit gesucht wird, werden sich auch Frauen bewerben, die eben genau diese Verhaltensmuster mitbringen. Untersucht man Texte nach sogenannter „Frauensprache“ und „Männersprache“ lässt sich nachweisen, dass es in der jeweiligen Geschlechtergruppe belegbare Präferenzen in die jeweilige geschlechtstypische Sprache gibt. Je nach Gruppe fühlen sich jedoch typischerweise in etwa zwischen 20 % und 40 % mehr der Sprachwelt des eigentlich anderen Geschlechts wohler. Mal abgesehen davon, dass die im Beitrag erwähnten Floskeln wie „ehrgeizige“, „hartnäckige“ oder „durchsetzungsstarke“, mangels konkreter Aussagekraft, in keiner Stellenanzeige auftauchen sollten, gibt es keine eindeutige „Geschlechtersprache“. Natürlich haben Sie recht, wenn Sie, sehr geehrte Frau Myriam Apke, schreiben, „Macht und Status wirken abschreckend“. Es schreckt jedoch nicht nur Frauen ab, sondern auch Männer. Und zwar genau die Leser der Stellenausschreibung, die nicht zu der ausgeschriebenen Position passen, die „Macht und Status“ beinhaltet.

    Erfolgreiche Stellenanzeigen sprechen die passenden potenziellen Teammitglieder – unabhängig vom Geschlecht – über die konkret beschriebenen Aufgaben und das gewünschte Verhaltens- und Kompetenzprofil an. Die gute Nachricht für alle Personaler: Es gibt kaum Konkurrenz! Gute Stellenanzeigen sind sehr, sehr selten. Es lohnt sich also, Stellenanzeigen mit Magnetwirkung zu texten. Dann und nur dann werden die passenden Bewerber anzogen. Und zwar die, die perfekt auf die ausgeschriebene Stelle passen. Egal, ob Frau oder Mann (und neuerdings auch „Diverse“).

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