Dankbarkeit Diese Fähigkeit guter Führungskräfte wird chronisch unterschätzt

Eines der wichtigsten Handwerkszeuge für Unternehmer: Dankbarkeit.

Eines der wichtigsten Handwerkszeuge für Unternehmer: Dankbarkeit. © KiraYan_photography / photocase.de

Wie muss ein guter Chef sein? Stark, durchsetzungsstark, selbstbewusst? Vielleicht, aber nicht nur. Eine wichtige Fähigkeit wird viel zu oft übersehen.

Vor einiger Zeit habe ich in einem Newsletter von meinem Kreta-Urlaub berichtet. Selten habe ich auf einen Newsletter so viele Rückmeldungen bekommen.

Ich beschrieb in dem Newsletter, wie unterschiedlich manche Miturlauber ein und denselben Urlaubsort bewerteten. Meiner Ansicht nach war die Anlage sauber. Das Essen lecker. Der Strand romantisch. Die Restaurants stilvoll. Der Ausblick fantastisch.

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Und trotzdem traf ich ihn allerorten: den Meckerer. Der Meckerer beklagt etwa in Olivenöl getränktes Essen – in Griechenland!

Der Meckerer beschwert sich, dass der Sand zu grobkörnig sei.

Der Meckerer findet die Sonnenschirme zu klein, den Wind zu stark, den Wein zu süffig, die Pommes zu kalt. (Den ganzen Newsletter können Sie hier lesen)

Ich meckere auch gerne – über Meckerer. Wenig geht mir so auf den Zeiger wie verwöhnte Mitmenschen, die es anscheinend völlig verlernt (oder nie gelernt?) haben, dankbar zu sein. Und wenn ich mir die Zuschriften der Leser anschaue, dann bin ich damit nicht allein.

Dankbarkeit zu empfinden ist für mich eine zentrale Fähigkeit, die jeder Mensch üben sollte – vor allem jene, die ein Unternehmen oder andere Menschen führen. Und zwar aus diesen Gründen:

1. Dankbarkeit hilft uns, erfolgreicher zu werden.

Wer keine Dankbarkeit empfinden kann, der wird auch nie wahres Glück empfinden. Wer dankbar ist, der fokussiert sich auf das Gute in seinem Leben. Er kann Erfolge mehr genießen – was wiederum motivierend ist, nach noch mehr Erfolg zu streben.

2. Dankbarkeit hilft uns, Misserfolge wegzustecken.

Wer sich im Urlaub von einem zu süffigen Wein den Abend verderben lässt, dem ist der Kompass verloren gegangen, was wirklich wichtig ist. Wer aber mit einer grundsätzlichen Dankbarkeit durchs Leben geht, der kann Negatives und Misserfolge in Perspektive setzen – und sie so besser wegstecken.

3. Dankbarkeit hilft uns, funktionierende Beziehungen einzugehen.

Damit meine ich nicht nur romantische Beziehungen, sondern auch Arbeitsbeziehungen. Denn natürlich umgeben wir uns lieber mit Menschen, die das Positive (in uns) sehen, als mit solchen, die alles als selbstverständlich betrachten oder sich auf das Negative fokussieren. Mit Menschen, die Dankbarkeit ausstrahlen, arbeitet man gerne zusammen, denn sie sind voller positiver Energie.

Ein Chef, der Dankbarkeit empfindet, wird in seiner Führungsarbeit instinktiv vieles richtigmachen: Er wird sich zum Beispiel eher darauf konzentrieren, die Stärken seiner Mitarbeiter zu fördern, als an den Schwächen rumzudoktern.

4. Dankbarkeit fühlt sich gut an

Als Kind habe ich jeden Abend, wenn ich im Bett lag, gebetet und mich für die guten Dinge bedankt, die mir an dem Tag widerfahren waren. Heute bete ich nicht mehr. Aber das abendliche Ritual, darüber nachzudenken was an dem Tag Gutes passiert ist, ist geblieben – und ich empfinde es als besonders wertvoll an Tagen, die eigentlich grauenhaft waren. Dankbarkeit fühlt sich einfach super an. Mit großer Zuverlässigkeit vertreibt sie Bitterkeit, Eifersucht, Ärger, Groll – all diese Gefühle, die uns kein Stück voranbringen. (Und das ist nicht nur meine Erfahrung, sondern in psychologischen Studien vielfach untersucht, nachzulesen zum Beispiel hier oder hier)

5. Dankbarkeit kennt kein Limit

Diesen Gedanken habe ich letztens in einem Text der Keynote-Speakerin Erika Andersen auf Forbes.com gelesen – und ich fand ihn toll: Dankbarkeit kennt keine Obergrenze. Man kann so sehr dankbar sein, wie man möchte.

6. Dankbarkeit kann man trainieren

Im Vergleich zu anderen Emotionen, wie zum Beispiel Freude, kann man Dankbarkeit recht gut selbst erzeugen. Eine gute Übung ist es, abends darüber nachzudenken (oder gar aufzuschreiben), was an dem Tag gut war. Habe ich jemandem geholfen? Hat das Essen gut geschmeckt? Waren die Rückenschmerzen endlich verschwunden? Habe ich jemandem zum Lachen gebracht? Hat die Sonne geschienen? Hatte ich bei der Arbeit eine gute Idee? Mit zunehmender Übung werden einem immer mehr Dinge auffallen, für die man dankbar sein kann.

Diese Übung, das schreibe ich aus eigener Erfahrung, ist Gold wert. Wer es gewohnt ist, sich auf das Positive zu fokussieren, wird sich auch an Misttagen nicht entmutigen lassen. Er kann seine Gedanken davon abhalten, um das Negative zu kreisen und so besser ein- und durchschlafen.

7. Nur wer Dankbarkeit empfindet, kann richtig danke sagen

Kurz vor Weihnachten spucken Ratgeberseiten (so auch impulse.de) wieder massenweise Artikel aus, wie man sich bei seinen Mitarbeitern bedanken kann:

„10 kreative Wege Danke zu sagen“

„So bedanken Sie sich bei Ihren Mitarbeitern“

„Warum Wertschätzung ein Muss für jede Führungskraft ist“

Und ich sehe es direkt vor mir: Wie auf Weihnachtsfeiern Blumensträuße verteilt („Bettina ist seit 20 Jahren unsere gute Seele“) und Weinflaschen übergeben werden („Martin ist dieses Jahr besonders über sich hinausgewachsen.“).

Danke zu sagen ist in der Tat eine gute Sache – allerdings nur, wenn das „Danke“ ernstgemeint ist. Ein „Danke“, hinter dem keine Dankbarkeit steckt, wird nämlich sofort als unecht enttarnt. Und anstatt sich zu freuen, wird Bettina denken: „Die Blumen kannst du dir sonst wohin stecken, gib mir lieber mal eine Gehaltserhöhung.“

Wer dagegen echte Dankbarkeit ausstrahlt, der wird vom Gegenüber oft mit Loyalität belohnt.

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